Aktualisiert 15.10.2004 05:13

Pilotenfehler: Sturzflug des Bundesratsjets

Schreckenssekunden erlebte Alt-Bundesrätin Ruth Metzler vor zwei Jahren an Bord des Regierungsjets: Das Flugzeug stürzte mehrere hundert Meter in die Tiefe. Schuld daran waren die Piloten und ein nicht funktionierender Bordfunk.

Der Zwischenfall mit der Cessna Citation Excel hatte sich am 2. Dezember auf einem Flug von St. Gallen-Altenrhein nach Bern ereignet. Während des Steigflugs nach dem Start befahl der Captain, die Landeklappen einzufahren (»Flaps up»). Der Copilot verstand «Flaps seven» und stellte sie auf sieben Grad ein.

Bordfunk defekt

Die Piloten mussten sich ohne technische Hilfe unterhalten, weil die Bordverständigungsanlage defekt war. Das Kommando des Captains war von einem hereinkommenden Funkspruch übertönt worden, wie es in dem Untersuchungsbericht des Büros für Flugunfalluntersuchungen heisst, über den die Nachrichtensendung «10vor10» am Donnerstag berichtete.

Der Copilot wunderte sich zwar über den Befehl, führte ihn aber aus. Als der Pilot den Fehler auf einer Höhe von rund 3000 Metern bemerkte, fuhr er die Landeklappen ein. Dafür war das Flugzeug allerdings schon zu schnell: Wegen der veränderten Trimmung sackte die Maschine ab und ging in einen Sturzflug über.

Langer Sturzflug

Der Jet verlor zeitenweise fast 50 Meter pro Sekunde an Höhe. Zuerst konnte die Besatzung das Flugzeug nicht stabilisieren. Erst nach etwa einer halben Minute und nur wenige hundert Meter über dem Boden gelang es ihr, den Jet mit der Handtrimmung aufzugangen.

Die Piloten landeten nach dem Vorfall wieder in St. Gallen-Altenrhein. Nach dem Sturzflug stieg Metzler - laut ihrem Sprecher «mit einem rechten Schrecken» - ins Auto um. Verletzt wurde niemand.

Der Untersuchungsbericht spricht von einem «schweren Zwischenfall» und macht den Piloten schwere Vorwürfe: Sie hätten die «Prinzipien für den Betrieb des Flugzeugs als Zweimann- Besatzung teilweise ausser Acht gelassen».

Kommunikation und gegeseitige Kontrolle seien unvollständig gewesen, Verfahrensvorgaben missachtet worden. Gegen die Piloten läuft eine Strafuntersuchung, wie eine Sprecherin des Bundesamts für Zivilluftfahrt sagte.

(sda)

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