25.03.2015 11:45

BiolumineszenzPilze leuchten, um sich zu vermehren

Wenn es in Brasiliens Kokoswald Nacht wird, beginnen einige Pilze grünlich zu leuchten. Dies aus reinem Eigennutz, wie Forscher herausgefunden haben.

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So spektakulär sieht der Leuchtpilz (Neonothopanus gardneri) bei Nacht aus.

So spektakulär sieht der Leuchtpilz (Neonothopanus gardneri) bei Nacht aus.

Cassius V. Stevani/IQ-USP, Brazil
Bei Tag hingegen wirkt derselbe Pilz eher unscheinbar.

Bei Tag hingegen wirkt derselbe Pilz eher unscheinbar.

Cassius V. Stevani/IQ-USP, Brazil
Dabei macht es auch keinen Unterschied, ob der Pilz bereits geerntet wurde, wie auf den vorhergehenden Bildern, oder seine Wurzeln noch im Boden stecken: Bei Nacht bietet sich ein sphärisches Bild ...

Dabei macht es auch keinen Unterschied, ob der Pilz bereits geerntet wurde, wie auf den vorhergehenden Bildern, oder seine Wurzeln noch im Boden stecken: Bei Nacht bietet sich ein sphärisches Bild ...

Michele P. Verderane/IP-USP-2008

Glühwürmchen lassen ihre Hinterteile blinken, um Geschlechtspartner anzulocken. Der Tiefsee-Anglerfisch schwimmt mit einem Fortsatz herum, dessen Ende mit biolumineszenten Bakterien gefüllt ist, um mit deren Licht Beute anzulocken. Und auch der Zwergtintenfisch Euprymna scolopes lässt es leuchten, um an Futter zu gelangen.

Warum aber die Pilze der Gattung Neonothopanus gardneri dies tun, gab Forschern lange Zeit ein Rätsel auf. Bisher nahmen Experten an, dass es sich dabei um ein Nebenprodukt des Pilz-Stoffwechsels handelt, ohne Nutzen für das Gewächs. Weiter gingen sie davon aus, dass sie rund um die Uhr ihr Licht produzieren, es tagsüber aber einfach nicht sichtbar ist.

Kunstpilze im Labor

Doch nun zeigen Forscher um Anderson Oliveira von der Universität São Paulo in Brasilien, dass dem nicht so ist, sondern dass die Leuchtintensität des Pilzes variiert: Am Tag dimmen die Pilze ihr Licht herunter, nachts fahren sie es wieder hoch. Das wiederum deute darauf hin, dass das Leuchten eine Funktion besitzt, wie das Team im Fachjournal «Current Biology» schreibt.

Um ihre Theorie zu prüfen und mehr über die Motivation der Pilze zu erfahren, bastelten sie kurzerhand Pilzattrappen, denen sie ein kleines, grünlich leuchtendes LED-Lämpchen verpassten. Diese – und solche ohne Leuchtmittel – brachten sie dann an einem Baumstamm an und beobachteten sie.

Grosser Andrang

Schon nach kurzer Zeit versammelten sich um beide unzählige Insekten, wobei die leuchtenden Kunstpilze deutlich mehr anzogen als die nicht leuchtenden. Darunter fanden sich unter anderem Käfer, Mücken und Fliegen, aber auch Wespen und Ameisen – alles Tiere, von denen bekannt ist, dass sie grünes Licht wahrnehmen können und von ihm angezogen werden.

Daraus schliessen die Forscher, dass die Pilze im Dunklen leuchten, um Insekten anzulocken. Der Grund: Nachts und am frühen Morgen produzieren die Gewächse wegen der kühleren und feuchteren Luft am meisten Sporen. Doch ausgerechnet dann ist im Wald der Wind oft zu schwach, um diese fortzutragen. Damit sei die Nacht die ideale Zeit, um mit starker Biolumineszenz Insekten anzulocken, die dann die Sporen im Wald verteilen.

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