Piktogramme ersetzen Giftklassen
Aktualisiert

Piktogramme ersetzen Giftklassen

Die bisher in der Schweiz üblichen Giftklassen werden ab 1. August hinfällig. Mit dem Inkrafttreten des neuen Chemikaliengesetzes werden EU-konforme Piktogramme auf den Packungen obligatorisch.

Konsumentenschützer begrüssen diese Änderung.

«Die neuen Piktogramme sind weitaus sprechender als die Giftklassen», sagte Pierrette Rohrbach, Präsidentin der Fédération romande des consommateurs (FRC), gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Sie begrüsst deshalb die sieben neuen Piktogramme, die mit Erklärungen wie «leicht entzündlich», «brandfördernd» oder «giftig» ergänzt sind. Hinzu kommen auch genauere Angaben zur Gefahr und zum Vorgehen bei einem Unfall.

Trotzdem sei es wichtig, die Konsumenten genau über die Risiken toxischer Produkte aufmerksam zu machen, sagte Rohrbach weiter. Die Verpackungsetiketten müssten deshalb in verständlicher Sprache über die Gefahren der Produkte Auskunft geben.

Viel detaillierter

Die neuen Piktogramme seien viel detaillierter als die bisher üblichen fünf Giftklassen, sagt auch Hugo Kupferschmid, Direktor des Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrums in Zürich. Die Koppelung von Piktogrammen und Zusatzinformationen gebe dem Verbraucher zusätzliche Hinweise.

Die frühere Einteilung in Giftklassen war nach Ansicht Kupferschmids weniger durchsichtig. «Es war für den Konsumenten nicht ohne weiteres erkennbar, weshalb beispielsweise ein Produkt der Giftklasse 3 derart giftig ist.»

Das neue Kennzeichnungssystem ist mit dem Inkrafttreten des ChemG ab 1. August obligatorisch, doch gibt es eine Übergangsfrist von zwei Jahren. Auf gewissen Produkten werden die Gefahrensymbole jedoch bereits heute freiwillig angebracht.

Liberalisierung und Selbstkontrolle

Weitere Pfeiler des neuen ChemG sind die Liberalisierung des Marktes und eine starke Selbstverantwortung. Hersteller und Importeuere müssen in eigener Verantwortung einstufen und kennzeichnen, was sie in Verkehr bringen. Staatliche Marktkontrolle wird dies überwachen.

Nur für neue Stoffe, Biozidprodukte und Pflanzenschutzmittel wird weiterhin eine staatliche Zulassung verlangt. Selbstkontrolle alleine genüge jedoch nicht, sagt Pierrette Rohrbach. Es sei unbedingt eine gute staatliche Marktkontrolle notwendig.

Strengere Norm gilt

Mit dem neuen ChemG werden auch strengere Vorschriften der EU übernommen, so beispielsweise Verbote und Grenzwerte für Schwermetalle. Die Schweiz übernimmt auch strengere Anforderungen an neue Stoffe, Biozidprodukte und Pflanzenschutzmittel.

Wo ihre Normen schärfer sind als jene der EU, ändert sich hingegen nichts: Die Schweiz hält am seit langem eingeführten Phosphatverbot in Waschmitteln und an den Grenzwerten für Cadmium in Düngern fest.

Das ChemG ersetzt das alte Giftgesetz. Zusammen mit dem ChemG treten auch mehrere Ausführungserlasse und insbesondere eine totalrevidierte Pflanzenschutzmittelverordnung in Kraft.

(sda)

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