Aktualisiert 24.03.2020 09:37

SpitälerPfleger müssen trotz Husten weiterarbeiten

Trotz Coronavirus gilt: Bei Husten und Schnupfen arbeitet das Gesundheitspersonal weiter. An dieser Praxis wird jetzt Kritik laut.

von
B. Zanni/ N. Knüsel
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Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) appelliert an die Selbstverantwortung: Wer Krankheitssymptome habe, solle zu Hause bleiben und möglichst den Kontakt zu anderen Personen vermeiden. Anders verhält es sich jedoch mit dem Spitalpersonal.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) appelliert an die Selbstverantwortung: Wer Krankheitssymptome habe, solle zu Hause bleiben und möglichst den Kontakt zu anderen Personen vermeiden. Anders verhält es sich jedoch mit dem Spitalpersonal.

Keystone/Alessandro Crinari
Gemäss einem Merkblatt des Stadtspitals Waid und Triemli, das 20 Minuten vorliegt, sind Mitarbeiter bei leichten Beschwerden wie Husten, Schnupfen und Halsschmerzen, aber ohne Fieber, weiterhin im Einsatz.

Gemäss einem Merkblatt des Stadtspitals Waid und Triemli, das 20 Minuten vorliegt, sind Mitarbeiter bei leichten Beschwerden wie Husten, Schnupfen und Halsschmerzen, aber ohne Fieber, weiterhin im Einsatz.

Privat
Verlangt wird, dass die Betroffenen im Kontakt mit Patienten oder anderen Personen im Spital durchgehend eine chirurgische Maske tragen.

Verlangt wird, dass die Betroffenen im Kontakt mit Patienten oder anderen Personen im Spital durchgehend eine chirurgische Maske tragen.

Keystone/Alessandro Crinari

Die Gefahr, dass sich das Coronavirus durch Neuansteckungen weiterverbreitet, ist gross. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) appelliert deshalb an die Selbstverantwortung: Wer Krankheitssymptome habe, solle zu Hause bleiben und möglichst den Kontakt zu anderen Personen vermeiden. Anders verhält es sich jedoch mit dem Spitalpersonal.

Gemäss einem Merkblatt des Stadtspitals Waid und Triemli, das 20 Minuten vorliegt, sind Mitarbeiter bei leichten Beschwerden wie Husten, Schnupfen und Halsschmerzen, aber ohne Fieber, weiterhin im Einsatz.

Verlangt wird, dass die Betroffenen im Kontakt mit Patienten oder anderen Personen im Spital durchgehend eine chirurgische Maske tragen. Dazu müssen sie die Hygienemassnahmen wie häufiges Händewaschen und Abstandhalten strikte einhalten. Für zu Hause sieht das Stadtspital hingegen die Selbstquarantäne gemäss BAG vor. Auch andere Schweizer Spitäler geben auf Anfrage an, dass ihr Personal bei Erkältungssymptomen arbeite.

«Meine Mitarbeiter bleiben zu Hause»

Einige Personen aus dem Gesundheitswesen haben sich bereits mit dem Coronavirus angesteckt. Das Virus ist tückisch: Viele Infizierte entwickeln laut Studien nur milde Symptome. Laut der «South China Morning Post» könnte ein Drittel aller Infizierten das Virus sogar unbemerkt in sich tragen.

Eine erkältete Pflegefachfrau des Spitals Triemli empört das Vorgehen. «Theoretisch hätte ich offiziell jetzt grünes Licht, um wieder arbeiten zu gehen, was ich aber so nicht nachvollziehen kann», sagt sie. Das Spital handle fahrlässig. «Abstand zu halten in der Pflege ist schlichtweg nicht möglich!»

Für den Allgemeinarzt Hans-Ulrich Hübscher steht fest: «Haben meine Mitarbeiter Husten oder Schnupfen, bleiben sie zu Hause in Quarantäne bis zum Erhalt des negativen Testresultats.» Schliesslich habe das Coronavirus eine hohe Ansteckungsgefahr. «Für meine Mitarbeiter und meine Patienten ist dieses Vorgehen die sicherste Lösung.»

Die Pflegefachfrau C. L.* findet: «Wer sich krank fühlt, soll zu Hause bleiben.» Sie fügt an: «Niemand kann von uns erwarten, dass wir uns in dieser Situation, für die wir nicht verantwortlich sind, zugrunde richten.» Ihrer Meinung nach sollte sich zudem jeder Mitarbeiter, der befürchtet, angesteckt worden zu sein, umgehend auf Corona testen lassen können.

«Reizhusten verspüren viele Leute»

Tobias Faes, Leiter Marketing am Stadtspital Waid und Triemli, bestätigt, dass das Merkblatt am Stadtspital Waid und Triemli gelte. Symptomatische Personen, die im Gesundheitswesen arbeiten, sollten getestet werden, sagt er. «Bei jeder Form von Husten oder laufender Nase zu testen, ist jedoch nicht sinnvoll. Reizhusten, Pollenallergie und so weiter verspüren viele Leute.» Getestet werden solle nur, wenn die Symptome klar über das Normale oder Übliche hinausgingen.

Auch das Universitätsspital Basel verteidigt die Praxis. «In einer solchen Krisensituation muss jedes Spital abwägen: Wenn zahlreiche Mitarbeitende fehlen, kann unter Umständen die Versorgung schwer kranker Menschen nicht mehr sichergestellt werden», sagt Thomas Pfluger, Leiter Marketing und Kommunikation. Dies müssten sie zusammen mit ihren Mitarbeitenden verhindern. «Die vorgesehenen Massnahmen sind gut überlegt und werden regelmässig überprüft.»

Josef Widler, Präsident der Ärztegesellschaft Kanton Zürich, schliesst sich an. «Wir brauchen jetzt jede Hand in der Pflege. Behielten die Spitäler jeden Mitarbeiter wegen eines Schnupfens zu Hause, würde das Gesundheitssystem zusammenfallen», sagt er. Auch, dass sich erkältetes Personal zu Hause in Selbstquarantäne begeben soll, ist für Widler verständlich. «Man hat vergessen, dass sich Ärzte und Pflegepersonal in ihrem Job schon immer gewissen Gefahren aussetzen mussten. Privat hingegen wäre dies verantwortungslos.»

*Name der Redaktion bekannt

Symptome für Corona

Symptome können auftreten:

- Husten (meist trocken)

- Halsschmerzen

- Kurzatmigkeit

- Fieber

- Fiebergefühl

- Muskelschmerzen

Selten sind:

- Kopfschmerzen

- Magen-Darm-Symptome

- Schnupfen

Komplikationen wie eine Lungenentzündung.

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