Verurteilt wegen Amtsmissbrauch: «Pinkel-Prozess»-Polizist arbeitet nun im Thorberg
Aktualisiert

Verurteilt wegen Amtsmissbrauch«Pinkel-Prozess»-Polizist arbeitet nun im Thorberg

Ein Ex-Polizist, der im «Pinkel-Prozess» wegen Amtsmissbrauchs verurteilt wurde, arbeitet nun in der Justizvollzugsanstalt Thorberg. Das sorgt für Unverständnis.

von
kaf
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In der Justizvollzugsanstalt Thorberg arbeitet seit November im Sicherheitsdienst ein Ex-Polizist, der im Juni vom Obergericht wegen Amtsmissbrauch verurteilt wurde.

In der Justizvollzugsanstalt Thorberg arbeitet seit November im Sicherheitsdienst ein Ex-Polizist, der im Juni vom Obergericht wegen Amtsmissbrauch verurteilt wurde.

Keystone/Lukas Lehmann
Er soll auf der Bahnhofswache in Bern die Jacke eines zugedröhnten Mannes in dessen Urin gelegt haben. Sein Arbeitskollege habe den Mann sogar mehrmals durch die Pfütze geschleift.

Er soll auf der Bahnhofswache in Bern die Jacke eines zugedröhnten Mannes in dessen Urin gelegt haben. Sein Arbeitskollege habe den Mann sogar mehrmals durch die Pfütze geschleift.

Keystone/Lukas Lehmann
Andere Mitarbeiter sind von der Anstellung nicht überzeugt: Sie befürchten, dass die Insassen den Sicherheitsdienst nun nicht mehr ernst nehmen.

Andere Mitarbeiter sind von der Anstellung nicht überzeugt: Sie befürchten, dass die Insassen den Sicherheitsdienst nun nicht mehr ernst nehmen.

Keystone/Lukas Lehmann

Im Juni wurden zwei Polizisten der Kantonspolizei Bern vom Berner Obergericht im sogenannten «Pinkel-Prozess» wegen Amtsmissbrauch zu bedingten Geldstrafen verurteilt. Inzwischen ist das Urteil rechtskräftig – und den beiden somit, wie vom Polizeikommando angekündigt, fristlos gekündigt worden. Einer von ihnen hat nun eine neue Stelle angetreten, wie die «Berner Zeitung» schreibt: Er arbeitet seit Anfang November im Sicherheitsdienst der Justizvollzugsanstalt Thorberg.

Der betroffene Mann stand zusammen mit einem Arbeitskollegen vor Gericht, weil er auf der Bahnhofswache die Jacke eines zugedröhnten Mannes in dessen Urinpfütze gelegt hatte. Sein Kollege ging noch weiter: Er schleifte den Mann mehrmals durch den Urin hindurch.

Das Obergericht bestätigte in zweiter Instanz die Schuldsprüche wegen Amtsmissbrach.

Nur wenige Jobmöglichkeiten für Ex-Polizisten

Während Thorberg-Direktor Thomas Egger die Anstellung des verurteilten Ex-Polizisten für unproblematisch hält, sind nicht alle Mitarbeiter des Gefängnisses von der Wahl überzeugt. Diese befürchten, dass die Insassen den Sicherheitsdienst nun nicht mehr ernst nehmen werden. Daniel Wyrsch, Geschäftsleiter des Bernischen Staatspersonalverbandes und SP-Grossrat, teilt die Bedenken der Mitarbeiter. Der Ex-Polizist verdiene zwar eine zweite Chance, «aber der Thorberg mit seiner schwierigen Klientel ist wohl nicht die richtige Institution dafür.»

Viele Alternativen zu dieser Anstellung hat der Mann im Kanton Bern nicht, wie Adrian Wüthrich, Präsident des kantonalen Polizeiverbandes, gegenüber der «Berner Zeitung» sagt: «Infrage kommen die Kantonspolizei, wenige Stellen beim Bund, private Sicherheitsdienste oder der Strafvollzug.» Der Ex-Polizist sei für seine neue Stelle gut qualifiziert, weshalb ihn die Anstellung nicht überrasche. «Zumal das Obergericht klar festgehalten hat, dass es sich um einen leichten Fall von Amtsmissbrauch handelt», fügt er an.

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