Geflüchtet: «Pink Panther» türmt spektakulär aus Gefängnis

Aktualisiert

Geflüchtet«Pink Panther» türmt spektakulär aus Gefängnis

Am Dienstagvormittag sind fünf Insassen aus einem Lausanner Gefängnis ausgebrochen. Einer davon gehörte der berühmt-berüchtigten Verbrechertruppe der Pink Panther an.

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ats/hit

Dienstag, 10:20 Uhr, Gefängnis Bois-Mernet in Lausanne: Dreissig Insassen machen im Innenhof des Gefängnisses ihren obligatorischen Rundgang an der frischen Luft. Dann kommt es zu Tatort-reifen Szenen.

Drei Komplizen gelangen von aussen über eine Metallleiter auf die Gefängismauer und werfen einen Sack mit den Hilfsmitteln rüber, der ihren fünf Kollegen die Flucht aus dem Trakt erst ermöglicht: die Attrappe einer Pistole, eine Flasche, gefüllt mit einem reizerzeugenden Stoff und einen Vorschneider. Damit bedrohten sie die übrigen Insassen und die Wärter, um sie auf Distanz zu halten.

Sie schnitten ein Loch in den Drahtzaun, flüchteten zur Aussenmauer und überwanden diese über die Leiter. Einen der Flüchtigen schnappten die Wärter dabei im letzten Moment.

Internationale Fahndung ausgerufen

Die ganze Befreiungsaktion war gut und wohl von langer Hand geplant. Sie dauerte nicht länger als fünf Minuten. Die acht Flüchtigen entkamen danach in zwei Autos.

Nachdem das Gefängnis Alarm geschlagen hatte, rückte die waadtländer Kantonspolizei mit einem Grossaufgebot aus. Zwanzig Patrouillen waren unterwegs und mehrere Strassensperren wurden errichtet. Es läuft eine nationale und internationale Fahndung.

Der «Panther» war der Rädelsführer

Die fünf geflüchteten Insassen waren im gleichen Zellentrakt inhaftiert. Ihr Rädelsführer war ein 45-jähriger Serbe - ein bei der Polizei äusserst bekanntes Gesicht mit einem langen Strafenregister. Er ist ein Mitglied der berühmt-berüchtigten Verbrecherbande der Pink-Panther, die 2012 in Luzern eine Bijouterie leer geräumt und Uhren im Wert von 1,3 Millionen Franken erbeutet hatten.

Er befand sich in Untersuchungshaft, wie auch zwei weitere der Flüchtigen. Einer davon, ein 34-jähriger Albaner, sass wegen schweren Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Ein anderer, ein 31-jähriger Bosniake, war wegen Raub, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch in Haft, wie auch der 22-jähriger geflüchtete Kosovare.

Beim vierten Ausreisser handelt es sich um einen 47-jährigen Franzosen. Er wurde wegen Raub und schweren Verstössen gegen das Waffengesetz verurteilt.

Sicherheitsmassnahmen im Vorfeld verschärft

In Anbetracht des Gefahrenpotenziales, das vom «Pink Panther» ausging, hatte die Gefängnisleitung verschärfte Sicherheitsmassnahmen erlassen, wie Staatsrätin Béatrice Métraux, die Chefin des Innendepartements bestätigt. Der Serbe war dreimal in ein anderes Gefängnis verlegt worden, bevor er nach Lausanne ins Bois-Mermet kam. Dort brachte man ihn mehrmals in verschiedenen Zelle unter. Für ihn wurde eigens ein individueller Tagesplan erstellt. «Wir haben alles versucht», versichert Métraux. Sicherheitsinspektoren sollen das über hundertjährige Gefängnis nun begutachten, in dem 168 statt wie vorgesehenen 100 Insassen inhaftiert sind.

Métraux zeigte sich «äussert beunruhigt» darüber, wie brutal die Befreiungsaktion abgelaufen sei. «Es hätte Tote und Verletzte geben können.»

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