Sportromanze: Pikantes Liebes-Doppel
Aktualisiert

SportromanzePikantes Liebes-Doppel

Es ist die Sportromanze des Jahres: Eine indische Tennisspielerin will einen pakistanischen Cricket-Star heiraten. Die Emotionen in den verfeindeten Staaten gehen hoch.

von
Peter Blunschi

Die Geschichte erinnert an Shakespeares «Romeo und Julia», nur hat sie weit grössere Dimensionen. Es geht nicht um verfeindete Familien, sondern zwei Länder, die seit der Unabhängigkeit vor 62 Jahren mehrfach gegeneinander Krieg geführt haben und nach wie vor keine normalen Beziehungen unterhalten: in Indien und Pakistan gibt es derzeit kaum ein wichtigeres Thema als die geplante Hochzeit von Sania Mirza und Shoaib Malik.

Die 23-jährige Sania Mirza ist Indiens erfolgreichste Tennisspielerin, sie schaffte es vor zwei Jahren bis auf Platz 27 der Weltrangliste, derzeit steht sie auf Rang 90. Sie ist Muslimin und damit gleichen Glaubens wie ihr Zukünftiger, der 28-jährige Shoaib Malik, derzeit suspendierter Captain der pakistanischen Cricket-Nationalmannschaft (er sitzt eine einjährige Sperre wegen einer teaminternen Prügelei ab). Was der Romanze eine zusätzliche pikante Dimension verleiht, denn das von den Briten importierte Cricket-Spiel wird in beiden Ländern mit beinahe religiöser Inbrunst betrieben.

Poster in Brand gesteckt

In Indien jedenfalls lösten die Heiratspläne bei fanatischen Hindus Empörung aus. In Mumbai steckten Demonstranten Poster des Tennisstars in Brand. Die nationalistische BJP, Indiens grösste Oppositionspartei, forderte Sania Mirza auf, die Heirat mit einem Pakistaner zu «überdenken». Eine regionale Hindu-Partei forderte gar die Ausweisung der beliebten Sportlerin. Ihre Fans allerdings sind entzückt, sie glauben, dass die Vermählung der Sportstars eine Brücke zwischen den beiden Nationen schlagen könnte.

Die Reaktionen in Pakistan sind ohnehin positiv. Ein ziemlich derber Spruch reflektiert laut dem «Guardian» die vorherrschende Meinung: «Endlich erleben wir, wie Pakistan Indien f…» – ein Ausdruck der Minderwertigkeitskomplexe gegenüber dem grossen Nachbarn. Weniger amüsant ist ein weiterer Aspekt: Gemäss den traditionellen Vorstellungen in beiden Ländern gehört eine Frau zum «Haushalt» des Mannes – weshalb Mirza in Indien als «unpatriotisch» gilt und Malik in Pakistan als «Sieger» gefeiert wird.

Erste Ehefrau aufgetaucht

Beinahe allerdings wäre die Hochzeit geplatzt: Ayesha Siddiqui, eine weitere muslimische Inderin, behauptete, sie sei bereits mit Malik verheiratet. Die beiden hätten sich im Internet kennengelernt und 2002 telefonisch geheiratet – was nach islamischem Recht möglich ist. Shoaib Malik bezichtigte Siddiquis Familie des Betrugs: Die Heiratsurkunde sei gefälscht, und ohnehin habe man ihm Fotos einer ganz anderen Frau geschickt, weshalb die Ehe illegal sei. Am Mittwoch wurde sie mit Hilfe von Vermittlern «geschieden».

Der für 15. April geplanten Hochzeit steht nun nichts mehr im Wege. Sie soll auf beiden Seiten der Grenze stattfinden: Die Zeremonie in Sania Mirzas Heimatstadt Hyderabad, das Fest im pakistanischen Lahore. Sportlich wollen beide weiter für ihre Heimatländer tätig sein, trotz Lockrufen aus Pakistan an Mirzas Adresse: «Wir wären sehr glücklich, wenn sie für uns spielen würde», sagte der Präsident des Tennisverbands. Zu ihren Cricket-Vorlieben gab Mirza eine diplomatische Antwort: Sie werde weiterhin Indien anfeuern, «ausser wenn mein Mann spielt». Niederlassen will sich das Promipaar auf neutralem Boden, im Emirat Dubai.

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