Pinochet wegen Folter und Entführung angeklagt
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Pinochet wegen Folter und Entführung angeklagt

Der ehemalige chilenische Militärmachthaber Augusto Pinochet soll in einem Fall des Mordes, in 36 Fällen der Entführung und in 23 Fällen der Folter angeklagt werden.

Das teilte ein Anwalt der Opfer in Santiago mit. Der zuständige Richter Alejandro Solis kündigte für Montag eine offizielle Erklärung an. An diesem Tag solle auch Pinochet rechtsgültig über die Anklage informiert werden. Darin geht es um Folter und Entführungen in der Villa Grimaldi, einem berüchtigten Zentrum der chilenischen Geheimpolizei im Anschluss an den Pinochet-Putsch von 1973.

In Medienberichten hiess es, Pinochet werde in einem Fall des Mordes, in 36 Fällen der Entführung und in 23 Fällen der Folter angeklagt. Der Anklageschrift zufolge werde der frühere Machthaber weiter unter Hausarrest gestellt. Solis hatte Pinochet im September verhört und anschliessend erklärt, dieser erinnere sich nach eigenen Angaben nicht an die Vorfälle in der Villa Grimaldi.

In dem Geheimgefängnis wurden den Ermittlungsakten zufolge auch die amtierende chilenische Präsidentin Michelle Bachelet und ihre Mutter gefoltert. Bachelet war damals eine 22-jährige Medizinstudentin. Beide haben von ihrer Folter berichtet, ihre Fälle sind aber nicht Teil des anhängigen Verfahrens. Heute ist die Villa Grimaldi im Südosten von Santiago eine Gedenkstätte für die Opfer der Militärdiktatur.

Pinochet ist bereits wegen anderer Verstösse gegen die Menschenrechte sowie wegen Steuerbetrugs angeklagt. Bisher sind aber alle Versuche, einen Prozess zu Ende zu führen, an Gesundheitsgründen gescheitert. (dapd)

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