Millionenspenden - Pharmaindustrie zahlt 182 Millionen Franken an Ärztinnen, Ärzte und Spitäler
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MillionenspendenPharmaindustrie zahlt 182 Millionen Franken an Ärztinnen, Ärzte und Spitäler

In der Corona-Pandemie machten im vergangenen Jahr Schweizer Spitäler Verluste. Sie konnten sich aber auf Millionenspenden der Pharmabranche verlassen.

von
Florian Osterwalder
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Im Jahr 2020 mussten Spitäler einen Verlust hinnehmen. 

Im Jahr 2020 mussten Spitäler einen Verlust hinnehmen.

20min/Matthias Spicher
Dies hatte vor allem mit den Mehrkosten für die Intensivpflege von Covid-Patienten zu tun. 

Dies hatte vor allem mit den Mehrkosten für die Intensivpflege von Covid-Patienten zu tun.

20min/Marvin Ancian
Am meisten Geld zahlten die Pharmariesen in die klinische Forschung. Insgesamt 82,7 Millionen Franken. 

Am meisten Geld zahlten die Pharmariesen in die klinische Forschung. Insgesamt 82,7 Millionen Franken.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Im Corona-Jahr nahmen Spitäler, Ärztinnen und Ärzte weniger ein als 2019.

  • Novartis und Roche gehören zu den zahlungsfreudigsten Pharmaunternehmen.

  • Massiv weniger Geld erhielten im letzten Jahr Ärztinnen und Ärzte.

Schweizer Spitäler verzeichneten im letzten Jahr mehrheitlich Verluste. Und das obwohl die Corona-Pandemie eine Krise auf gesundheitlicher Ebene ist. Oder gerade deswegen? Denn die Mehrkosten, welche Covid-Patienten und die spezielle Behandlung verursachten, waren gross. Hinzu kommt, dass den Spitälern das Operationsverbot in der ersten Welle zu schaffen machte.

Auf eines war aber auch während der Pandemie Verlass. Und zwar die Millionenspenden der Pharmabranche an Ärzte, Ärztinnen und Spitäler. Der Gesamtbetrag beläuft sich auf rund 182 Millionen Franken. Profitiert von diesen Spenden haben Ärzte, Spitäler, Fachgesellschaften, Patientengruppen und andere Organisationen des Gesundheitswesens. Das zeigt eine Auswertung von 60 Pharmaunternehmen in der Schweiz durch das Ringier Axel Springer Research Network, wie der «Blick» schreibt. Im Jahr vor Pandemiebeginn, 2019, waren die Spenden sogar noch fünf Millionen höher.

Was vor allem auffällt: Die Pharmakonzerne überwiesen letztes Jahr viel mehr Geld an die Spitäler in Bezug auf die klinische Forschung. Im Verhältnis zu 2019, als die Spitäler 68,9 Millionen bekamen, zahlten die Pharmariesen im Pandemiejahr 82,7 Millionen Franken. Auch wenn diese Zahlungen einem Aussenstehenden möglicherweise komisch vorkommen könnten, sie sind legal.

Ärztinnen und Ärzte kassieren weniger

Um fast die Hälfte weniger Spenden erhielten hingegen Ärztinnen und Ärzte. Im Vorjahr beliefen sich die Zahlungen auf 11,4 Millionen Franken für Kongressgebühren, Beratungshonorare und Spesen. 2020 waren es demnach nur noch sechs Millionen Franken. Dies ist jedoch darauf zurückzuführen, dass während dem Pandemiejahr 2020 weniger Ärztekongresse und Weiterbildungen durchgeführt wurden.

Doch auch Organisationen des Gesundheitswesens und Spitäler mussten eine Spendeneinbusse hinnehmen: Von 93,4 Millionen Franken im Vorjahr, gingen die Spenden um 13 Millionen auf 80,4 Millionen Franken zurück. Bei diesen Geldern handelt es sich meist um Sponsoring von Spitälern, Fachgesellschaften und anderen Organisationen des Gesundheitswesens. Auch dieser Rückgang dürfte wohl auf weniger durchgeführte Weiterbildungen zurückzuführen sein.

Die fünf zahlungsfreudigsten Pharmaunternehmen sind Novartis (29,3 Mio.), Roche (26,6 Mio.), Pfizer (19,3 Mio.), AstraZeneca (11,5 Mio.) und Bayer (8,3 Mio.).

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Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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