Alpthal SZ: Pilger kommt Gemeinde teuer zu stehen
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Alpthal SZPilger kommt Gemeinde teuer zu stehen

Die Sozialkosten der kleinen Gemeinde Alpthal explodieren auf das 55-fache - unter anderem wegen eines gestürzten Pilgers. Die Gemeinde sucht nun nach Lösungen.

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num/msa
Alpthal sucht nach Lösungen für die explodierenden Sozialkosten.

Alpthal sucht nach Lösungen für die explodierenden Sozialkosten.

Alpthal SZ zählt etwas mehr als 600 Einwohner. Die Sozialkosten bewegten sich bisher im Rahmen: Für 2014 sah die Gemeinderechnung im Budget noch Ausgaben von 5000 Franken vor. Das hat sich dramatisch geändert: Für nächstes Jahr geht die Gemeinde von 276'000 Franken aus, wie der «Bote der Urschweiz» berichtet.

Grund sind zwei teure Fälle, die die Sozialkosten in die Höhe treiben: Im einen Fall geht es um einen Vormundschaftsfall, den die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) betreut und der die Gemeinde 140'000 Franken pro Jahr kostet. «Als Gemeinde haben wir da nicht mehr viel zu sagen», sagt Gemeindepräsident Paul Schelbert auf Anfrage von 20 Minuten. Solche Themen beschäftigten auch viele andere Gemeinden.

Gesetz regelt, wer für Kosten aufkommen muss

Beim zweiten Fall handelt es sich um einen Pilger mittleren Alters aus Europa, der wegen eines Schwächeanfalls auf dem Jakobsweg auf Alpthaler Boden gestürzt war. Der Gemeinde wurde nun die Spitalrechnung präsentiert, die sich auf über 100'000 Franken belaufe. Laut Schelbert regelt das Bundesgesetz über die Zuständigkeit für die Unterstützung Bedürftiger die Kompetenzen in solchen Fällen. Der Artikel 21 lautet: «Bedarf ein Ausländer, der sich in der Schweiz aufhält, hier aber keinen Wohnsitz hat, sofortiger Hilfe, so ist der Aufenthaltskanton unterstützungspflichtig.»

Das sei Pech, aber man könne es nicht ändern, so Schelbert weiter. Auch für den Rettungseinsatz und die Rückkehr des Bedürftigen an seinen Wohnsitz müsse die Gemeinde aufkommen. «Wir prüfen noch weitere rechtliche Schritte. Doch der Stand heute ist, dass wir zahlen müssen», sagte Schelbert zum «Boten».

Keine Steuererhöhungen geplant

Gemeindepräsident Paul Schelbert sagte zur Zeitung: «Wir hatten schon früher ähnliche Fälle. Doch seit die Kesb die Fälle übernimmt, ist es teurer. Das ist jetzt auch bei uns so.» Er ärgert sich über Stundenansätze, die die Kesb berechne – 135 Franken, egal, worum es gehe. Verbesserungsmöglichkeiten sieht Schelbert auch in der Kommunikation zur Bevölkerung: «Für viele ist es unverständlich, wieso Sozialhilfe so viel kostet.»

Die Steuern will die Gemeinde aber 2015 nicht erhöhen. Man suche nach anderen Lösungen, sagt Schelbert. Für das laufende Jahr werde mit einem Defizit von 333'000 Franken gerechnet. Mit dem budgetierten Defizit 2015 seien dann per Ende nächsten Jahres auch die Reserven aufgebraucht.

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