01.09.2017 15:12

Doch keine SensationPlastik verdauende Raupe verdaut gar kein Plastik

Vier Monate glaubten Forscher, mithilfe der Raupen der Grossen Wachsmotte unser Müllproblem meistern zu können. Nun hat sich die Hoffnung zerschlagen.

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Die Raupen der Mottenart Galleria mellonella fressen den Kunststoff Polyethylen (PE) nicht nur, sondern verdauen ihn auch. Zu diesem Schluss kamen im April 2017 Forscher um Paolo Bombelli von der Universidad de Cantabria in Spanien.

Die Raupen der Mottenart Galleria mellonella fressen den Kunststoff Polyethylen (PE) nicht nur, sondern verdauen ihn auch. Zu diesem Schluss kamen im April 2017 Forscher um Paolo Bombelli von der Universidad de Cantabria in Spanien.

Wikimedia Commons/PD
Die sensationelle Entdeckung schürte sofort Hoffnungen, dass das globale Plastik-Problem dank den gefrässigen Insekten doch noch in den Griff zu bekommen sei. Doch die Freude währte nur kurz. (Im Bild: der Strand der unbewohnten Henderson Island, der mit 37 Mio Plastikteilen zugemüllt ist)

Die sensationelle Entdeckung schürte sofort Hoffnungen, dass das globale Plastik-Problem dank den gefrässigen Insekten doch noch in den Griff zu bekommen sei. Doch die Freude währte nur kurz. (Im Bild: der Strand der unbewohnten Henderson Island, der mit 37 Mio Plastikteilen zugemüllt ist)

Jennifer Lavers/University of Tasmania
Die Erkenntnisse der Spanier hielten einer Überprüfung von deutschen Forschern nicht stand. Es wurden keinerlei Hinweise gefunden, dass die Raupen das Plastik verdauen. Alles deute darauf hin, dass das Plastik lediglich in kleineren Stücken, aber chemisch unverändert ausgeschieden werde.

Die Erkenntnisse der Spanier hielten einer Überprüfung von deutschen Forschern nicht stand. Es wurden keinerlei Hinweise gefunden, dass die Raupen das Plastik verdauen. Alles deute darauf hin, dass das Plastik lediglich in kleineren Stücken, aber chemisch unverändert ausgeschieden werde.

Carina Weber/Stefan Pusch/JGU

Die Meldung der spanischen Forscher ging um die Welt: Die Raupen der Grossen Wachsmotte (Galleria mellonella) fressen den Kunststoff Polyethylen (PE) nicht nur, sondern verdauen ihn auch. Der Kunststoff wird überwiegend für Verpackungen und Plastiksäcke eingesetzt und gilt als biologisch kaum abbaubar.

Wegen der hohen Zersetzungsgeschwindigkeit habe der Fund «Potenzial für bedeutende biotechnologische Anwendungen», schrieb das Team um Paolo Bombelli im April 2017 im Fachjournal «Current Biology».

Keinerlei Hinweise

Doch die Freude währte nur kurz, denn die von den Spaniern veröffentlichten Erkenntnisse hielten einer Überprüfung nicht stand.

Zwar sei unumstritten, dass die Tiere das Plastik fressen würden, so das Team um Till Opatz von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Allerdings hätten sie keinerlei Hinweise darauf gefunden, dass die Raupen das Plastik wirklich verdauen, teilt die deutsche Hochschule mit. Alles deute darauf hin, dass das Plastik lediglich in kleineren Stücken, aber chemisch unverändert ausgeschieden werde.

Keine Zeit für weitere Nachforschungen

Mit den neuen Ergebnissen konfrontiert, reagierten die spanischen Forscher zunächst nicht. Erst als Opatz' Team seine Resultate in einem Fachjournal veröffentlichte, antworteten sie – ebenfalls in einem Fachmagazin.

Darin weisen die Spanier darauf hin, dass die Abbauprodukte der Raupenverdauung weiterer Nachforschungen bedürfen. Das hätte aber den Rahmen ihrer Studie gesprengt.

Wunsch nach Sensationsmeldungen

Opatz scheint das als Ausrede zu werten: So habe die Durchführung der entsprechenden Experimente und das Verfassen der Gegendarstellung sein Team nur vier Tage gekostet, sagte er dem Südwestrundfunk.

Weiter äusserte er Kritik an dem «zunehmenden Druck in der Wissenschaft», der Forscher dazu bringe, Sensationsmeldungen zu schaffen, um Forschungsgelder zu erhalten. Dabei sei Wissenschaft oft «nicht sensationell, sondern unglaublich langweilig».

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