Aktualisiert 18.09.2014 15:16

Takeda

Pharma-Firma streicht 83 Stellen in Glattbrugg

Die Firma Takeda Pharmaceuticals lagert 83 Stellen von der Schweiz in die USA und nach Singapur aus. Diese Woche wurden die Betroffenen informiert. Es gibt einen Sozialplan.

von
C. Landolt/K. Wolfensberger

Der japanische Pharmamulti Takeda Pharmaceuticals will in seiner europäischen Zentrale im zürcherischen Glattbrugg 83 Vollzeitstellen abbauen. Derzeit arbeiten 360 Personen an diesem Standort. Der Mediensprecher von Takeda Pharmaceuticals bestätigte eine entsprechende Anfrage von 20 Minuten. CEO Christophe Weber informierte die Belegschaft diese Woche.

Offiziell haben die angekündigten Veränderungen das Ziel, «Takedas globale Präsenz optimal aufzustellen und Medikamente zielgerichteter zu entwickeln». Die Umbaupläne sähen vor, die regionalen Geschäftseinheiten zu stärken, Onkologie und Impfstoffe als eigene Geschäftseinheiten zu betreiben, Forschung und Entwicklung zu konzentrieren und Entscheidungsprozesse zu verschlanken, wie es in einer schriftlichen Stellungnahme heisst.

Teile des Marketings und von Medical Affairs, die jetzt von Glattbrugg aus betrieben werden, sollen in die anderen Länderorganisationen und in die USA verlagert werden. Die Zentrale für Emerging Markets zieht wohl nach Singapur. Mitarbeiter nennen in einem Blog als mögliche Standorte Boston, Singapur und London.

Gespräche am Laufen

Laut Mediensprecher wurden Gespräche mit Mitarbeitenden bereits aufgenommen. Ein Sozialplan sei ebenfalls Gegenstand der Diskussion. Auf Patienten, Ärzte und andere Partner habe dieser Vorgang keine Auswirkungen. Die Schweizer Ländergesellschaft von Takeda am Standort Pfäffikon SZ sei von den Plänen nicht berührt, heisst es. Einem internen Papier zufolge, das 20 Minuten vorliegt, soll der Prozess Ende Oktober abgeschlossen sein.

Mitarbeiter äussern sich in einem Blog empört über die neue Strategie.«Anonymous» schreibt: «Takeda gab mir drei neue Stellen. Jetzt muss ich mit meiner Familie in die USA zügeln. Ich habe ein behindertes Kind. Grossartig, dieser Takedaism!»

Takeda will seine Präsenz in den Schwellenländern und Europa deutlich ausbauen. Die vorgestellten Veränderungen würden laut Mediensprecher diese Globalisierung weiter vorantreiben.

Die Takeda Pharmaceutical Company (TKPYY, 41.88 CHF)) ist das grösste Pharmaunternehmen Japans. Es stellt Arzneimittel für verschiedene Fachbereiche her, unter anderem für Herz-/Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes.

Risiko für Blasenkrebs

Zuletzt in die Schlagzeilen geriet Takeda Anfang April dieses Jahres, als ein Gericht in den USA die Firma und deren Marketingpartner Eli Lilly für schuldig befand, die Krebsrisiken des Diabetes-Typ-2-Medikaments Actos verschwiegen zu haben. Actos war einst das meistverkaufte Medikament von Takeda.

Die Firma hat ihren Hauptsitz im japanischen Osaka. Sie beschäftigt weltweit über 30'000 Mitarbeiter und erzielte 2012 einen Umsatz von umgerechnet 13,6 Milliarden Schweizer Franken.

Expansionspläne und Stellenabbau

Takeda treibt seit 2011 seinen Expansionskurs im Ausland konsequent voran. 2011 hatte der Konzern für rund 9,1 Milliarden Euro den Schweizer Arzneimittelhersteller Nycomed übernommen. Es war der bislang grösste Zukauf in der Firmengeschichte und die zweitgrösste Auslandsexpansion eines japanischen Unternehmens überhaupt. Im Nachgang zu dieser Übernahme wurde bekannt, dass Takeda 2800 Stellen ausserhalb Japans bis Ende März 2016 abbauen will. Umgerechnet rund 2,6 Milliarden Dollar könnten durch den Schritt eingespart werden. Hauptsächlich in Europa sollen 2100 Stellen wegfallen.

Expansionspläne

Schon seit einigen Jahren drängen die grossen japanischen Pharmakonzerne mit Übernahmen stärker in ausländische Märkte, da das Wachstum des heimischen Pharmamarkts zuletzt eher bescheiden ausfiel. So übernahm im vergangenen Jahr der Rivale Daiichi Sankyo für 935 Millionen Dollar den US-Arzneimittelhersteller Plexxikon. Der Arzneimittelhersteller Astellas Pharma schluckte 2010 für rund vier Milliarden Dollar die US-Biotechfirma OSI Pharmaceuticals. Zwei Jahre zuvor hatte sich Eisai die US-Pharmafirma MGI Pharma für 3,9 Milliarden Dollar einverleibt.

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