Zürich, Donnerstag 16.3.: Philo mit der Kettensäge
Aktualisiert

Zürich, Donnerstag 16.3.Philo mit der Kettensäge

Lust auf das totale Diskursgemetzel? Im Cabaret Voltaire findet nächste Woche das Zürcher Philosophie-Massaker statt.

Bereits der Pressetext gerät ordentlich in Rage: «Wir werden uns der heimtückischen Besatzer unseres Bewusstseins entledigen und wie immer das böse System stürzen!» Von «Sprengstoffgürteln aus Ideen» ist dort die Rede, von «Erlösung» und «Erleuchtung» für alle. Worum gehts? Um Terrorismus, Politik, Ideologie, Religion, um den «Kampf der Kulturen» gar? Ach nein, um Philosophie. Gähn.

Die fehlende Sexiness, die der «Liebe zur Weisheit» ausserhalb der Akademien zuweilen anhaftet, nahm Imre Hofmann zum Anlass, ein erstes Zürcher Philosophie-Massaker durchzuführen. Mit ähnlich gelagerten Veranstaltungen nach dem Muster des bildungsbürgerlichen Salons hat der 33-Jährige freilich nichts am Hut: «Ich wollte etwas Schräges machen und auf die Öffentlichkeit zugehen», erklärt der studierte Philosoph und räumt ein, dass sich hierfür das Zürcher Dada-Haus als Austragungsort förmlich aufdränge.

Schräg wird der Abend in der Spiegelgasse auf alle Fälle: «Gemeinsam werden wir dem Monster des entfesselten Kapitalismus in heftigen Diskursgemetzeln zu Leibe rücken», verspricht Hofmann. Thema des ersten Massakers soll die «totalitäre Befreiung» sein, also die Frage, ob eine solche überhaupt existiert beziehungsweise erstrebenswert ist.

An der Diskussion beteiligen darf sich, wer sich dazu berufen fühlt, selbst wenn ihm das Kant'sche Gesamtwerk gerade nicht präsent sein sollte. «Es geht nicht darum, dass ein paar arrivierte Herren dem Publikum eloquent und gesittet ihre Meinungen kundtun», schreibt Hofmann, der die Veranstaltung quasi in der philosophischen Off-Szene positioniert.

Voll hardcoremässig darf also munter drauflosphilosophiert werden. Besteht da nicht die Gefahr der totalen Begriffsverwirrung? «Ich bin mir dieses Risikos bewusst und werde bisweilen klärend eingreifen», erklärt Imre Hofmann fast ohne jegliche Ironie.

Also: Übers Wochenende schnell nochmal «Sophies Welt» durchlesen, sich ein paar grundlegende Gedanken zum Thema Freiheit machen und dann am Donnerstag ins Cabaret Voltaire marschieren. Wird sicher grausam lustig.

Martin Söhnlein

Donnerstag 16.3, 20 Uhr, Cabaret Voltaire, Zürich.

Deine Meinung