15.09.2020 02:47

Junger LobbyistPhilippe (20) verhalf dem Stimmrechtsalter 16 zum Durchbruch

Der Basler bearbeitete die Politiker digital und auch direkt im Bundeshaus. Dies machte sich letzte Woche bezahlt.

von
Bettina Zanni, Pascal Michel

Darum gehts

  • Der Nationalrat stimmte kürzlich für das Stimmrechtsalter 16.
  • Dafür sorgte der 20-jährige Philippe Kramer mit Unterstützern.

Schon früh zeigte sich, dass Philippe Kramer wortgewandt ist. «Am Stubentisch als kleines Kind plapperte ich ständig. Bevor ich gehen konnte, redete ich», sagt der 20-Jährige. Mit Worten und einer Allianz aus Unterstützern gelang es ihm kürzlich, die grosse Kammer von seinem ehrgeizigen Anliegen zu überzeugen: das Stimmrechtsalter 16 für 130’000 Jugendliche zu ermöglichen. Sein Handwerk lernte Kramer bei zwei angesehenen Campaignern für die digitale Demokratie. Und er verschickte nicht nur E-Mails, er wurde auch direkt im Bundeshaus bei jenen Politikern vorstellig, die bei ihrer Entscheidung, schon 16-Jährigen das Stimmen und Wählen zu erlauben, noch wankten.

Doch am Anfang stand ein Rückschlag: Die Staatspolitische Kommission des Nationalrats schmetterte den Vorstoss mit einem Stichentscheid von SVP-Nationalrat Andreas Glarner ab. Eingebracht hatte das Anliegen Sibel Arslan (Grüne). «Eine riesige Enttäuschung», schrieb Kramer damals an seine Unterstützer. Doch er blieb dran, mit Erfolg: Im Nationalrat fand sein Anliegen am Donnerstag eine Mehrheit.

Honig ums Maul geschmiert?

Über den Entscheid des Nationalrats ist Kramer überglücklich. «Ich freue mich riesig, dass der Nationalrat ein solch starkes Zeichen für die Jugend gesetzt hat», sagt er (siehe Video oben). Zugang zum Bundeshaus verschaffte ihm die Grünen-Nationalrätin Sibel Arslan. In der Wandelhalle habe er den Parlamentariern keinen Honig ums Maul schmieren müssen. Was zähle, sei, das richtige Argument zu finden.

Das grosse Publikum suchte Kramer trotz seiner Wortgewandtheit lange Zeit nicht. In der Schule sei er eher schüchtern gewesen. «Ich war immer still.» Eines Tages habe ihn sein Deutschlehrer aber ermuntert, an einem Debattenwettbewerb mitzumachen. «Als ich dabei überrascht sah, dass ich das nicht schlecht kann, fasste ich das Vertrauen, weiterhin politisch mitzudiskutieren.» Nun muss Kramer auch noch die Ständeräte überzeugen. Getreu dem Motto, «die Welt ein kleines Stückchen besser machen», wie es auf seiner Homepage heisst.

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