Aktualisiert 18.07.2016 09:31

Sexueller Missbrauch?

Pflegevater von 4-Jähriger sitzt in U-Haft

Gegen einen Zürcher Pflegevater werden schwere Vorwürfe erhoben: Der 56-Jährige soll seine 4-jährige Pflegetochter wiederholt sexuell missbraucht haben.

von
jen
Freiwillig fremdplatziert oder nicht? Die KESB Horgen ist ebenfalls in den Fall des Pflegevaters involviert.

Freiwillig fremdplatziert oder nicht? Die KESB Horgen ist ebenfalls in den Fall des Pflegevaters involviert.

Keystone/Urs Flueeler

Jahrelang betreute ein 56-Jähriger Pflegevater mit seiner Ehefrau bis zu zehn Kinder in seiner Wohnung. Nun sitzt er seit dem 14. Juni in Untersuchungshaft, wie der «SonntagsBlick» berichtet. Der Grund: Er soll seine 4-Jährige Pflegetochter mehrmals sexuell missbraucht haben. Die Zürcher Staatsanwaltschaft, Spezialabteilung für Gewaltdelikte, führt nun das Verfahren gegen ihn.

Die Kleine war das einzige Pflegekind, dass bei dem Ehepaar lebte. Alle anderen Kinder waren nur tagsüber dort. Vor rund einem Jahr wurde das Mädchen von den Behörden fremdplatziert, weil sich dessen leibliche Mutter in einer schwierigen Lage befand und Hilfe benötigte. Die genauen Umstände der Fremdplatzierung sind allerdings umstritten.

In einer Stellungnahme gegenüber dem «SonntagsBlick» sagt die zuständige Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) Horgen ZH, dass die Fremdplatzierung freiwillig erfolgte. Die Kindsmutter sagt aber, die Behörden hätten sie dermassen unter Druck gesetzt, dass sie keine andere Wahl gehabt habe, als der Fremdplatzierung einzuwilligen.

Blaue Flecken und Bisswunden

Der Verhaftete war gemäss dem Bericht in seinem Umfeld als umgänglicher Mensch bekannt. Zudem habe er sich immer gut mit Kindern verstanden.

Doch offenbar hatte er noch eine andere Seite, von der niemand etwas gemerkt hatte – bis im Frühjahr das Mädchen bei Wochenendbesuchen ihrer leiblichen Mutter und Grossmutter folgendes erzählte: Ihr Pflegevater habe sie zwischen den Beinen eingeseift und sei auch zu ihr ins Bett gelegen. Das Kind wies an mehreren Körperstellen blaue Flecken und eine Bisswunde auf. Medizinische Abklärungen hätten ergeben, dass diese eindeutig von einer erwachsenen Person stammen.

Am 29. März 2016 erstatteten Mutter und Grossmutter Anzeige gegen den Pflegevater bei der Kantonspolizei Zürich. Die beiden weigerten sich das Kind zurück zum Pflegevater zu bringen. Seither leben keine weiteren Pflegekinder mehr bei der Familie, wie Michael Rüegg vom Sozialdepartement der Stadt Zürich gegenüber «Sonntagsblick» sagt. Auch die Ehefrau, die von den Vorwürfen ausgeschlossen ist, wird, bis die Anschuldigungen gegen ihren Ehemann geklärt sind, nicht als Tagesmutter tätig sein.

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