Kunstbetrug: Picasso eher falsch als echt
Aktualisiert

KunstbetrugPicasso eher falsch als echt

Für sechs Millionen Dollar wollte ein Deutscher ein Picasso-Bild bei einer Zürcher Vermittlerin kaufen. Das Gemälde mit dem Titel «La Maternité au cruche rouge» erscheint aber in keinem Werkverzeichnis und wird von Picassos Tochter als Fälschung bezeichnet. Die Vermittlerin hat das laut Anklage arglistig verschwiegen, wurde mangels Beweisen frei gesprochen.

von
Attila Szenogrady

Die heute 59-jährige Psychologin aus Meilen musste sich am Dienstag erstmals vor einem Strafgericht verantworten. Die Vorwürfe gegen die Kunsthändlerin wogen recht schwer. So soll sie im April 2004 einem deutschen Kaufmann als Vermittlerin ein Bild mit dem Titel «La Maternité au cruche rouge» von Pablo Picasso angeboten haben. Im gediegenen Rahmen des Zürcher Hotels Gotthard kam es zwischen dem heute 70-jährigen Deutschen und der Angeklagten zu einem ersten Treffen. Kurz darauf begaben sie sich ins Zollfreilager, wo die Schweizerin dem Kaufinteressenten das Werk zeigte und erklärte, dass die Echtheit des Bildes durch unumstössliche Expertisen belegt sei.

Über eine Million Franken bezahlt

Am 30. April 2004 kam es zur Unterzeichnung des Kaufvertrages. Der Besitzer des Bildes und der Geschädigte einigten sich auf einen Preis von sechs Millionen US Dollars. In den nächsten Tag überwies der Geschädigte der Kunsthändlerin in zwei Tranchen eine Provision von 700 000 Euro, also über eine Million Franken. Der deutsche Kaufmann aus Mainz hatte im Sinn, das Picasso-Bild zu einem späteren Zeitpunkt für über 13 Millionen Euro weiter zu verkaufen. Doch daraus wurde nichts mehr.

Picasso-Tochter zweifelte Echtheit an

So stand plötzlich der Verdacht im Raum, dass es sich beim Bild um eine Fälschung handelte. Was nach einer Anzeige auch die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl ins Spiel brachte. Diese lastete der Vermittlerin aus Meilen einen Betrug an. So war heraus gekommen, dass ein Schweizer Zeuge die Angeklagte schon vor dem Deal über gewichtige Zweifel an der Echtheit des Bildes unterrichtet hatte. Diese Bedenken hatte Maya Picasso geäussert, also die Tochter von Pablo Picasso.

Laut Staatsanwalt Thomas Moder hatte es die Angeklagte in der Folge arglistig unterlassen, den Geschädigten über die aufgekommenen Zweifel zu unterrichten. Moder liess das umstrittene Bild einziehen.

Zwei Jahre bedingt verlangt

Staatsanwalt Moder warf der Angeschuldigten vor Gericht ein skrupelloses Vorgehen aus egoistischen Gründen an. Das Verschulden wiege nicht mehr leicht, plädierte er und verlangte eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Der Rechtsvertreter des Geschädigten forderte eine Rückzahlung von über einer Million Franken und verwies auf zwei Gutachten, welche eher auf eine Fälschung hingewiesen hätten. Vor allem sei die Datierung auf das Jahr 1903 ausgeschlossen.

Freispruch verlangt

Dann kamen zwei Gegenanwälte zum Zuge, welche nicht nur die Herausgabe des umstrittenen Bildes, sondern auch einen Freispruch für die Psychologin verlangten. Der Anwalt des Eigentümers bezeichnete den Geschädigten gar als Spekulanten, der bereit gewesen sei, Risiken im Kunsthandel einzugehen. Der Deutsche habe den Staatsanwalt für sich instrumentalisiert. Mit der Absicht, bei einem getrennt geführten Zivilprozess die besseren Karten zu haben. Der Verteidiger der Angeklagten sprach von einer viel zu dünnen Beweislage.

Opfermitverantwortung: Freispruch

Das Gericht folgte der Verteidigung und kam zu einem vollen Freispruch. Zudem soll das umstrittene Werk - es ist laut Gericht bis heute nicht klar, ob es echt ist oder nicht, dem Eigentümer wieder herausgegeben werden. Der Angeschuldigten sei eine vorsätzliche Täuschung nicht nachzuweisen, befand der Vorsitzende. Vor allem da sie den Geschädigten darauf aufmerksam gemacht habe, dass das fragliche Bild in keinem Werkverzeichnis von Pablo Picasso verzeichnet sei. Dabei treffe den Käufer auch eine Opfermitverantwortung. So sei er sich bewusst gewesen, dass er ein Risiko eingehe und habe dabei elementarste Vorsichtsmassnahmen missachtet, sagte der Vorsitzende.

Der freigesprochenen Psychologin wurde eine Entschädigung von 8000 Franken zugesprochen.

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