Aktualisiert 03.12.2006 14:07

Pinochet ringt mit dem Tode

Nach einem in der Nacht erlittenen Herzinfarkt ringt der frühere chilenische Diktator Augusto Pinochet offenbar mit dem Tode. Nach einer Operation soll er nun die letzte Ölung erhalten haben.

Das Spital teilte mit, Pinochet sei nach der Bypass-Operation bei Bewusstsein. Die Diagnose laute auf Herzstillstand und Lungenödem.

Gemäss dem Sprecher der Familie, General Guillermo Garín, hat der 91-Jährige im Militärspital bereits die letzte Ölung erhalten. Die letzte Ölung wird von der katholischen Kirche den Gläubigen gespendet, wenn mit ihrem baldigen Tod gerechnet werden muss.

In den vergangenen Jahren war der unter Hausarrest stehende Pinochet immer wieder krank geworden. Pinochets Sohn Marco Antonio Pinochet Hiriart teilte mit, das Leben seines Vaters lieg in den «Händen Gottes und der Ärzte».

Menschenrechtsverletzungen

Der wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen angeklagte Ex- Juntachef war Ende November im Zusammenhang mit Ermittlungen im Fall der «Todeskarawane» erneut unter Hausarrest gestellt worden.

In diesem Fall ermittelt die chilenische Justiz wegen der Verschleppung zweier Menschen während eines Militäreinsatzes gegen Oppositionelle nach dem von Pinochet im September 1973 angeführten Putsch gegen den demokratisch gewählten sozialistischen Präsidenten Salvador Allende.

Militär und Polizei töteten während der bis zu Pinochets Rücktritt 1990 dauernden Gewaltherrschaft laut Schätzungen mehr als 3000 Menschen. Laut einem offiziellen Bericht wurden bis zu 30 000 Pinochet-Gegner eingesperrt und gefoltert.

Konten in der Schweiz

Dennoch ist der Ex-Machthaber bei vielen Chilenen beliebt, die ihm einen erfolgreichen Kampf gegen den Marxismus anrechnen. Viele seiner Anhänger wandten sich allerdings von ihm ab, als 2004 bekannt wurde, dass er während seiner Amtszeit rund 27 Millionen US- Dollar auf geheimen Bankkonten verschwinden liess.

Auch in der Schweiz sollen Gelder liegen. Die Schweiz unterstützt Chile bei den Ermittlungen. Der Vollzug des Rechtshilfegesuchs aus Chile habe begonnen, teilte die Bundesanwaltschaft (BA) im Oktober mit. Das erste Rechtshilfegesuch Chiles war im Frühling 2005 beim Bundesamt für Justiz eingegangen.

(dapd)

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