Aktualisiert 06.07.2016 11:06

Sechs Jahre HaftPistorius muss zurück ins Gefängnis

Ein Gericht in der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria hat den Hausarrest für den wegen Mordes schuldig gesprochenen früheren Sprintstar Oscar Pistorius aufgehoben.

von
bee
Muss zurück ins Gefängnis: Oscar Pistorius während der Anhörung vor Gericht in Pretoria.

Muss zurück ins Gefängnis: Oscar Pistorius während der Anhörung vor Gericht in Pretoria.

AFP/Marco Longari

Der ehemalige südafrikanische Sprintstar Oscar Pistorius muss wegen der Tötung seiner Freundin Reeva Steenkamp für sechs Jahre ins Gefängnis. Das gab Richterin Thokozile Masipa am Mittwoch bekannt. Der unterschenkelamputierte Sportler hatte seine Freundin im Februar 2013 durch die geschlossene Toilettentür seines Hauses in Pretoria erschossen. Pistorius beteuerte stets, Steenkamp für einen Einbrecher gehalten und in Panik gehandelt zu haben.

In erster Instanz wurde er im Oktober 2014 wegen fahrlässiger Tötung zu fünf Jahren Haft verurteilt. Im Dezember kam ein Berufungsgericht aber zu dem Urteil, dass Pistorius mit «krimineller Absicht» gehandelt habe, und sprach ihn des Mordes schuldig. Eine Beschwerde des Sportlers gegen dieses Urteil wurde im März vom Verfassungsgericht zurückgewiesen.

Die Entscheidung über das Schicksal des 29-Jährigen hatte dieselbe Richterin gefällt, die Pistorius in erster Instanz zu fünf Jahren Haft verurteilt hatte.

«Er hat seine Zukunft verloren»

Pistorius war im Oktober – nur ein Jahr nach seiner Verurteilung – aus dem Gefängnis entlassen worden. Unter strengen Auflagen lebte er unter Hausarrest bei einem Onkel. Auch nach der Einstufung der Tat als Mord blieb er auf freiem Fuss. Für die Entscheidung über das Strafmass wurden in einem verkürzten Verfahren in den vergangenen Wochen nochmals Anklage und Verteidigung sowie Zeugen beider Seiten angehört.

Pistorius' Anwalt Barry Roux warb dabei noch einmal nachdrücklich für Milde: Er schilderte Pistorius als einen «gebrochenen Mann», der für seine Tat bereits schwer bestraft worden sei. «Er hat seine Zukunft verloren», sagte der Verteidiger, demzufolge Pistorius unter Depressionen leidet. Pistorius habe «körperlich», sozial und finanziell bezahlt, argumentierte Roux. Um die Verletzlichkeit seines Mandanten zu demonstrieren, liess er Pistorius Mitte Juni ohne Beinprothesen durch den Gerichtssaal humpeln.

Ende des Justizdramas?

Staatsanwalt Gerrie Nel drang in seinem Schlussplädoyer erneut auf eine strenge Auslegung des Strafrechts, also eine Haftstrafe von mindestens 15 Jahren. Pistorius habe nicht nur einmal geschossen, sondern viermal, hob Nel hervor. Dafür habe er keine akzeptable Begründung geliefert. Steenkamps 73-jähriger Vater Barry brach zusammen, als er im Juni vor Gericht forderte, Pistorius müsse «für sein Verbrechen bezahlen».

Die Verkündung des Strafmasses muss noch nicht das Ende des Justizdramas um den einst gefeierten Olympia-Champion sein, dem im Alter von elf Monaten beide Unterschenkel amputiert wurden und der trotzdem bei den Olympischen Spielen in London 2012 als erster Behindertensportler gegen gesunde Athleten antrat. Sowohl Pistorius als auch die Staatsanwaltschaft können noch ein letztes Mal in Berufung gehen.

Pistorius dürfte wohl in den Krankentrakt des Kgosi-Mampuru-Gefängnisses von Pretoria zurückkehren – getrennt von anderen Häftlingen. (bee/sda)

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