Angespannte Stimmung Bern-Ankara: «Plakat ist geschmacklos und Erdogan dünnhäutig»
Aktualisiert

Angespannte Stimmung Bern-Ankara«Plakat ist geschmacklos und Erdogan dünnhäutig»

Wegen eines Plakats zitiert Erdogan den Schweizer Botschafter. Parlamentarier von links bis rechts verurteilen das Transparent. Doch auch Erdogan steht in der Kritik.

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jen/daw
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Stein des Anstosses: Das Transparent mit der Parole: «Bringt Erdogan mit seinen Waffen um!» Das Plakat passt der Regierung in Ankara nicht in den Kram. (25. März 2017)

Stein des Anstosses: Das Transparent mit der Parole: «Bringt Erdogan mit seinen Waffen um!» Das Plakat passt der Regierung in Ankara nicht in den Kram. (25. März 2017)

Keystone/Peter Klaunzer
Auch bei Schweizer Politikern kommt das Plakat mit dem Porträt des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sowie einer auf ihn gerichtete Pistole nicht gut an. Die grüne Nationalrätin und  Co-Präsidentin der Gruppe für die Beziehungen zum kurdischen Volk Sibel Arslan sagt: ««Das Transparent war unsinnig. Die Veranstaltung stand im Zeichen von Frieden und Demokratie.»

Auch bei Schweizer Politikern kommt das Plakat mit dem Porträt des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sowie einer auf ihn gerichtete Pistole nicht gut an. Die grüne Nationalrätin und Co-Präsidentin der Gruppe für die Beziehungen zum kurdischen Volk Sibel Arslan sagt: ««Das Transparent war unsinnig. Die Veranstaltung stand im Zeichen von Frieden und Demokratie.»

Keystone/Gaetan Bally
Ähnlicher Meinung wie Arslan ist SVP-Nationalrat und Präsident der aussenpolitischen Kommission, Roland Rino Büchel: «Das Plakat ist geschmacklos und eine Katastrophe. Keine Frage.» Dass Erdogan daraus gleich eine Staatsaffäre mache und den Botschafter zitiere, sei jedoch fragwürdig.

Ähnlicher Meinung wie Arslan ist SVP-Nationalrat und Präsident der aussenpolitischen Kommission, Roland Rino Büchel: «Das Plakat ist geschmacklos und eine Katastrophe. Keine Frage.» Dass Erdogan daraus gleich eine Staatsaffäre mache und den Botschafter zitiere, sei jedoch fragwürdig.

Keystone/Peter Klaunzer

Ein Transparent mit der Parole «Bringt Erdogan mit seinen Waffen um!», das am Samstag bei einer Anti-Erdogan-Kundgebung gezeigt wurde, sorgt für einen diplomatischen Knall: Am Sonntagnachmittag musste der Schweizer Botschafter in der Türkei, Walter Haffner, im türkischen Aussenministerium antraben.

Wut bei Schweizer Erdogan-Sympathisanten

Zudem sollen die Schweizer Behörden eine Untersuchung einleiten und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Inzwischen ermittelt die Berner Staatsanwaltschaft wegen Aufrufs zur Gewalt.

Wütend sind Erdogan-Anhänger in der Schweiz: «Die Meinungsfreiheit hat Grenzen. Ich hoffe, dass die Organisatoren bestraft werden», sagt Kaan Sahin (26). Der AKP-Sympathisant fühlt sich auf seinem Weg bestätigt: «Das geschmacklose Plakat zeigt mir, dass ich auf der richtigen Seite stehe.» Erdogan habe den Botschafter zu Recht einbestellt: «Er wird von allen Seiten beschossen und wehrt sich auf diplomatischer Ebene.»

«Das Transparent war unsinnig»

Auch bei Schweizer Politikern gibt die Staatsaffäre zu reden. Sibel Arslan, Grünen-Nationalrätin und Co-Präsidentin der Gruppe für die Beziehungen zum kurdischen Volk, hielt am Anlass eine Rede. Zum Plakat, das eine auf Erdogan gerichtete Pistole zeigt, sagt sie: «Das Transparent war unsinnig. Die Veranstaltung stand im Zeichen von Frieden und Demokratie.»

Bereits im Vorfeld habe das Organisationskomitee mit der für das Transparent verantwortlichen Gruppe, der linksautonomen Antifa, das Gespräch gesucht und ihr gesagt, dass man eine Demonstration «ohne Provokationen» wolle. «Es ist schade, dass es trotzdem passiert ist», sagt die Politikerin mit türkischen Wurzeln.

«Erdogan ist sehr dünnhäutig»

Aber nicht nur die Transparent-Aktion bedauert Arslan: «Es trägt nicht zu einer deeskalierenden Haltung bei, wenn die türkische Regierung nun behauptet, das Plakat habe im Schweizer Parlament gehangen.» Das war nicht der Fall.

Auch Roland Rino Büchel, SVP-Nationalrat und Präsident der Aussenpolitischen Kommission, sagt: «Das Plakat ist geschmacklos und eine Katastrophe. Keine Frage.» Dass Erdogan daraus gleich eine Staatsaffäre mache und den Botschafter zitiere, sei jedoch fragwürdig: «Vor wenigen Tagen hat er noch die Meinungsäusserungsfreiheit in Europa eingefordert. Selbst ist er aber sehr dünnhäutig, wie er schon des Öfteren bewiesen hat.»

«Alle Arten des Kampfes sind legitim»

Mittlerweile hat auch die «Revolutionäre Jugend Bern» auf ihrer Facebookseite ein Statement zum Transparent veröffentlicht: «Wir stehen hinter diesem Transparent», heisst es.

«Die Menschen in der Türkei können weder in Sicherheit noch frei wählen. In dieser Zeit, in der alle Leute, die Nein sagen, zu Terroristen erklärt werden, sind alle Arten des Kampfes legitim, um gegen den Diktator Erdogan vorzugehen.»

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