Beschimpfungen und Übergriffe: Pink Cops wollen Statistik über Hassdelikte

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Beschimpfungen und ÜbergriffePink Cops wollen Statistik über Hassdelikte

Lesben, Schwule und Transmenschen werden auch in der Schweiz Opfer von Beleidigungen und körperlicher Gewalt. Nun sollen Hassdelikte statistisch erfasst werden.

von
daw

LGBT-Organisationen haben Ende 2016 auf eigene Initiative eine Hotline für Lesben, Schwule und Transmenschen eingerichtet, die aufgrund ihrer Identität oder sexuellen Orientierung diffamiert oder attackiert werden. Laut einem gestern veröffentlichten Bericht sind Transmenschen besonders häufig betroffen. Auf sie entfiel ein Fünftel der 95 Fälle, die zwischen November 2016 und Dezember 2017 erfasst wurden. Meist handelt es sich um Beschimpfungen und Beleidigungen. Bei einem Drittel der Fälle war aber auch körperliche Gewalt im Spiel.

«Hass, Gewalt und Diskriminierungen gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transmenschen sind in der Schweiz immer noch traurige Realität», heisst es im Bericht. Über 80 Prozent der Fälle seien aber nicht der Polizei gemeldet worden.

«Klischee des machoiden Polizisten ist überholt»

Für Petrik Thomann, Vize-Präsident des Vereins Pink Cops, hat das verschiedene Gründe: «Manche haben einfach eine dicke Haut und keine Lust, den Rechtsweg zu beschreiten, oder sie wollen das Geschehene verdrängen.» Zudem befürchteten wohl einige, die das Stereotyp eines machoiden, rechtsgerichteten Polizisten im Kopf hätten, dass man sie nicht ernst nehme.

Dieses Klischee sei allerdings längst überholt: «Der Geist der Polizei hat sich in den letzten Jahren zum Positiven gewandelt.» Polizeiaspiranten besuchten interkulturelle Schulungen und Seminare zu Homosexualität und Transsexualität. «Ob man eine Anzeige macht, ist ein individueller Entscheid. Die Behörden nehmen die Opfer heute aber ernst.»

Kriminalstatistik soll erweitert werden

Klar sei auch, dass die Meldestelle nur einen Bruchteil der Fälle erfasse, so Polizist Thomann. Die Organisationen, darunter Pink-Cross, fordern darum, dass Hassdelikte gegen LGBT-Menschen in der polizeilichen Kriminalitätsstatistik gesondert ausgewiesen werden. So unterstützen sie einen Vorstoss von BDP-Nationalrätin Rosmarie Quadranti. Sie verlangt, dass der Bund «hate crimes» aufgrund der «sexuellen Orientierung, Geschlechtsidentität, -ausdruck oder -merkmale» erfasst.

Für Thomann ist klar: «Heute wird alles statistisch vermessen.» So wisse man, wie viele Schweine es wo gebe, fische aber bei Übergriffen auf LGBT-Menschen im Trüben. «Erst wenn wir das wahre Ausmass der Gewalt kennen, kann die Politik geeignete Massnahmen ergreifen.» Vorbilder gebe es genügend: So würden England oder die Niederlande solche Delikte bereits gesondert ausweisen.

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