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BVK-ProzessPK-Chef schützte Günstlinge mit Lügen

Waren die Freunde des Ex-BVK-Anlagechefs Daniel Gloor in sein Günstlingsnetz aufgenommen, wurden sie mit allen Mitteln verteidigt - auch wenn ihre Arbeit zu wünschen übrig liess.

Der Staatsamwalt forderte bereits im Sommer sechs Jahre Gefängnis für Daniel Gloor.

Der Staatsamwalt forderte bereits im Sommer sechs Jahre Gefängnis für Daniel Gloor.

Am Mittwoch ist am Zürcher Bezirksgericht klar geworden, wie der ehemalige BVK-Anlagechef Daniel Gloor seine Günstlinge schützte: Mit Lügen und Halbwahrheiten schaffte er es, die schlechte Arbeit seiner Freunde zu vertuschen.

Die Bargeld-Couverts, Golfreisen und teuren Mittagessen zeigten Wirkung: Waren Gloors Freunde und Bekannte in sein Günstlingsnetz aufgenommen, wurden sie gemäss Anklage mit allen Mitteln verteidigt - auch wenn ihre Arbeit zu wünschen übrig liess.

Argus wurde von der Kontrolle mehrmals kritisiert

So passierte es etwa beim 47-jährigen ehemaligen Piloten und bei seinem Freund aus Studienzeiten, die sich beide mit Finanzfirmen selbständig machten. Ohne über Referenzen zu verfügen, erhielten sie von der BVK lukrative Vermögensverwaltungs-Mandate.

Sehr erfolgreich waren damit beide nicht. Der Studienfreund etwa konnte während fünf Jahren auf die Aufträge der BVK zählen - arbeitete aber nur ein Jahr lang befriedigend. Die Firma Complementa, welche die BVK-Investitionen kontrollierte, kritisierte die Firma Argus mehrmals und empfahl wegen «durchwegs schlechter Performance» die Vertragsauflösung.

Regierungsrat wurde schriftlich informiert

Selbst der damalige Zürcher Finanzdirektor Hans Hollenstein (CVP) wurde schriftlich über die Probleme mit dieser Firma informiert - unternommen wurde jedoch nichts. Dank Gloors Einsatz für seinen alten Freund wurde der Vertrag mit der schlecht arbeitenden Firma immer wieder verlängert.

Auch bei der Firma DLIP liess Gloor keine Kritik zu, obwohl auch diese hinter den Erwartungen zurückblieb, was auf Kosten der Versicherten ging. Gemäss Staatsanwalt verfasste Gloor 2008 für seinen Kollegen von der DLIP gar ein über 30-seitiges Verteidigungsschreiben, das direkt an die heutige Finanzdirektorin Ursula Gut (FDP) ging, die Nachfolgerin Hollensteins.

Kritiker schlechtgemacht

Dieser Bericht sei voll verwirrender Details und voller Lügen und Halbwahrheiten gewesen, sagte der Staatsanwalt. Zudem habe Gloor Kritiker der Kontrollfirma, die langsam aber sicher Günstlingswirtschaft vermutet hatten, gezielt desavouiert.

Für den Staatsanwalt ist deshalb klar, dass Gloors Freunde von ihrer Beziehung zum Anlagechef direkt profitierten. Für beide Angeklagten forderte er bedingte Freiheitsstrafen. Für den Chef der Argus eine solche von zwei Jahren bedingt bei einer Probezeit von zwei Jahren. Für den Chef der DLIP eine solche von 16 Monaten, ebenfalls bedingt auf zwei Jahre.

Beide bestreiten, Gloor bestochen zu haben und betonten auch am Mittwoch, dass die Zuwendungen immer rein privater Natur gewesen seien. Der Prozess wird am Nachmittag mit den Plädoyers der Anwälte fortgesetzt.

(sda)

6 Gefängnis für Gloor gefordert

Weil er als Beamter jahrelang Bestechungsgelder entgegengenommen hat, soll der Ex-Anlagechef der Pensionskasse BVK, Daniel Gloor zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt werden. Dies forderte der Staatsanwalt bereits im Sommer. Die Staatsanwaltschaft wirft Gloor vor, er habe sich in den Jahren 2000 bis 2010 insgesamt mit knapp 1,7 Millionen Franken bestechen lassen. Durch zu risikoreiche Investitionen habe er ausserdem der BVK einen grossen Schaden zugefügt. Die Urteile werden im Herbst erwartet. (sda)

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