Wandvermittler: Philipp Brogli bringt Farbe in die graue Stadt
Aktualisiert

WandvermittlerPhilipp Brogli bringt Farbe in die graue Stadt

Urban-Art-Künstler von Weltrang verschönern in Basel Trafohäuser der IWB, die zuvor vor allem verschmiert wurden. Kunst-Förderer Philipp Brogli ist der Vermittler.

von
Lukas Hausendorf

Wände sind Mangelware, obwohl die Stadt voll davon ist. Zumindest für Street-Art-Künstler, deren Werke im öffentlichen Raum entstehen. Für ein Wall-Live-Painting anlässlich der ArtYou 2012, einer urbanen Kunstaustellung in Basel, suchte Ausstellungsmacher Philipp Brogli Wände. Die Teilnahme des renommierten Pariser Graffiti-Künstlers Alexone war bereits organisiert. Nur mit den Wänden war das so eine Sache. «Es war sehr schwierig», erinnert sich Brogli.

Doch dann kamen die Industriellen Werke Basel (IWB) ins Spiel und plötzlich gab es ganz viele verschmierte Häuschen. An der Hegenheimerstrasse durfte Alexone die komplette Fassade einer Trafokabine neu gestalten. «Die IWB waren froh um die Aufwertung», sagt Brogli. Daraus wuchs mittlerweile eine Zusammenarbeit, die bekannten und aufstrebenden Street-Art- Künstlern regelmässig neue Flächen im öffentlichen Raum zuführt.

Der öffentliche Raum gewinnt dadurch an Qualität und wird dank den Beiträgen namhafter Künstler gewissermassen zu einem Freiluftmuseum. Mittlerweile bietet Brogli bereits Urban-Art-Führungen durch die Stadt an.

Kunst statt Schmierereien

Die Zusammenarbeit zwischen Brogli und den IWB ist ein Gewinn für beide Seiten. «Wir treffen ganz überwiegend auf Zustimmung», sagt Unternehmenssprecher Erik Rummer. «Unserer Erfahrung nach ist urbane Kunst eine sympathische Art, unsere notwendigen, aber manchmal als unschön empfundenen Infrstrukturbauten in Szene zu setzen.» Der positive Nebeneffekt: Die Wände werden so von weiteren Schmierereien verschont. «Die Bilder geniessen Respekt», sagt Brogli. So finanzieren die IWB die Street Art aus dem Budget für Reinigungskosten.

Das Wandvermittlungsgeschäft ist für ihn und die Künstler bisweilen auch eine Gratwanderung. Die Gestaltung eines Trams für H&M Home im Sommer 2014 wurde in der Szene wegen des kommerziellen Aspekts nicht von allen goutiert. Das von Boogie SML bemalte Tram wurde in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mit Teer und Federn «geschmückt». Bei den Objekten der IWB ist ihm darum wichtig, dass die Künstler sich frei ausdrücken können. «Es braucht Platz für Abstraktes, das den künstlerischen Anspruch erfüllt.»

Lobbyist für urbane Kunst

Brogli engagiert als Gründer von Artstübli seit 2004 für urbane Kunst in Basel. Unter dem Namen Artyou veranstaltete er mehrere Ausstellungen. Seit Sommer 2014 verfügt Artstübli auch über einen permanenten Ausstellungs- und Projektraum bei der Markthalle Basel, wo urbane Kunst in all ihren Facetten präsentiert wird. Das Lobbying für Wände zahlt sich auch hier aus. Mit den Einnahmen aus der Vermittlungsarbeit kann Brogli einen Teil der Mietkosten finanzieren. «Meine Rolle als Bindeglied zwischen Künstlern und Auftraggebern hat sich bewährt», so Brogli.

Das Lobbying für urbane Kunst ist kein Selbstläufer. Brogli hat mittlerweile bei allen relevanten Stellen der Basler Verwaltung die Klinken geputzt. Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit den IWB sollte helfen, dort Türen zu öffnen, hofft er. «Man muss hartnäckig dranbleiben.» Und wenn er von Reisen in andere europäische Städte wie Barcelona oder Lissabon erzählt, hat er noch einen weiten Weg vor sich. «Dort überlässt man freie Wände noch so gerne Künstlern», erzählt er. Im Vergleich ist Basel da noch eine graue Maus.

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