Nathan knows: Philip (24) will nicht auf One-Night-Stands verzichten – was kann er tun?
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Nathan knowsPhilip (24) will nicht auf One-Night-Stands verzichten – was kann er tun?

Ausgeh- und kontaktfreudige Singles wie Philip sind frustriert, denn eigentlich gilt es, Abstand zu halten. Gibt es Alternativen und kann man Corona-konform daten? Aids-Hilfe Schweiz klärt auf.

von
Nathan Schocher
Julia Ullrich
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Philip (24) will trotz der Pandemie nicht gänzlich auf sein Sexleben verzichten. Aids-Hilfe Schweiz weiss Rat. 

Philip (24) will trotz der Pandemie nicht gänzlich auf sein Sexleben verzichten. Aids-Hilfe Schweiz weiss Rat.

iStock/Getty Images

Darum gehts:

  • Single Philip* (24) ist frustriert. Wegen Corona steht sein Datingleben praktisch still.

  • Er fragt die Beratung der Aids-Hilfe, wie er Corona-konform Männerbekanntschaften schliessen kann.

  • Experte Nathan Schocher gibt ihm Tipps.

Philip* kontaktiert mich per Chat. Der Elektroniker ist Mitte zwanzig, liebt sein Single-Leben und ist gern im Nachtleben unterwegs. Corona macht ihm aber einen Strich durch die Rechnung, denn es gibt zurzeit nur noch wenige Möglichkeiten, aufregende Männerbekanntschaften zu machen. Trotz Risiken möchte Philip aufs Daten und Sex nicht ganz verzichten. Darum möchte er von mir wissen, wie er sich Corona-konform verhalten kann.

Ich verstehe Philips Frust sehr gut, und er ist nicht der Einzige, der in diesem Dilemma steckt. Gerne würde ich ihm einen einfachen Ausweg präsentieren, aber das kann und will ich nicht. Stattdessen stelle ich ihm die gleiche Frage, wie wenn es um den Schutz vor HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten geht: Welches Risiko bist du bereit einzugehen?

Jeder entscheidet für sich

Eine klare Antwort hat er darauf nicht. Darum chatten wir erst mal über «Corona-Entscheide» in Alltagssituationen. Zum Beispiel bei Begegnungen mit anderen Menschen: Gewisse begrüssen wir nur noch aus der Ferne, anderen halten wir den Ellbogen hin, und wieder andere umarmen wir nach wie vor. Bei manchen Begegnungen sind wir demnach bereit, ein grösseres Risiko einzugehen. Wir sind uns jedoch einig, dass es schwierig ist, rational zu bleiben, wenn es knistert.

Doch nun muss ich Philip zur Vorsicht raten: Zwar ist unklar, ob das Coronavirus im engeren Sinne sexuell übertragbar ist – über Sperma, Vaginalflüssigkeit oder durch den Kontakt zur Harnröhre beim Oralverkehr. Doch nur schon Küssen und die Nähe beim Sex erhöhen das Infektionsrisiko erheblich. Ob Zufallsbekanntschaften und One-Night-Stands ihm das Risiko wert sind, muss Philip jedoch am Ende selbst entscheiden.

So schützt man sich

Ein paar Tipps gebe ich Philip im Chat trotzdem mit auf den Weg. Der erste versteht sich in Corona-Zeiten von selbst: Bleibe zu Hause, wenn du dich krank fühlst und Symptome hast. Die anderen sind praktischer Natur: Kein Risiko gehst du ein, wenn du mit dir selbst Sex hast oder beim Sex nicht in der Nähe einer anderen Person bist – zum Beispiel bei Telefon- oder Onlinesex. Wenn du die Möglichkeit hast, ist Sex mit Personen aus dem gleichen Haushalt unproblematisch. Denn wenn ihr sowieso engen Kontakt habt, erhöht Sex das Ansteckungsrisiko kaum.

Ganz zufrieden ist Philip mit dieser Auswahl nicht, denn es zieht ihn vor die Haustür. Ihm ist klar, dass sich mit der Anzahl der Kontakte das Risiko einer Infektion – wie bei allen sexuell übertragbaren Krankheiten – erhöht. Ich rate ihm, seine Kontakte wenn möglich auf ein begrenztes sexuelles Netzwerk mit einer gewissen Vertrauensbasis zu beschränken. Das ist in Bezug auf das Infektionsrisiko sicherer als Zufallsbekanntschaften und One-Night-Stands. Ausserdem sollte Philip so oder so die Kontaktdaten austauschen, damit er sein Date über eine allfällige Infektion informieren kann.

*Name geändert.

Aids-Hilfe Schweiz

Nathan Schocher ist Programmleiter der Aids-Hilfe Schweiz.

Nathan Schocher ist Programmleiter der Aids-Hilfe Schweiz.

Marilyn Manser

Die Aids-Hilfe Schweiz berichtet hier regelmässig über Fälle aus ihrer Beratung. Nathan Schocher, Programmleiter der Aids-Hilfe Schweiz, fasst einmal pro Monat einen Fall anonym in einem Beitrag zusammen.
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