Aktualisiert 23.11.2009 18:29

Applikationen

Phil Schiller verteidigt den App Store

Immer wieder beschweren sich Entwickler über das Aufnahmeverfahren von Apples Marktplatz. Nun schlägt der Marketing-Chef des Unternehmens zurück.

von
hst

Apples App Store für iPhone und iPod touch hat mittlerweile rund 100 000 Tools im Angebot. So sehr sich Kunden über das grosse Angebot freuen mögen – der IT-Konzern aus Cupertino erntet in jüngster Zeit immer wieder scharfe Kritik an seinem Aufnahmeprozess, wie 20 Minuten Online berichtete. So wurde beispielsweise die eBook-Reader-App Eucalyptus zunächst abgelehnt, weil man mit ihr das Kamasutra des Projekts Gutenberg lesen konnte. Das Spiel Zombie School wurde hingegen problemlos aufgenommen. Erst nachdem in verschiedenen Blogs und Newsportalen die Kritik an der App laut geworden war, reagierte man bei Apple und zog das Game aus dem Verkehr. In dem umstrittenen Spiel ging es darum, eine Schule von einer blutrünstigen Horde Zombieschüler zu befreien.

Apple veröffentlichte Ende August einige Details zu seinem Aufnahmeprozedere – auf Druck der US-Aufsichtsbehörde Federal Communications Commission (F.C.C.). Sie war eingeschritten, weil Apple die Applikation für Google Voice nicht in seinen App Store aufgenommen hatte, da sie in Konflikt mit den Kernfunktionen des iPhones stehe. Mit Googles Tool können Nutzer günstigere Ferngespräche als über ihren Provider führen und sind ausserdem auf allen Geräten unter einer Nummer erreichbar.

In einem offenen Brief gab Apple unter anderem an, dass man pro Woche etwa 8500 neue Apps und Updates für bereits verfügbare erhalte. Apple beschäftigt nach eigenen Angaben 40 Mitarbeiter, von denen jeweils zwei eine Applikation kontrollieren. Rund 20 Prozent der kleinen Programme würden nicht so zugelassen, wie sie eingeliefert wurden. Die meisten würden wegen Qualitätsmängeln abgelehnt. Ihre Entwickler erhielten aber technisches Feedback, so Apple.

90 Prozent der abgelehnten Apps sind fehlerhaft

Nun hat Apples Marketing-Chef Phil Schiller in einem Interview mit dem Magazin «BusinessWeek» neuere Zahlen geliefert. Mittlerweile erhalte man rund 10 000 Apps pro Woche, sagte Schiller. «Bei rund 90 Prozent der abgelehnten Applikationen verlangen wir technologische Verbesserungen», so Schiller weiter, «etwa zehn Prozent der abgelehnten Apps werden nicht akzeptiert, weil sie beispielsweise darauf ausgerichtet waren, Nutzerdaten zu stehlen.» Weniger als ein Prozent der kleinen Tools fielen überdies in einen Graubereich, weil sie es Nutzern zum Beispiel ermöglichen sollen, in Casinos zu betrügen. Hier habe Apple oftmals Gesetze auswerten müssen, um zu sehen, was noch legal ist. In diesem Fall sei eine App, die dem Anwender das Spielen beibringt, in Ordnung.

Gleichzeitig räumte Schiller ein, dass die Regeln zum Schutz von Markenrechten bislang «nur unflexibel angewandt werden könnten». Hier gebe es also Verbesserungsbedarf. Zum Fall der Entwickler von Rogue Amoeba, die Apple-Bilder verwendet hatten, stellte Schiller klar: «Wenn man seine Markenrechte nicht verteidigt, verliert man sie.» Rogues App war zunächst zugelassen, wenig später aber entfernt worden. Erst seit Airfoil Speakers keine Fotos von Apple-Produkten mehr enthält, ist die Applikation wieder im App Store zu finden.

Rauchen gefährdet die Garantie

Zu zwei Beschwerden von Apple-Kunden über den Support der Kalifornier hat bisher allerdings niemand Stellung genommen. Wie Consumerist.com schreibt, hatte Apple es abgelehnt, Macs zu reparieren, die in Raucherhaushalten standen. Begründung: Gesundheitsgefahr für Techniker des Unternehmens.

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