Aktualisiert 01.04.2010 10:16

UrheberrechtPiraten haben weiterhin freie Fahrt

RapidShare wehrt sich gegen Vorwürfe, unerlaubt Nutzerdaten gespeichert zu haben. Gleichzeitig scheint das Unternehmen mit der Unterhaltungsindustrie kooperieren zu wollen.

von
Henning Steier
RapidShare ist beliebt, aber umstritten. Bild: Colourbox/Composing

RapidShare ist beliebt, aber umstritten. Bild: Colourbox/Composing

Ob «Ich habe RapidShit ohnehin nie gemocht» oder «Wir hassen dich» - über 200 Nutzer von torrentfreak.com äusserten ihren Unmut in überwiegend aggressiven Kommentaren. Der Grund: Die Seite hatte kürzlich einen Artikel veröffentlicht, in dem zu lesen war, dass RapidShare verstärkt gegen Nutzer vorgehe, die urheberrechtlich geschützte Inhalte auf die Server des One-Click-Hosters hochladen. Torrentfreak wollte eine E-Mail erhalten haben, aus der hervorging, dass RapidShare weitaus mehr Nutzerdaten speichert als bislang bekannt. Allerdings war der Autor und Chefredakteur der Seite, welcher unter dem Pseudonym Ernesto Van Der Sar agiert, auf eine Phishing-E-Mail hereingefallen, wie er einräumte.

Nichtsdestotrotz veröffentlichte RapidShare am Montag auf seiner Webseite eine Mitteilung, in der es hiess: «In den letzten Tagen sorgten E-Mails für Aufregung, die dem Empfänger illegale Aktivitäten unterstellten und behaupteten, RapidShare würde zahlreiche Daten entgegen der geltenden Datenschutzerklärung als Beweismittel sichern. Unter anderem wurde den Empfängern auch geraten, sich einen Anwalt zu nehmen. Diese E-Mails sind gefälscht und stammen nicht von uns. Falls Sie eine solche E-Mail bekommen haben, kontaktieren Sie bitte umgehend unseren Support, da Ihr Premium-Account vermutlich gephisht wurde.» Werde man durch Rechteinhaber darauf aufmerksam gemacht, dass einzelne Kunden offensichtlich wiederholt oder in grossem Umfang Raubkopien über den Service verbreiten, behalte man sich das Recht vor, die betreffenden Accounts fristlos zu kündigen, hiess es weiter.

Raubkopierer bekommen kein Geld zurück

«Die Uploader-IP ist einer Datei zugewiesen und kann auch vom User in seiner Premium-Zone nachgeschaut werden. Wenn viele von Urhebern zur Löschung gemeldete Links zur selben Accountnummer gehören, werden wir aufmerksam. Dabei geht es immer um den Account des Bereitstellers, also des Uploaders. Wir speichern nicht, wer welche Datei herunterlädt», sagte RapidShare-Sprecherin Katharina Scheid im Gespräch mit 20 Minuten Online. Der User werde informiert und der Account gesperrt. Geld bekommt der Inhaber eines jährlich umgerechnet rund 80 Franken kostenden Premium-Konten nicht zurück, weil er gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen verstossen hat. Wie viele Accounts man bisher gesperrt hat, wollte Scheid nicht sagen. Der immer wieder geäusserten Forderung, Filtermechanismen zu integrieren, die das illegale Hochladen geschützter Inhalte verhindern, erteilte die Sprecherin eine Absage: «Wir haben keine Content-Recognition-Technologien im Einsatz, obwohl wir in dieser Hinsicht starkem Druck durch die Industrie ausgesetzt sind. Wir durchsuchen auch nicht nach dem Zufallsprinzip. Wenn ein Account durch Meldungen von Rechteinhabern zur Löschung von Links wiederholt oder in grossem Umfang auffällt, sperren wir ihn.»

RapidShare liegt laut den Analysten von Alexa zurzeit auf Rang 31 der weltweit am meisten besuchten Webseiten. Das Unternehmen mit Sitz in Cham ist aber seit einiger Zeit durch Konkurrenten wie Megaupload und Deposit Files unter Druck geraten. Das soll auch Bobby Chang, Boss von RapidShare, erkannt haben und in einer ebenfalls von torrentfreak.com publik gemachten E-Mail an Chefs von Unternehmen der Unterhaltungsindustrie geschrieben haben: «Einige neue Firmen versuchen verstärkt mit unsauberen Methoden Markanteile zu gewinnen.» An diesem Rennen wolle man sich nicht beteiligen und stattdessen mit der Industrie kooperieren - beispielsweise, indem man User auf legale Online-Shops umleite, wo diese Inhalte kaufen könnten.

