Kurzarbeit: Swiss-Piloten erhalten Super-Löhne dank Staatshilfe
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KurzarbeitSwiss-Piloten erhalten Super-Löhne dank Staatshilfe

Die Swiss stockt die Löhne ihrer Piloten in Kurzarbeit auf. Sie sollen teils mehr als 12’350 Franken im Monat verdienen. Dafür greift die Airline in den Topf, den der Bund für die Rettung des Unternehmens gesprochen hat.

von
Dominic Benz
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Die Piloten der Swiss sind auf Kurzarbeit. Doch die Airline hat die Kurzarbeit-Löhne für das Cockpit-Personal aufgestockt.

Die Piloten der Swiss sind auf Kurzarbeit. Doch die Airline hat die Kurzarbeit-Löhne für das Cockpit-Personal aufgestockt.

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Dafür bedient sich die Swiss beim Milliardenkredit in Höhe von 1,5 Milliarden Franken, den der Bund im Sommer zur Rettung der Airline bewilligt hatte.

Dafür bedient sich die Swiss beim Milliardenkredit in Höhe von 1,5 Milliarden Franken, den der Bund im Sommer zur Rettung der Airline bewilligt hatte.

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Wie Swiss-Chef Thomas Klühr im Herbst sagte, würde die Airline ohne diese staatliche Hilfe eingehen.

Wie Swiss-Chef Thomas Klühr im Herbst sagte, würde die Airline ohne diese staatliche Hilfe eingehen.

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Darum gehts

  • Wegen der Corona-Krise sind die Piloten bei der Swiss in Kurzarbeit.

  • Doch für die Berechnung der Kurzarbeit-Löhne werden nur Gehälter bis 12’350 Franken berücksichtigt.

  • Weil viele Piloten aber normalerweise deutlich mehr verdienen, stockt die Swiss die Kurzarbeit-Löhne der Piloten auf.

  • Für die Aufstockung nutzt die Swiss die Hilfskredite, die der Bund zur Rettung der Airline zugesichert hat.

  • Auch die Swiss-Mutter Lufthansa erhöht die Piloten-Löhne und sorgt damit in Deutschland für Empörung.

Der Swiss geht es schlecht. Wie kaum eine andere Branche leiden die Fluggesellschaften unter der Corona-Krise. Die Schweizer Airline häufte teils Hunderte Millionen Franken Verlust an. Innert zwei Jahren sollen 1000 Jobs abgebaut werden. Mit einem Normalbetrieb rechnet die Swiss erst ab 2024.

So sind viele Swiss-Mitarbeiter bis auf Weiteres in Kurzarbeit. So auch die Piloten. Um diese aber bei Laune zu halten, hat die Airline deren Kurzarbeit-Löhne aufgestockt. Dafür bedient sich die Swiss beim Milliardenkredit in Höhe von 1,5 Milliarden Franken, den der Bund zur Rettung der Airline im Sommer bewilligt hat. Wie Swiss-Chef Thomas Klühr im Herbst sagte, würde die Airline ohne diese staatliche Hilfe eingehen.

Löhne ab 12’350 Franken gedeckelt

Grund für die Aufstockung ist, dass in der Schweiz für die Berechnung der Kurzarbeit-Löhne nur Gehälter bis 12’350 Franken pro Monat berücksichtigt werden. Das heisst: Auch wenn man mehr verdient, wird der Lohn in Kurzarbeit bei dieser Grenze quasi gedeckelt. Das ist auch bei vielen Piloten der Fall.

Doch normalerweise verdienen die Piloten monatlich teils weit über dieser sogenannten Bemessungsgrenze von 12’350 Franken. Laut Swiss können Piloten im Verlauf der Karriere mehr als 200’000 Franken im Jahr verdienen. Das sind bei 12 Monatslöhnen mindestens knapp 17’000 Franken monatlich.

Swiss legt obendrauf

Damit die Lohneinbusse bei Kurzarbeit also nicht zu hoch ausfällt, legt die Swiss obendrauf. «Da mitunter ein grosser Teil des Einkommens der Pilotinnen und Piloten über der Bemessungsgrenze des Bundes für Kurzarbeit liegt, nimmt auch die Swiss in einem bestimmten Umfang eine Aufstockung vor», sagt Swiss-Sprecherin Meike Fuhlrott zu 20 Minuten. Diese erfolge seit vergangenem Juli.

Sie betont, dass es sich bei den eingesetzten Mitteln aber nicht um Staatsgelder handelt, «sondern um Mittel aus einem staatlich garantierten Bankenkredit, welcher der Swiss zu marktüblichen Konditionen gewährt wurde». Es sei das Ziel des Unternehmens, den Kredit so schnell wie möglich zurückzuzahlen.

Einigung mit Sozialpartner

Die Swiss habe sich zudem mit dem Sozialpartner für das Cockpitpersonal (Aeropers) in den Verhandlungen zu den Modalitäten der Kurzarbeit auf die Aufstockung verständigt. Diese Vereinbarung gilt weiter noch bis Ende Februar 2021. Um wie viel konkret aufgestockt wird, will die Sprecherin nicht sagen.

