Aktualisiert 07.11.2013 09:10

Celine und die Pille

Pharma-Multi will 120'000 Franken von Behinderter

Das Bezirksgericht schmettert die Klage von Celines Familie ab. Doch damit nicht genug: Diese soll dem beklagten Pharmamulti eine Prozessentschädigung bezahlen.

von
pwe
Die Antibaby-Pille «Yasmin» von Bayer brachte die damals 18-jährige Celine mutmasslich um ihre Gesundheit.

Die Antibaby-Pille «Yasmin» von Bayer brachte die damals 18-jährige Celine mutmasslich um ihre Gesundheit.

Der Fall Celine hat die Schweiz erschüttert: Die damals 18-jährige Frau nahm im Frühjahr 2009 die Antibaby-Pille «Yasmin» und erlitt anschliessend eine schwere Lungenembolie. Seither ist sie schwerstbehindert und rund um die Uhr auf Pflege angewiesen. Celines Familie strengte daraufhin eine Klage gegen den Yasmin-Hersteller und Pharmariesen Bayer an, unterstützt von der Krankenkasse CSS. 5,7 Millionen Franken soll dieser zahlen, um die Kosten für die lebenslange Betreuung Celines zu decken.

Nun hat das Bezirksgericht Zürich die Klage abgeschmettert, wie die Rundschau berichtet. Doch damit nicht genug: Weil die Klägerin «nicht darlegen könne, (…) dass die von ihr eingenommenen Packungen fehlerhaft waren», müssten diese 120'000 Franken Prozessentschädigung an Bayer bezahlen. Celines Mutter Claudia Pfleger ist schockiert: «Das ist ein Affront, für Celine, für unsere Familie.»

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Sowohl Celines Pfleger als auch die CSS wollen das Urteil ans Obergericht weiterziehen.

Bisher zwei Tote in diesem Jahr

In den USA sind bisher über 7600 Pillen-Opfer gerichtlich gegen Bayer vorgegangen. Das Unternehmen bezahlte insgesamt 1,575 Milliarden US-Dollar an aussergerichtlichen Entschädigungen. Der Fall in der Schweiz könne nicht mit den Zahlungen in den USA verglichen werden, schreibt Bayer der «Rundschau». Es herrsche dort ein anderes Rechtssystem und die Zahlungen seien ohne Anerkennung einer Schuld erfolgt. Bayer bestreitet einen Zusammenhang zwischen Celines Embolie und «Yasmin».

Die Schweizer Arzneimittelkontrolle Swissmedic bestätigt derweilen, dass in der Schweiz in diesem Jahr wieder zwei Frauen an Lungenembolien gestorben sind – beide im Zusammenhang mit der Einnahme des Wirkstoffs Drospirenon, welcher in den Yasmin-Pillen und Generika enthalten ist. Um welches Produkt es sich handelt, bleibt offen. Auch über allfällige Opfer anderer Wirkstoffe gibt es keine Klarheit. Swissmedic betont, dass das Thrombose-Risiko der drospirenonhaltigen Pillen vergleichbar ist mit anderen, modernen Pillen der sogenannten dritten Generation.

Mehr zum Fall Celine erfahren Sie heute Abend in der SRF-Sendung «Rundschau» um 20.50 Uhr.

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