Prostituierten-Mörder: Pizza überführte den Killer
Aktualisiert

Prostituierten-MörderPizza überführte den Killer

Die Polizei von Los Angeles hat nach 25 Jahren einen berüchtigten Serienmörder gefasst – dank einem Stück Pizza und einem umstrittenen DNA-Test.

von
pbl
Polizeiliche Fahndungsbilder des «Grim Sleeper»-Killers

Polizeiliche Fahndungsbilder des «Grim Sleeper»-Killers

Das im Bundesstaat Kalifornien 2008 gegen den Widerstand von Bürgerrechtsgruppen eingeführte «familiäre DNA-Suchprogramm» ermöglicht es den Behörden, in Fällen von grosser Gefahr für die Öffentlichkeit flächendeckende Gentests durchzuführen, um Familienangehörige von Verdächtigen und damit diese selbst zu ermitteln. Nun hat das umstrittene Programm offenbar erstmals zum Erfolg geführt.

Es geht um einen berüchtigten Serienkiller, der seit 1985 in Los Angeles mindestens zehn Frauen umgebracht haben soll, vorwiegend schwarze Prostituierte. Weil er zwischen 1988 und 2002 offenbar nicht aktiv war, wurde ihm der Name «Grim Sleeper» (düsterer Schläfer) verpasst. Die Polizei konnte DNA-Spuren des Täters sicherstellen, ihn aber nicht ermitteln. Ein erster familiärer DNA-Abgleich mit den Insassen der staatlichen Gefängnisse verlief 2008 erfolglos, ein kürzlich erfolgter zweiter Test aber erbrachte eine Übereinstimmung.

Stammbaum von Häftling erstellt

Die Ermittler hätten darauf einen Stammbaum des Gefängnisinsassen erstellt und alle männlichen Verwandten auf mögliche Übereinstimmungen mit dem «Grim Sleeper» überprüft, berichtet die «Los Angeles Times». Die Schlussfolgerungen waren eindeutig: Beim Killer musste es sich um den Vater des Häftlings handeln. Verdeckte Ermittler beschatteten ihn und konnten ein weggeworfenes Stück Pizza sicherstellen. Dieses erbrachte den positiven DNA-Abgleich.

Am Mittwoch verhaftete die Polizei den 57-jährigen Lonnie David Franklin in seinem Haus im Süden von LA. Er hatte einst für die Polizei als Automechaniker und später als Müllmann gearbeitet. Seine Nachbarn schilderten ihn gegenüber der «Los Angeles Times» als sehr zuvorkommenden Menschen, der unter anderem die Autos von älteren Anwohnern gratis repariert hatte. Gleichzeitig soll Franklin mindestens vier frühere Verurteilungen aufweisen, wegen Besitz von gestohlenem Eigentum und wegen tätlichen Angriffen.

Generalstaatsanwalt ist zufrieden

Am Donnerstag soll der mutmassliche Serienkiller angeklagt werden. Für den Generalstaatsanwalt Jerry Brown – Kandidat der demokratischen Partei für den Gouverneursposten von Kalifornien – zeigt der Fahndungserfolg, dass die familiäre DNA-Suche zum Repertoire der Verbrechensbekämpfung gehören muss. Obwohl es sich um eine kontroverse Methode handle, sei sie «in bestimmten Fällen der einzige Weg, um einen gefährlichen Killer zur Strecke zu bringen».

Deine Meinung