Aeropers-Sprecher: «Piloten trainieren den Umgang mit Entführern»
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Aeropers-Sprecher«Piloten trainieren den Umgang mit Entführern»

Wird ein Flugzeug entführt, müssen Piloten und Flugbegleiter Fingerspitzengefühl zeigen. Ein Experte erklärt, worauf es in solch gefährlichen Situationen ankommt.

von
vro

Am Montagmorgen ist in Genf ein entführtes Flugzeug notgelandet. Der Kopilot der Maschine hatte sich im Cockpit eingeschlossen und von den Schweizer Behörden Asyl gefordert. Dabei handelt es sich um einen Sonderfall, denn in der Regel sitzt der Entführer nicht von Anfang an im Cockpit. Wie Flugbegleiter und Piloten in solchen Situationen vorgehen müssen, erklärt Tobias Mattle, Sprecher des Schweizer Pilotenverbandes Aeropers.

Herr Mattle, wie geht man als Pilot mit Flugzeugentführern um?

Tobias Mattle: Es gibt kein Rezept dafür, das ist von Fall zu Fall anders und extrem schwierig. Jede Flugzeugentführung folgt einem anderen Muster und die Massnahmen müssen dementsprechend angeglichen werden. Es ist jedoch extrem wichtig, dass die Kontrolle des Flugzeugs bei den Piloten bleibt und die Entführer auf keinen Fall ins Cockpit gelangen. Sofern es die Sicherheit des Flugzeugs und der Passagiere zulässt, sollte man auf die Forderungen der Entführer eingehen. Zudem ist es wichtig, dass die Situation an Bord kontrolliert wird und die Passagiere sich ruhig verhalten. Man muss den Luftpiraten das Gefühl geben, dass sie die Führung haben und gleichzeitig trotzdem selber jederzeit die Kontrolle über das Flugzeug behalten.

Wie werden Piloten und Flugbegleiter auf solche Fälle vorbereitet?

Der Umgang mit Entführern wird anhand von Fallbeispielen trainiert. Wichtig ist, dass die Kontrolle stets bei den Piloten liegt und die Tür zum Cockpit immer geschlossen bleibt. Diese Türe ist mehrfach gesichert und dadurch ist es unmöglich, ohne Zugangserlaubnis der Piloten ins Cockpit zu gelangen. In der Kabine ist es wichtig, dass die Situation nicht eskaliert und sich die Passagiere ruhig verhalten.

Wie gross war die Gefahr für die Passagiere des äthiopischen Fliegers, der am Montagmorgen in Genf notgelandet ist?

Nicht so gross wie bei anderen Entführungen. Es gibt zwei verschiedene Arten. Einerseits gibt es die klassische Entführung, bei der eine politische Motivation dahinter steckt. Dann gibt es aber auch die sogenannte New Dimension. Den Entführern geht es hier darum, möglichst viel Schaden anzurichten und Menschenleben zu zerstören. Da der Kopilot der am Montag entführten Maschine in der Schweiz Asyl forderte, kann man von einer politischen Motivation sprechen.

Immerhin befand sich das Flugzeug bei der Entführung in der Luft ...

Wenn möglich, sollte der Pilot das Flugzeug landen. Die Entführer wollen ja nicht mit den Piloten verhandeln, sondern mit den zuständigen Behörden. Deshalb muss die Maschine landen, damit die Verhandlungen am Boden mit den richtigen Leuten geführt werden können.

Tobias Mattle ist Sprecher des Schweizer Pilotenverbands Aeropers.

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