Aktualisiert 19.12.2006 17:52

Pitbull-Prozess: Zugedröhnte Angeklagte, arroganter Hundehalter

Die mitangeklagte ehemalige Lebenspartnerin des Hauptangeklagten brach vor dem Gericht unter Koks- und Heroin-Einfluss zusammen. Der Angeklagte schockte die Beobachter mit seiner zur Schau getragenen Arroganz.

Die Angeklagten schockierten mit ihrem Auftritt vor dem Bezirksgericht Zürich. Mit der Befragung des Hundehalters hat am Montag in Zürich der Prozess um die tödliche Pitbull-Attacke auf ein Kind begonnen. Der 42-Jährige trat im schwarzen Pelzmantel, mit gestutztem Vollbart und grau melierter Mähne vor den Richter. Sein Auftreten wirkte insgesamt äusserst arrogant. Der Angeklagte wirkte ungeduldig und war sich keiner wirklichen Schuld bewusst. Von Reue war jedenfalls keine Spur. Vom Kindergarten in der Nähe der Wohnung will er nichts gewusst haben.

Wenig gewusst hat auch die 29-jährige Frau. Sie war gestern nach eigenem Bekunden unter Kokain- und Heroineinfluss vor dem in Zürich tagenden Bezirksgericht Dielsdorf erschienen und bei der Befragung zur Tat nicht mehr zu klaren Aussagen fähig.

«Wenn ich gewusst hätte, dass ein Kindergarten in der Nähe ist, hätte ich die Hunde sicher nicht in den Verschlag gesperrt», sagte der Angeklagte. Damit räumte er ein, gewusst zu haben, dass der improvisierte Unterstand nicht ausbruchsicher war.

Den Vorwurf der fahrlässigen Tötung anerkannte der Angeklagte, da «ja ein Kind gestorben sei». Zum Strafantrag von zweieinhalb Jahren mochte er sich nicht äussern.

Das Kind habe sich so verhalten, wie dies ein Kind eben tue, sagte der Hundehalter. Zuvor hatte er angegeben, es sei ihm nicht bewusst gewesen, dass die jungen Pitbulls eine Gefahr für Dritte bedeuteten. Das hänge immer von der jeweiligen Reaktion des einzelnen Menschen ab, sagte er.

Hunde nicht sozialisiert

Der Angriff der Hunde auf eine Frau mit ihrem kleinen Kind unmittelbar vor der tödlichen Attacke kann sich laut dem Hundehalter nicht so abgespielt haben, wie es in der Anklageschrift geschildert ist. Immerhin räumte er ein, es stimme, dass die Hunde nicht sozialisiert waren.

Die Pitbulls des 42-Jährigen waren am 1. Dezember 2005 in Oberglatt aus einem Verschlag ausgerissen und hatten den sechsjährigen Jungen auf dem Weg zum Kindergarten angegriffen und tödlich verletzt.

Der Prozess am Zürcher Bezirksgericht stiess am ersten Tag auf grosses Interesse und führte zu strengen Sicherheitskontrollen. Jeder einzelne Besucher wurde vor Betreten des Saales minutiös kontrolliert und musste durch eine Sicherheitsschleuse gehen. Den Eingang zum Gerichtssaal sperrte die Polizei mit schweren Gittern ab.

Anklage wegen fahrlässiger Tötung

Vor Gericht stehen drei Personen: Der 42-jährige Halter der Hunde, dessen 29-jährige Freundin und der 39-jährige Mann, bei dem das Paar mit sechs Pitbulls zur Zeit des Unglücks wohnte. Sie sind der fahrlässigen Tötung und der schweren Körperverletzung angeklagt, die Frau zudem der falschen Anschuldigung.

Die Staatsanwaltschaft fordert Strafen von zweieinhalb Jahren Gefängnis unbedingt sowie 16 beziehungsweise 14 Monaten bedingt. Die Anträge der Verteidiger sind noch unbekannt.

(sda)

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