Rechtliche Hürden

Allerdings sagte RapidShare-Sprecherin Katharina Scheid gegenüber 20 Minuten Online: «Torrentfreak hat weder mir noch Bobby Chang die im Artikel erwähnte E-Mail gezeigt.» User auf Online-Shops zu verweisen sei nur eine der zahlreichen Möglichkeiten, neue Wege der Zusammenarbeit mit Content-Anbietern zu gehen. «Falls eine Datei vom Urheber als widerrechtlich öffentlich zugänglich gemacht an uns gemeldet wird, mit der Bitte, sie zu löschen, könnten wir hinter diesen Link kann man eine Umleitung schalten. Beim nächsten Mal, wenn die Datei heruntergeladen werden soll, greift die Umleitung», erläuterte die Sprecherin. Eine andere Variante wäre der Aufbau eines eigenen Online-Shops. «Dieser ist allerdings mit zahlreichen Hürden verbunden - beispielsweise ist es sehr schwierig, weltweit Rechte beispielsweise für Musik zu erwerben Die bisherigen Vertriebssysteme sind meist regional orientiert und nicht auf weltweiten Verkauf ausgerichtet. Verhandlungen mit der Unterhaltungsindustrie laufen seit längerem. Welche Variante am Ende dabei herauskommt, ist noch offen», sagte Scheid.

Dem Verdacht, wegen zahlreicher Prozesse in Gesprächen mit Branchenvertretern einen schweren Stand zu haben, trat Scheid entschieden entgegen: «Die Gespräche mit der Industrie sind keineswegs erschwert, weil wir bei ihr keinen Kredit mehr haben.» Seit Anfang 2010 kooperiert RapidShare mit Warner Bros und bietet über das Portal RapidMovies Film-Trailer an. «Ein neues Geschäftsfeld unseres Unternehmens haben wir vergangene Woche bekannt gegeben, indem sich die RapidTainment AG am Kölner Unternehmen UP Web Game beteiligt hat», sagte Scheid. «Es entwickelt unter dem Projektnamen Social Web Game ein neuartiges webbasiertes Spiel. Firmengründer sind Ibrahim Evsan und Thomas Bachem, welche die Videoplattform sevenload aufgebaut haben.»

Insel Schweiz

«Wir würden RapidShare niemals Steine in den Weg legen, falls das Unternehmen ein Geschäftsmodell für den legalen Verkauf geschützter Inhalte entwickelt. Der Schweizer Gesetzgeber sollte unbedingt bei den Anbietern ansetzen und den Download geschützter Inhalte aus illegalen Quellen endlich unter Strafe stellen - wie es in vielen europäischen Ländern mittlerweile der Fall ist», forderte Jan Scharringhausen, Geschäftsführer der Schweizer Vereinigung zur Bekämpfung der Piraterie (SAFE), im Gespräch mit 20 Minuten Online. Denn dann würde beispielsweise One-Click-Hostern wie RapidShare, die mit Premium-Zugängen ihr Geld verdienen, dieser Teil des Geschäftsmodells zerstört. Wie ernst die Lage der Industrie ist, war beispielhaft aus einer Mitteilung der Schweizer Landesgruppe der International Federation Of Producers Of Phonograms Videograms (IFPI) vom Wochenanfang herauszulesen: Der Umsatz mit CDs und anderen physischen Tonträgern sank 2009 im Vergleich zum Vorjahr um etwa 11,7 Prozent auf 144 Millionen Franken. Online legten die Verkäufe um rund 50 Prozent auf knapp 23,7 Millionen Franken zu. Die Zunahme im Onlinemarkt dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass die legalen Online-Verkäufe gemessen am tatsächlichen Musikkonsum über das Internet noch immer viel zu tief seien, hiess es seitens der IFPI.

RapidShare

Viele Nutzer haben grosse Dateien, die Sie gern verbreiten möchten. Da für E-Mail-Anhänge oft Grössenbeschränkungen gelten, werden One-Click-Hoster wie RapidShare immer beliebter. Auf deren Seiten lädt man die Dateien hoch. Anschliessend erhält man einen Link. Nur wer diesen kennt, kann den Download starten. Dazu muss man sich nicht anmelden.

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