Zürich: Plakate gegen Anonymität
Aktualisiert

ZürichPlakate gegen Anonymität

«Ihr Nachbar würde gerne mit Ihnen plaudern» - das steht auf tausend Plakaten, die in der Nacht auf gestern wild an Zürcher Haltestellen aufgehängt wurden.

von
David Torcasso

Die Pendler staunten gestern Morgen nicht schlecht, als sie an den Zürcher Bahnhöfen und Tramhaltestellen überall grüne Plakate mit dem Slogan «Ihr Nachbar würde gerne mit Ihnen plaudern» entdeckten.

Hinter der Aktion steht eine Gruppe, die sich Die plaudernden Nachbarn nennt. Die Initianten möchten anonym bleiben, um nicht wegen illegalen Plakatierens belangt werden zu können. Ihr Team umfasse rund 15 Personen, diese hätten in der Nacht auf gestern 1000 Plakate aufgehängt, hiess es auf Anfrage von 20 Minuten. Mit dem Aufruf an die Bevölkerung, mehr mit den Nachbarn zu plaudern, möchten die Aktivisten zu offener Kommunikation aufrufen: «Urbanität bedeutet nicht notwendigerweise Anonymität.» Mit alltäglicher Kommunikation könnten Vorurteile abgebaut werden.

Möglicherweise würden sie künftig weitere Aktionen durchführen, so «Die plaudernden Nachbarn». Zahlreiche Plakate hingen bei Haltestellen Der VBZ. Sprecherin Daniela Tobler sagt: «Der Slogan klingt zwar gut, aber Wildplakatieren ist halt verboten.» Die Plakate würden entfernt.

Plaudern Sie gerne mit wildfremden Menschen?

Manuel Schwager (26), Aadorf

Ich finde die Aktion sehr gut. Leider habe ich selbst noch nie jemanden auf der Stras­se oder bei der Bushaltestelle angesprochen. Es gibt so viele interessante Menschen zum Kennenlernen.

Luana Schlepfer (20), Winterthur

Letzthin habe ich mit meiner Mutter einer Frau mit einem Kinderwagen in den Bus geholfen. Dann kamen wir ins Gespräch und das war sehr freundlich. Man sollte das mehr tun, einfach mit Leuten reden.

Jacky Horisberger (20), Wetzikon

Ich rede eigentlich kaum mit Leuten, wenn ich mit den ÖV unterwegs bin. Ich höre nach der Arbeit lieber Musik und verweile ein bisschen in meiner eigenen Welt. Aber im Ausgang ist das natürlich anders.

Saskia Böhm (20), Bubikon

Ich habe schon ein paarmal mit fremden Leuten im Zug geredet. Meistens sind das aber Leute in meinem Alter. Ich hatte auch schon sechs Monate einen Freund, mit dem ich im Zug ins Gespräch gekommen war.

Philipp Soldo (18), Uster

Nach der Arbeit rede ich nicht gerne mit wildfremden Leuten. Aber am Wochenende, wenn ich vielleicht noch etwas getrunken habe, bin ich viel offener zu Leuten. Aber am liebsten spreche ich natürlich Frauen an.

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