Zürich: «Pils»-Verbot holt den «Gaht's-no!-Priis» 2014

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Zürich«Pils»-Verbot holt den «Gaht's-no!-Priis» 2014

Im Kampf gegen bürokratischen Ärger hat die FDP Kanton Zürich zum vierten Mal den «Gaht's-no!-Priis» verliehen. Siegerin des Jahres ist die Geschichte über das «Pils»-Verbot.

von
blu
Das Lebensmittelinspektorat der Stadt Zürich hat dem Getränkeladen «Drinks of the world» verboten, Flaschenbiere mit der Aufschrift «Pils» zu verkaufen.

Das Lebensmittelinspektorat der Stadt Zürich hat dem Getränkeladen «Drinks of the world» verboten, Flaschenbiere mit der Aufschrift «Pils» zu verkaufen.

Der Zürcher Getränkehandel «Drinks of the World» hat am Dienstag von der FDP des Kantons Zürich den «Gaht's-no!-Priis» 2014 für die absurdeste Bürokratiegeschichte des Jahres erhalten. Gerügt wird damit das Lebensmittelinspektorat der Stadt Zürich, das dem Unternehmen den Verkauf von «Pils» verboten hat.

Der Inhaber des Getränkemarktes «Drinks of the World» in der Filiale im Hauptbahnhof Zürich erhielt im Juni Besuch des Lebensmittelinspektorates. Die Beamten kontrollierten die Verkaufsregale und kamen zum Schluss, dass sämtliche Biere mit der Aufschrift «Pils» innert 30 Minuten aus den Regalen entfernt werden müssten.

Vertrag von 1976

Abenteuerlich sei die Begründung für das plötzliche Verkaufsverbot, schreibt die FDP in einer Mitteilung. Das Lebensmittelinspektorat habe sich nämlich auf einen über 40-jährigen Staatsvertrag aus dem Kalten Krieg berufen, den die Schweiz damals mit der Tschechoslowakei abgeschlossen hatte.

Gemäss diesem Vertrag darf die Schweiz keine Flaschenbiere mit der Aufschrift «Pils» verkaufen, die nicht aus der Tschechoslowakei kommen. Im Gegenzug verpflichteten sich die Tschechen, die Bezeichnung «Emmentaler» speziell zu schützen.

Kläger fehlt

Besonders störend ist laut FDP, dass das Lebensmittelinspektorat aus Eigeninitiative auf die Einhaltung des 1976 unterzeichneten Staatsvertrages gepocht habe - obwohl gar kein Kläger vorhanden sei, weil es die Tschechoslowakei gar nicht mehr gibt.

Bei so viel Eigeninitiative der Beamten werde unternehmerischer Geist im Keim erstickt. Das sei dem Wirtschaftsstandort Zürich keinesfalls zuträglich. Zudem existiere das Problem nicht nur in Zürich. In andern Filialen des Getränkemarktes hätten die Beamten den Staatsvertrag nicht mit gleicher Vehemenz durchgesetzt.

«Meisterstück in Sachen Bevormundung»

Mit dem «Gaht's-no!-Priis», der zum vierten Mal verliehen wurde, zeichnet die FDP Kanton Zürich die absurdeste Bürokratiegeschichte des Jahres aus. In die engere Auswahl für die Auszeichnung kamen noch zwei weitere Geschichten:

Ein «Meisterstück in Sachen Bevormundung» habe der Verein «Fussverkehr Schweiz» geliefert, der die Schulwege verstaatlichen wolle, schreibt die FDP. Besonders absurd sei auch die Geschichte aus dem Oberaargau (BE): Dort akzeptierte das Zivilstandsamt den männlichen Vornamen Jessico nicht. Nachzulesen sind die Geschichten unter

ww.buerokratieabbau.ch. (blu/sda)

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