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Universität BernPharmafirmen bezahlen Medizinstudenten Reise

Pharmafirmen und Treuhänder dürfen in Vorlesungen für ihre Produkte werben und bezahlen den Medizinstudenten der Uni Bern dafür ihre Abschlussreise.

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mm
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Wenn der Hörsaal zur Werbe-Plattform wird: Medizinstudenten der Universität Bern laden laut dem «Bund» Firmen in Vorlesungen ein, damit diese ihre Produkte bewerben können. Darunter würden sich auf Vertreter aus der Pharmaindustrie befinden.

Wenn der Hörsaal zur Werbe-Plattform wird: Medizinstudenten der Universität Bern laden laut dem «Bund» Firmen in Vorlesungen ein, damit diese ihre Produkte bewerben können. Darunter würden sich auf Vertreter aus der Pharmaindustrie befinden.

Rafael_wiedenmeier
Heikel sei das, weil die 230 Berner Medizinstudenten mit diesen Einnahmen ihre einwöchige Abschlussreise nach Sizilien finanzieren. Mit der Reise feiern sie ihr Staatsexamen, also den Abschluss ihrer Ausbildung.

Heikel sei das, weil die 230 Berner Medizinstudenten mit diesen Einnahmen ihre einwöchige Abschlussreise nach Sizilien finanzieren. Mit der Reise feiern sie ihr Staatsexamen, also den Abschluss ihrer Ausbildung.

Rostislavv
Laut dem «Bund» sucht der Berner Staatsverein deshalb jährlich nach Sponsoren, die «im Rahmen einer Vorlesung» ihre Dienstleistungen oder Produkte präsentieren. Der Staatsverein Humanmedizin Bern, bestätigt, dass der Staatsverein 2018 mit insgesamt sechs Sponsoring-Veranstaltungen rund 10000 Franken eingenommen habe.

Laut dem «Bund» sucht der Berner Staatsverein deshalb jährlich nach Sponsoren, die «im Rahmen einer Vorlesung» ihre Dienstleistungen oder Produkte präsentieren. Der Staatsverein Humanmedizin Bern, bestätigt, dass der Staatsverein 2018 mit insgesamt sechs Sponsoring-Veranstaltungen rund 10000 Franken eingenommen habe.

Alvarez

Wenn der Hörsaal zur Werbeplattform wird: Medizinstudenten der Universität Bern laden laut dem «Bund» Firmen in Vorlesungen ein, damit diese ihre Produkte bewerben können. Darunter würden sich auch Vertreter der Pharmaindustrie befinden. Heikel sei das, weil die 230 Berner Medizinstudenten mit diesen Einnahmen ihre einwöchige Abschlussreise nach Sizilien finanzieren. Mit der Reise feiern sie ihr Staatsexamen, also den Abschluss ihrer Ausbildung.

Einnahmen von rund 10'000 Franken

Laut dem «Bund» sucht der Berner Staatsverein deshalb jährlich nach Sponsoren, die «im Rahmen einer Vorlesung» ihre Dienstleistungen oder Produkte präsentieren. Diese seien direkt in den Stundenplan der Mediziner integriert und brächten je nach Anzahl der Anwesenden unterschiedlich viel ein. Philipp Aebi, Co-Präsident des Staatsvereins Humanmedizin Bern, bestätigt der Zeitung, dass der Staatsverein 2018 mit insgesamt sechs Sponsoring-Veranstaltungen rund 10'000 Franken eingenommen habe.

Verstoss gegen das Sponsorenreglement

Problematisch sind diese Werbevorlesungen laut der Zeitung, weil sie gegen das Sponsorenreglement der Universität Bern verstossen würden. Dies bestätigt Markus Müller, Professor für Staats- und Verwaltungsrecht an der Universität Bern. Die Vorschriften würden darauf abzielen, jede unzulässige Beeinflussung der freien akademischen Lehre zu verhindern. «Einem Pharmaunternehmen zu ermöglichen, im Rahmen einer Vorlesung die eigenen Produkte anzupreisen, ist mit dieser Zielsetzung schlecht vereinbar.»

Laut Uni Bern ein «Grenzfall»

Bei der Universität Bern heisst es, dass es sich um einen «Grenzfall» handle. Es gehe um Anlässe eines privaten Vereins, die «nicht im Rahmen der offiziellen Vorlesung» stattfänden. Offenbar seien dem Staatsverein die Sponsoring-Richtlinien nicht bekannt gewesen, weshalb die Universität die Zusammenhänge zwischen «privatem Verein und Universität» prüfen werde. Laut Medienstelle der Universität würden gegebenenfalls Massnahmen ergriffen.

Widerstand bei Medizinstudenten selbst

Nicht alle jungen Ärzte begrüssen die Sponsoringveranstaltungen: So habe die Gruppierung der Kritischen Medizinstudierenden Bern an der Generalversammlung des Berner Staatsvereins erwirkt, dass künftig keine Pharmaunternehmen mehr als Sponsoren zugelassen würden, und zwar deshalb, weil die Veranstaltung im Vergleich zu den anderen Sponsoringveranstaltungen keinen Mehrwert in der Ausbildung bringe und möglicherweise zu einem Interessenkonflikt führe, sagt Aebi.

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