Pilum 22 ist vorbei – das sagt die Community dazu

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Armeeübung Pilum 22 – «das teuerste Fondue der Schweiz»

Das Militärgrossmanöver «Pilum» geht heute zu Ende. Ein Soldat erzählt, dass er sich oft langweilte und Fondue ass. Die Community ist darüber empört.

von
Gabriela Graber

Die Armee zieht ein positives Fazit zur Übung Pilum 22.

20min/Thomas Sennhauser

Darum gehts 

  • 5000 Soldaten haben in den letzten Tagen mit diversem Kriegsmaterial eine gross angelegte Übung abgehalten. 

  • Die Armee zieht eine positive Bilanz: Bis auf drei Leichtverletzte und ein paar Fehler in der Kommunikation sei alles gut gelaufen.

  • Soldat M.B.*, der dabei war, erzählt, dass er sehr viel Zeit mit Warten verbrachte. 

  • Viele Leserinnen und Leser regen sich darüber auf und verstehen den Zweck des Manövers nicht. Andere wiederum unterstützen die Übung und ihre Ziele voll und ganz.

Nach sieben Übungstagen mit 5000 Soldaten und 313 Fahrzeugen im Einsatz geht Pilum 22 zu Ende. Die Armee zieht Bilanz zum grössten Armee-Manöver seit 33 Jahren: «Die Fülle der Aufgaben war gross, die Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere haben diese mit einer grossen Ernsthaftigkeit erledigt», sagt René Willinger, Kommandant Heer (siehe Video oben). Bis auf drei Leichtverletzte und ein paar Fehler in der Kommunikation sei alles gut gelaufen.

Etwas anders hat Soldat M.B.* die Übung erlebt. Für ihn habe das Manöver in erster Linie aus Warten bestanden. «Da vor allem das Kader beübt wird, haben wir einfachen Soldaten meist keine Ahnung, was eigentlich läuft. Wir warten immer auf Befehle von oben, auch unser Kadi und Zugführer, und niemand weiss, welche Befehle wann womöglich kommen werden.» An einigen Tagen hätten die Soldaten vier Stunden gewartet, um dann eine Stunde etwas zu tun zu haben. Die lange Wartezeit hätten sie mit Kartenspielen, WM-Spiele-Schauen, Plaudern und Raclette- oder Fonduekochen verbracht – immer darauf bedacht, schnell zusammenpacken zu können. «Wir wissen schliesslich nie, wann doch ein Befehl kommt.»

In der Kommentarspalte ärgern sich zahlreiche Leserinnen und Leser über die Erlebnisse von M.B. So viel Warten und Nichtstun könne schlicht nicht sein, finden viele.

«Jasst ihr besser, statt solche Übungen durchzuführen»

«Fondue essen, jassen und WM schauen. Ernsthaft? Was werden die Soldaten bei einem echten Ernstfall tun, die Angreifer auf ein Jassspiel und Fondue einladen?», kommentiert hamiltoff. Für ihn sei das Manöver keine Übung, sondern eher ein Pfadilager. User Vanity-fair findet: «Das teuerste Fondue der Schweiz.» Und srkiii schreibt: «Die beste Armee der Welt – die noch nie Krieg geführt hat und im Ernstfall vom grossen Nachbarn abhängig wäre. Jasst ihr besser, statt solche Übungen durchzuführen! Schade, dass damit so viele Steuergelder verschwendet werden.»

Verschiedene Mitglieder geben an, ähnliche Erfahrungen wie Soldat M.B. im Militär gemacht zu haben: «Ich würde nie wieder in die Armee gehen, es ist verlorene Zeit. 99 Prozent des Tages nur rumstehen und warten», so User Habakuk. countryman2 erinnert sich: «Es war schon vor 45 Jahren so, dass wir eine halbe Stunde pressieren mussten und dann vier und mehr Stunden warteten, bis der nächste Befehl, den man in den seltensten Fällen verstand, eintraf. Das war halb so schlimm, wenns nicht grad in Strömen regnete.» – «Wer in diesem Verein war, weiss, wie das abläuft: Egal, wie die Übung lief, am Ende heisst es: Super Übung, jetzt wissen wir, was wir das nächste Mal besser machen können. Wer das noch unterstützt, ist wirklich von vorvorgestern», kommentiert Dr.Timotheus.

Warten müssen Soldaten auch im Ernstfall

Etliche Leserinnen und Leser halten dieser Kritik stark entgegen: «Die Aussagen von einem Soldaten erachte ich nicht wirklich als repräsentativ», findet silberpfeil. Leser Marcoooo sagt: «Bei solchen Grossmanövern geht es meines Wissens darum, dass nicht primär der Soldat beübt wird, sondern das darüber stehende Kader.»

User Repter erklärt, wieso Warten wichtig sei: «Wir betrieben rund um die Uhr eine Sanitätshilfsstelle. Stundenlang hatten wir nichts zu tun, doch plötzlich kam ein Patientenansturm, den kein Spital so auf die Schnelle hätte bewältigen können. Doch wir schafften es, weil wir uns vorbereitet hatten und ausgeruht waren.» Im Ernstfall wisse auch das Kader nicht, was der Gegner gerade plane und wann er komme, ergänzt er. Yoshifan stimmt dem zu: «Es ist völlig normal für Soldaten, bei einer so grossen Übung viel zu warten. Das ist auch im Ernsteinsatz so.»

«Wie soll man wissen, dass etwas nicht funktioniert, wenn man es nicht testet beziehungsweise übt? Darum sind solche Manöver durchaus wertvoll», findet Attila007. Wie viele andere debattiert der Leser über den Nutzen der Grossübung. User greentouch teilt seine Ansicht: «Solche Übungen müssen zur Schweiz gehören. Alle zwei Jahre bitte!» Und User Ländu denkt an die letzte Grossübung vor 33 Jahren zurück. «Bei ‹Dreizack 2› musste ich auch kriegsmässig einrücken. Das war eine der schönsten Wochen meiner militärischen Laufbahn.»

*Name der Redaktion bekannt 

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