Aktualisiert 28.02.2014 11:11

«Habe einen Fehler gemacht»

Plagiats-Vorwürfe gegen Berner Kantonsarzt

Die Vergangenheit holt den Berner Kantonsarzt Jan von Overbeck ein: Er hat 2005 einen Artikel veröffentlicht – ohne alle Quellen richtig anzugeben.

von
sie/nc
Hat der Berner Vorsteher des Kantonsarztamtes Dr. med. Jan von Overbeck abgeschrieben?

Hat der Berner Vorsteher des Kantonsarztamtes Dr. med. Jan von Overbeck abgeschrieben?

Im Oktober präsentierte der Berner Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud einen neuen Kantonsarzt: Die Wahl fiel auf den 59-jährigen Arzt Jan von Overbeck. Seine Aufgabe ist die Kontrolle von 3000 Ärzten im Kanton sowie die Aufsicht über Epidemien. Doch gemäss Recherchen der «Weltwoche» hat von Overbeck möglicherweise keine weisse Weste.

2005 erschien in «Medinfo», den «Mitteilungen der Lebensversicherer an die Schweizer Ärzteschaft», ein Artikel, den Von Overbeck verfasst hatte. Anscheinend hatte er darin von zwei Walliser Medizinern abgeschrieben – und zwar in nicht unwesentlichem Umfang. Ungefähr 25 Prozent des Textes sollen «unverändert oder nach geringfügigen Änderungen» kopiert worden sein. Die Publikationen der beiden Mediziner erschienen auf Französisch – Von Overbeck «übersetzte» Aussagen der Walliser ins Deutsche; diese wurden dann für die französische «Medinfo»-Ausgabe wieder zurück ins Französische übersetzt.

Tippfehler oder Plagiat?

Obwohl die Aussagen sich durch das mehrmalige Übersetzen veränderten, habe der eine Walliser Arzt sofort erkannt, dass es sich bei dem Artikel um seine Formulierungen handle, die unter einem anderen Namen veröffentlicht wurden. In der Quellenangabe sei er aber nicht erwähnt worden, sondern nur ein Autor mit dem Namen Burchard. Der zweite Arzt, von dem der jetzige Vorsteher des Kantonsarztamtes abgeschrieben haben soll, heisst aber Buchard. Ob es sich dabei um eine Täuschung oder einen Flüchtigkeitsfehler handelt, ist unklar. Hinzu kam, dass Von Overbeck eine Publikation zitierte, bei der er sich nicht bediente, und dafür jene nicht angab, die er verwendete.

Von Overbeck gesteht Fehler ein

«Ja, ich habe einen Fehler gemacht», gab der Kantonsarzt heute Nachmittag an einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz zu. Es habe sich bei der Publikation aber nicht um ein wissenschaftliches Paper gehandelt. «Ich habe die Arbeit unter Druck geschrieben, aber dies macht den Fehler nicht wett», so der Mediziner. Er habe aber schon 2005 Kontakt zu den beiden Ärzten aufgenommen und sich damals bei ihnen entschuldigt. «Für mich hatte sich die Sache damit erledigt», so Von Overbeck.

Regierungsrat Perrenoud sieht keinen Handlungsbedarf

Unangenehm sei, dass jetzt, fast zehn Jahre später, die Sache noch mal aufgerollt werde, meinte Von Overbeck. Regierungsrat Philippe Perrenoud steht trotz den Plagiatsvorwürfen immer noch hinter dem Berner Kantonsarzt und liess an die Medien ausrichten, dass dieser weiterhin sein Vertrauen geniesse. Von Overbeck hat Perrenoud bereits im Dezember über die Sache informiert und transparent erläutert, dass und warum die Fachzeitschrift in einer nicht gezeichneten Kolumne jetzt einen Plagiatsvorwurf gegen ihn erhebt. Er habe seinen Fehler eingestanden.

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