Somalia: Piraten haben aufgerüstet
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SomaliaPiraten haben aufgerüstet

Die Piraten am Horn von Afrika haben sich mit stärkerem Aufgebot und gefährlicheren Waffen auf die verstärkte Militärpräsenz eingestellt.

«Die Angriffe haben eine neue Qualität erreicht», sagte der Kommandant der deutschen Fregatte «Mecklenburg-Vorpommern», Kay-Achim Schönbach, dem «Tagesspiegel» (Samstagausgabe). Das Marineschiff patrouilliert seit mehreren Wochen im Zuge der Anti-Terror-Mission Operation Enduring Freedom in dem Seegebiet.

Schönbach sprach von «gegenseitiger Eskalation». Während die Piraten internationale Handelsschiffe noch vor kurzem mit ein bis zwei Booten angegriffen hätten, kämen sie jetzt oft mit dem zwei- bis dreifachen Aufgebot, berichtete der Fregattenkapitän.

Zudem hätten die Seeräuber aufgerüstet: Während sie früher mit leichten Waffen wie Pistolen und Macheten bewaffnet gewesen seien, setzten sie nun auf Panzerfäuste und Kalaschnikow-Maschinengewehre. «Von denen machen die Piraten jetzt sofort Gebrauch», sagte Schönbach. «Das liegt daran, dass die Angreifer für ihre Attacke inzwischen nicht mehr so viel Zeit haben. Sie müssen blitzschnell sein, weil sie immer damit rechnen müssen, dass die Kapitäne der Handelsschiffe per Notruf Hilfe anfordern.»

Identifikationssystem wird abgelauscht

Nach Angaben Schönbachs wird vielen Frachtern am Horn von Afrika vor allem deren Automatisches Identifikationssystem (AIS) zum Verhängnis: Per Transponder werden die wichtigsten Schiffsdaten wie Tonnage, Name, Fracht, aktuelle Position und sogar der Abstand zum eigenen Schiff übermittelt. Offenbar hätten die Piraten Zugriff auf dieses System und seien somit immer bestens im Bilde. Denn anhand der übermittelten Daten liesse sich zuverlässig analysieren, welches Schiff ein lohnendes Ziel darstellt und welche Kriegsschiffe sich in Reichweite befinden. (dapd)

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