Trotz 19. Medaille: Phelps ist kein «Über-Schwimmer» mehr
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Trotz 19. MedaillePhelps ist kein «Über-Schwimmer» mehr

Michael Phelps muss sich über seine Paradedisziplin 200 m Delfin geschlagen geben. Die Goldmedaille mit der Staffel ist nur ein schwacher Trost - auch wenn es seine insgesamt 19. bei Olympia ist.

Trotz des Gewinns seiner ersten Goldmedaille in London war für Superstar Michael Phelps der Frust-Faktor am Dienstag wiederum hoch. Über seine Paradestrecke 200 m Delfin setzte es an internationalen Titelkämpfen die erste Schlappe seit 2001 ab.

Phelps mutiert dergestalt an seinen letzten Titelkämpfen vom «Über-Schwimmer» zum Normalsterblichen. Am Eröffnungstag wurde er über 400 m Lagen nur Vierter, womit er erstmals seit zwölf Jahren ohne olympische Medaille geblieben war. Am vierten Finalabend folgte für den Rekord-Olympiasieger auch in seiner zweiten Einzeldisziplin eine Niederlage. Auf der Distanz, auf welcher er seit 2001 an jedem Grossanlass Gold gewonnen hatte (ausser 2005/kein Start), gab es für Weltrekordhalter Phelps «nur» Silber. Er verpasste es damit, als erster männlicher Schwimmer an Olympia dreimal hintereinander die gleiche Disziplin zu gewinnen.

Auf den letzten 50 Meter überholt

Zwar führte der 27-jährige Ausnahmeschwimmer aus Baltimore nach 50, 100 und 150 m, doch wegen seines zu zögerlichen Anschlags wurde er vom Südafrikaner Chad le Clos noch überflügelt. Der erst 20-jährige Olympia-Neuling absolvierte die letzte Bahnlänge um 0,63 Sekunden schneller als Phelps und hatte am Ende in der Jahresweltbestleistung von 1:52,96 die Nase um fünf Hundertstel vorne.

«Phelps ist mein Held. Ich wollte schon immer gegen ihn in einem Final schwimmen. Nun habe ich ihn sogar geschlagen. Das kann ich gar noch nicht glauben. Dies ist der grossartigste Moment in meinem Leben», so Delfin-Spezialist le Clos, der an der WM in Schanghai über 200 m Fünfter geworden war. Für Südafrika war es bereits die zweite Goldmedaille in London, nach dem Triumph in Weltrekordzeit von Brustschwimmer Cameron van der Burgh (über 100 m).

Immerhin Gold in der Staffel

Kaum Trost dürfte Phelps in der Tatsache finden, dass er dank des 2. Platzes über 200 m Delfin den Rekord an gewonnenen Olympia-Medaillen Larissa Latynina egalisiert hat. Die sowjetische Kunstturnerin hatte von 1956 bis 1964 total 18-mal olympisches Edelmetall gewonnen. Noch am Dienstagabend zog der nun 15-fache Olympiasieger (plus je zweimal Silber und Bronze) gleich an Latynina vorbei. Als Schlussschwimmer der siegreichen 4x200-m-Crawlstaffel (mit u.a. Ryan Lochte) gewann er in London endlich seine erste goldene Auszeichnung. Phelps hat in der britischen Hauptstadt noch drei weitere Siegchancen: über 100 m Delfin und 200 m Lagen sowie mit der 4x100-m-Lagenstaffel.

Über 200 m Crawl siegte die 22-jährige Amerikanerin Allison Schmitt. In der Jahresweltbestzeit von 1:53,61 hielt sie diesmal die 400-m-Olympiasiegerin Camille Muffat (Fr) deutlich auf Distanz. Federica Pellegrini, die Olympiasiegerin von Peking über 200 m, schlug gar nur als Fünfte an. «Ich bin die Gleiche wie in Peking und vor einem Jahr an der WM in Schanghai. Doch so ist der Sport. Man muss auch seine Niederlagen akzeptieren können», zeigte sich die 24-jährige Italienerin als gute Verliererin.

Ye Shiwen schaffte mit ihrem Triumph über 200 m das Lagen-Double. Die 16-jährige Chinesin hatte am Samstag mit Weltrekord schon über die doppelte Distanz gewonnen.

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