Auf der A1: Pipi-Pause im Stau kann teuer werden
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Auf der A1Pipi-Pause im Stau kann teuer werden

Ein Autofahrer legte bei einem Stau auf der A1 eine Pinkel-Pause ein – und bekam eine saftige Busse. Die Höhe der Strafe ist in jedem Kanton unterschiedlich.

von
Camille Kündig
Dieser Herr konnte es sich wohl auch nicht mehr verkneifen. Er erleichterte sich bei der Westumfahrung Zürich-Brunau. Symbolbild: (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Dieser Herr konnte es sich wohl auch nicht mehr verkneifen. Er erleichterte sich bei der Westumfahrung Zürich-Brunau. Symbolbild: (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Sommerzeit ist Stauzeit. Wenn sich auf der Autobahn dann plötzlich ein natürliches Bedürfnis meldet, wirds kompliziert. Wie Albert * der Zeitung «Lausanne Cités» erzählt, war er in der Nähe von Versoix GE unterwegs, als der Verkehr wegen eines Unfalls über 20 Minuten lang stillstand. Der Sechzigjährige hatte aber ein dringendes Geschäft zu erledigen. Also stieg er aus seinem Auto und erleichterte sich unmittelbar an der A1.

Das Ganze blieb nicht unbemerkt: Ein Polizeibeamter ordnete an, dass er sofort wieder in sein Fahrzeug zu steigen habe. «Ich habe fertig uriniert und bin zurück zu meinem Auto gegangen», sagt Albert. Doch später folgte die böse Überraschung: Die Polizei schickte ihm happige Post: 400 Franken Busse und 200 Franken Gebühren, also insgesamt 600 Franken soll Albert für seine Pipi-Pause zahlen. Der angegebene Grund: Nichtbefolgen polizeilicher Anweisungen.

«Die Autofahrer müssen geschützt werden»

«Genau wegen solcher Fälle haben wir eine Petition gegen exorbitante Bussgelder lanciert», sagt François Membrez, Präsident des TCS Genf. Sie hätten sich diesbezüglich auch an den Preisüberwacher gewandt.

Jean-Philippe Brandt, Pressesprecher der Genfer Polizei, meint zum Fall: «Es hätte sein können, dass ein Motorradfahrer zwischen den stehenden Fahrzeugen durchfährt. Ebenfalls möglich wäre, dass ein Autofahrer verbotenerweise auf dem Pannenstreifen vorfährt.» Das könne gefährlich sein. «Deshalb möchten wir, dass die Autofahrer in ihren Fahrzeugen bleiben.» Dem Fahrer würde es gemäss Brandt freistehen, die Busse vor dem Polizeigericht anzufechten.

Auch in anderen Kantonen muss mit Busse gerechnet werden

Das hat Albert auch vor. «Die Busse ist inakzeptabel. Genauso wie die Höhe des Betrags.» Das Schlimmste sei aber etwas anderes: «Während der Polizist den Strafzettel schrieb, rollte der Verkehr auf der Autobahn wieder. Da wurde es für die anderen Autofahrer erst recht gefährlich, dass wir auf der Überholspur standen.»

Doch auch im Kanton Graubünden wäre Albert für seine Pipi-Pause wohl gebüsst worden. Roman Rüegg, Mediensprecher der Kantonspolizei Graubünden betont: «Es ist nicht erlaubt, im Stau aus seinem Fahrzeug auszusteigen.» Nothalte seien nur auf Pannenstreifen zulässig und als Notfall würde «das dringende Bedürfnis, Wasser zu lassen (...)», nicht zählen. Auch das Urinieren selbst sei unzulässig und würde von der Kantonspolizei Graubünden, sofern nicht Sachbeschädigung vorliege, mit einer Busse bestraft.

«Keinen Kaffee und Tee trinken»

«Im Aargau lassen sich solche Fälle an einer Hand abzählen», so Bernhard Graser von der Kantonspolizei Aargau. Man würde jeden Fall einzeln beurteilen und «mit gesundem Menschenverstand agieren». Falls der Fahrer in einem 10 Kilometer langen, stillstehenden, Stau stecke und unbedingt auf die Toilette müsse, könne man eventuell auch ein Auge zudrücken. Wenn die Sicherheit durch das angehaltene Fahrzeug aber gefährdet werde, müsse der Fahrer verzeigt werden.

Also was tun, wenn die Blase drückt? «Ein Patentrezept gibt es auch von der Polizei nicht», so Rüegg. Er empfiehlt aber, auf harntreibende Flüssigkeiten (z. B. Kaffee, Tee und natürlich Alkohol) zu verzichten und stattdessen stilles Mineralwasser zu trinken. Zudem sei es empfehlenswert, Verkehrsmeldungen im Radio zu verfolgen, um rechtzeitig auf Staus mit Pausen an Raststätten reagieren zu können. Falls es mit dem Verkneifen gar nicht mehr gehe, solle man wenigstens auf dem Pannenstreifen und nicht auf der Überholspur Halt machen, ergänzt Graser.

Ein Urinbeutel soll helfen

Fest steht: Angenehm ist das Warten auf den Toilettengang nicht. Wer dem Problem vorbeugen will, dem bieten sich mehrere Möglichkeiten. Auf Amazon.de gibt es verschiedene Artikel, die das Urinieren im Auto möglich machen sollen. So beispielsweise der EasyPee Stehpinkler oder TravelJohn - der Urinbeutel für unterwegs.

*Name der Redaktion bekannt.

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