Aktualisiert 09.08.2015 09:50

Chile

Pinochets rechte Hand ist tot

Der gefürchtete chilenische Ex-Geheimdienstchef Manuel Contreras verstarb im Alter von 86 Jahren an Diabetes und Krebs.

von
chk
Insgesamt zu 505 Jahren Haft verurteilt: Manuel Contreras umgeben von Polizeibeamten. (28. Januar 2005)

Insgesamt zu 505 Jahren Haft verurteilt: Manuel Contreras umgeben von Polizeibeamten. (28. Januar 2005)

Der berüchtigte Geheimdienstchef des einstigen chilenischen Diktators Augusto Pinochet ist tot. Manuel Contreras starb am Freitagabend (Ortszeit) mit 86 Jahren im Militärhospital von Santiago de Chile, wie das Spital mitteilte.

Der chilenische General war wegen zahlreicher Menschenrechtsverletzungen zu insgesamt 526 Jahren Haft verurteilt worden. Vor zehn Tagen wurde der krebskranke Contreras von der Haftanstalt ins Spital gebracht. Der Leichnam wurde am Samstag im Friedhof der chilenische Hauptstadt eingeäschert, berichtete das Nachrichtenportal Emol.

«Eine der dunkelsten Figuren unserer Geschichte ist gestorben», erklärte die Regierung von Staatschefin Michelle Bachelet. Contreras habe «wertvolle Informationen» mit ins Grab genommen, die zur Aufklärung der Menschenrechtsverletzungen während der Diktatur (1973-89) gedient hätten.

Nach Akten des US-Geheimdienstes CIA, die 2000 freigegeben wurden, hat Contreras Dokumente im Ausland versteckt, die die Beteiligung der Pinochet-Regierung an der Ermordung Oppositioneller belegen sollen.

Rechte Hand Pinochets

Contreras galt als rechte Hand Pinochets, der in Chile von 1973 bis 1989 eine Militärdiktatur führte. Die meisten der 3200 Todesopfer oder Vermissten aus dieser Zeit werden dem Geheimdienst DINA angelastet, den Contreras gegründet und geleitet hatte. Hinzu kommen mehr als 38'000 Folteropfer.

Der Geheimdienst, der ähnlich wie die Gestapo oder die Stasi arbeitete, kam auf 60'000 Mitarbeiter und Informanten. Er hatte eigene Geheimgefängnisse, konnte Gefangene beliebig einsperren, war im In- und Ausland tätig und hatte nur Pinochet gegenüber Rechenschaft abzulegen.

Contreras war auch Mitglied der «Operation Condor», einem gemeinsamen Plan südamerikanischer Militärdiktaturen in den 70er Jahren, um Oppositionelle auszuschalten.

1977 wurde Contreras von Pinochet auf Druck der USA als Geheimdienstchef abgelöst. Washington hatte Beweise vorgelegt, dass der tödliche Anschlag gegen Chiles Ex-Minister Orlando Letelier, der unter dem linksgerichteten Präsidenten Salvador Allende diente, im September 1976 in den USA von der DINA in Auftrag gegeben worden war.

Keine Auslieferung

Eine Auslieferung von Contreras an die USA lehnte Chile ab, er musste aber sieben Jahre Haft bis Januar 2001 wegen dieses Verbrechens absitzen. Im Jahr 2005 kam Contreras in Chile wegen der Entführung eines jungen Oppositionellen erneut ins Gefängnis.

Danach wurde er in insgesamt 40 Fällen wegen Folter, Ermordung oder Verschwindenlassens von Oppositionellen verurteilt, wobei er jegliche Verantwortung der DINA für diese Verbrechen stets bestritt.

Erst im Mai war Contreras wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu weiteren 15 Jahren Haft verurteilt worden. In dem Prozess ging es um die Ermordung der Schauspielerin Ana María Ortiz und des Politologen Alejandro de la Barra von der revolutionären Linken Ende 1973.

Contreras wurde auch wegen der Ermordung des Generals Carlos Prats 1974 in Buenos Aires verurteilt. Prats hatte sich als Oberbefehlshaber der Streitkräfte Chiles Anfang der 1970er Jahre geweigert, gegen Allende zu putschen. Prats' Nachfolger Pinochet führte wenige Monate nach dessen Rücktritt den Staatsstreich an, der die Diktatur einleitete. (chk/sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.