Werbeflop: Pistorius ist nicht Nikes erster Rohrkrepierer
Aktualisiert

WerbeflopPistorius ist nicht Nikes erster Rohrkrepierer

Eine «knallige» Kampagne mit Leichtathletik-Star Oscar Pistorius bringt Nike viel Ärger ein. Es ist nicht das erste Problem des US-Sportausrüsters mit einem seiner Aushängeschilder.

von
pbl

Rund 1,5 Millionen Franken hat der südafrikanische Paralympics-Star Oscar Pistorius pro Jahr allein mit Werbung verdient. Sein bekanntester Sponsor heisst Nike. Der US-Sportartikelgigant lancierte 2011 eine Kampagne, in welcher der Sprinter mit seinen Karbon-Prothesen aus den Startblöcken schnellt, ergänzt mit dem Slogan «I am the bullet in the chamber» – Ich bin die Kugel in der Kammer. Nachdem Pistorius seine Freundin Reeva Steenkamp erschossen hat und unter Mordverdacht steht, wirkt der Spruch reichlich makaber.

Bis vor kurzem prangte das Sujet gross auf der Website von Oscar Pistorius. Nun hat sich Nike bemüht, die umstrittene Kampagne schleunigst aus allen Kanälen zu entfernen. Ausserdem veröffentlichte der Konzern eine Mitteilung, in welcher er allen von dem tragischen Vorfall betroffenen Familien sein «tiefstes Mitgefühl und Beileid» bekundete. Und noch ein Werbepartner von Pistorius zog die Konsequenzen: Der südafrikanische Pay-TV-Sender M-Net liess Plakate abhängen, auf denen der «Blade Runner» mit dem doppeldeutigen Spruch «Every Night is Oscar Night» (Jede Nacht ist Oscar-Nacht) für dessen Spielfilm-Angebot Werbung macht.

Paralympics-Sprintstar unter Mordverdacht

Wie Armstrong und Woods

Für Nike ist der Werbeflop peinlich, denn Pistorius ist bereits der dritte Sportstar, der das Unternehmen in die Bredouille bringt. Der des Dopings überführte Radprofi Lance Armstrong war jahrelang ein Aushängeschild von Nike. Gleiches gilt für Golfer Tiger Woods, der mit seinen ausserehelichen Eskapaden für einen Skandal sorgte. Nike reagierte in diesen Fällen unterschiedlich: Armstrong wurde im letzten Herbst fallengelassen, Woods wirbt immer noch für das Unternehmen mit dem Swoosh.

Grund dafür dürfte nicht nur seine Freundschaft mit Nike-Gründer Phil Knight sein. Werbeexperten verweisen darauf, dass Tiger Woods nicht seinen Sport, sondern «nur» seine Ehefrau betrogen hat. Der Schaden für die Marke halte sich deshalb in Grenzen. Andernfalls müsse ein Unternehmen «die Verbindung schnell lösen und weitermachen», sagte Robbie Vorhaus, ein Experte für Firmenreputation, gegenüber CNN. Eine Erfahrung, die diverse Promis machen mussten, wie diese Beispiele zeigen.

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