Streetart-Adbusting: Photoshop-Attacke in der U-Bahn
Aktualisiert

Streetart-AdbustingPhotoshop-Attacke in der U-Bahn

Wenn die Gesichter von Britney Spears, Christina Aguilera und Leona Lewis von Plakatwänden lächeln, wissen wir intuitiv: Da muss etwas faul sein. Eine Künstlergruppe hat nun in der Berliner U-Bahn gezeigt, wie diese Perfektion zustande kommt.

von
Thom Nagy

Photoshop, das meistverbreitete Programm zur professionellen Bildbearbeitung, hat die Popkultur revolutioniert. Orangenhaut, Doppelkinn oder übermässige Rundungen - es gibt unzählige Beispiele dafür, wie Stars mit allzu menschlichen Makeln nach dem Einsatz dieser Software zu perfekten Kunstgeschöpfen werden.

Für gewöhnlich nehmen wir diese Tatsache ohne gross zu überlegen als gegeben hin, wenn uns wiedermal einer dieser Übermenschen von einer Plakatwand entgegenlächelt. Jetzt haben Berliner StreetArt-Künstler mit einer simplen Idee gezeigt, wie man die Menschen darauf aufmerksam machen kann: Die unter den Pseudonymen Epoxy, Mr Talion, Baveux & Kone operierenden Künstler haben in der Berliner U-Bahn-Station Kaiserdamm ein Werbeplakat für die neuen Alben von Britney Spears, Christina Aguilera und Leona Lewis mit den Werkzeug-Leisten überklebt, die in Photoshop zum Einsatz kommen.

Damit bewegen sie sich im Fahrwasser der «Adbusters»-Bewegung, die seit 1989 einen Gegenpol zur ständig wachsenden Werbe-Überflutung im öffentlichen Raum setzen will. Das «globale Netzwerk von Künstlern, Aktivisten, Schriftstellern, Scherzkeksen, Studenten und Unternehmern» mit dem Ziel, den «Sturz der bestehenden Machtstrukturen und einen deutlichen Richtungswechsel in unserer Lebensweise im 21. Jahrhundert zu bewirken» hat mit seinen Aktionen bereits einige Male für Aufsehen gesorgt. Die TV-freie Woche «TV Turnoff Week» ist beispielsweise ebenso auf dem Mist der Gruppierung entstanden wie der Aufruf zum kauffreien Tag «Buy Nothing Day».

Neben diesen mehr oder weniger sinnvollen Ideen vertritt die Organisation aber auch exotischeres Gedankengut. So warnt man immer wieder vor einem bevorstehenden Ende der Menschheit, verursacht durch den rasenden technologischen Fortschritt.

Das primäre Vehikel zur Verbreitung dieses Gedankenguts ist die Zeitschrift «Adbusters», welche von der Adbusters Media Foundation herausgegeben wird. Hier werden immer wieder von Lesern eingesandte Bilder des sogenannten «Culture Jamming» abgebildet - womit wir wieder beim Anfang der Story angelangt sind. Denn dieser Begriff bezeichnet nichts anderes als die meist humorvolle Abänderung von Werbeplakaten und -sprüchen, sodass sich deren Aussage ins Absurde oder sogar Gegenteilige verkehrt.

Mit ihrer Aktion in der Berliner U-Bahn dürften die StreetArt-Künstler auch ihren Weg ins Magazin finden, passt diese Aktion doch perfekt zur Idee des Cultural Jamming und damit zu Adbusters.

Der filmische Beweis für den Einfluss von Photoshop:$$VIDEO$$

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