Grundsätzlich befinde sich das gesamte Cockpit-Personal in Kurzarbeit. Der Grad der Kurzarbeit variiere in Abhängigkeit der monatlich anfallenden Arbeit. «Mit der Aufstockung sind 80 Prozent des Einkommens – auch oberhalb der Bemessungsgrenze – garantiert.» Der Lohn werde je nach Grad der Kurzarbeit entsprechend reduziert.

Das sagen Schweizer Politiker

Thomas Hurter sieht in der Zahlung der vertraglich vereinbarten Piloten-Löhne kein Problem. Denn beim Kredit handle es sich nicht um Staatsgelder, sondern um marktüblich verzinste Kredite, sagt der SVP-Nationalrat und Präsident des Dachverbands der schweizerischen Luft- und Raumfahrt Aerosuisse. «Die Swiss kann daher mit dem Geld machen, was sie will. Sie muss letztlich den Betrieb garantieren und den Kredit wieder zurückzahlen.» Es gebe nun mal marktübliche Löhne und die Swiss müsse daher ihre Mittel so einsetzen, dass sie Geld verdienen kann. Für die Juso-Präsidentin Ronja Jansen ist die Aufstockung nicht das grösste Problem. «Die Lohnschere bei der Swiss muss sich schliessen, doch der wahre Skandal sind die Boni, die trotz Krise und drohendem Jobabbau ausbezahlt werden.» Wichtig sei zudem, dass anständige Gehälter und Arbeitsbedingungen auch in Krisenzeiten grundsätzlich Priorität haben.

Swiss-Mutter stockt auf 15’000 Euro auf

Auch die Konzern-Mutter Lufthansa hat die Kurzarbeit-Löhne der Piloten erhöht – und zwar auf 15’000 Euro, wie die «Welt» schreibt. Je nach Bundesland werden die Löhne bereits bei einer Grenze von 6450 und 6900 Euro gedeckelt. «Das können und wollen wir unseren Piloten nicht zumuten», sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr zur Zeitung.

Im Nachbarland kommt das nicht gut an. Denn die Lufthansa wurde von Deutschland mit einem Staatskredit von 9 Milliarden Euro gerettet. FDP-Politiker Michael Theurer sagt daher zur «Welt»: «Angesichts der Tatsache, dass bei vielen Selbstständigen und Mittelständlern die Hilfen nicht ankommen, ist der Umgang der Lufthansa mit Steuerzahlergeld schwer vermittelbar.»

Auch Alice Weidel, Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag, ist verärgert: «Wie kann es sein, dass der Staat dem Mittelstand die Luft zum Atmen nimmt und auf der anderen Seite üppige Gehälter in der subventionierten Luftfahrtbranche finanziert?»

Schlechte Löhne können gefährlich sein

Aviatik-Experte Cord Schellenberg kann den Aufschrei zwar nachvollziehen. «Man wird von der Öffentlichkeit gerettet und stockt nun die Löhne auf», sagt er auf Anfrage. Doch im Luftverkehr brauche man motivierte und gute Piloten, um die Sicherheit zu gewährleisten. Schlechte Löhne könnten aber Auswirkungen auf die Arbeit im Cockpit haben. Letztlich müssten die Aufstockungen aber versteuert werden. «Insofern kommt das Geld anteilig wieder beim Steuerzahler an.»

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Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

Deine Meinung

942 Kommentare
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Tamy Q.

31.12.2020, 22:47

wie bitte? Dann müssten die Löhne in der Pflege und in Apotheken aber sofort erhöht werden. Da geht es um Patientensicherheit und die können von einem Pilotengehalt nur träumen! Ich verstehe durchaus, dass das nicht schön ist, wenn man auf einen Teil seines Gehalts verzichten muss, aber sorry die Swiss baut Stellen ab (die wohl viel weniger verdienen) und stockt bei den Piloten auf? Das ist fragwürdig...und bitte die Sicherheit sollte auch so im Interesse der Piloten sein...die wollen ja auch lebend ankommen...kanns ja echt nicht sein...andere Branchen leiden auch und müssen mit weit weniger Geld auskommen...

Faktisch betrachten

31.12.2020, 22:24

Dafür dass die Piloten soviel verdienen, bemühen die sich nicht so beim Thema Sicherheit. Die Swiss belegt den Platz 56 weltweit. Es gibt afrikanische Airlines die einen viel besseren Platz belegen. Obwohl muss man betonen dass die Swiss noch viel Ex-Swissair Piloten hat. Bedenklich echt

A71

31.12.2020, 21:29

Früher nannte man so etwas Ausplünderung, Substanzabfluss oder einfach kriminell. Ich habe inzwischen alle Tickets zurückerstattet bekommen, nachdem ich diesem Verein gehörig Druck gemacht habe und eines ist sicher: Mit Swiss fliege ich nicht mehr.