Strahlenschutz: Plastiksäcke und Klebeband
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StrahlenschutzPlastiksäcke und Klebeband

Ein Mitarbeiter des Kraftwerks Fukushima schilderte in einem Interview die schwierigen Bedingungen im Inneren der strahlenverseuchten Anlage.

von
ast
Mangelware Schutzstiefel: Arbeiter schützen sich mit Plastiksäcken und Klebeband.

Mangelware Schutzstiefel: Arbeiter schützen sich mit Plastiksäcken und Klebeband.

Es gebe nicht genügend Schutzstiefel, die Arbeiter dort über ihre Schuhe ziehen, sagte der Mitarbeiter, der seinen Namen nicht nennen wollte, der Zeitung «Mainichi». Stattdessen würden sie nun Plastiktüten nehmen und mit Klebeband sichern.

Nicht nur Stiefel sind Mangelware

«Vollständige Ausrüstung ist schon seit längerem Mangelware», sagte der Arbeiter weiter. Ausserdem gebe es zu wenige Dosimeter, um die individuelle Strahlenbelastung zu messen. Er sei mehrere Tage ohne eines auf dem Gelände unterwegs gewesen. Nur die Teamleiter hätten ein Dosimeter auf sich gehabt.

Immerhin habe er während der gesamte Zeit eine Schutzmaske getragen. Allerdings seien die Arbeiten mit der Schutzmaske und -Anzug anstrengend: «Durch die Maske und andere Ausrüstung ist es mühsam, sich zu bewegen. Manchmal rutschte mir meine Maske teilweise vom Gesicht.» Arbeiten, die normalerweise drei oder vier Stunden dauerten, würden nun mehrere Tage in Anspruch nehmen.

Angehörige wussten von nichts

Seine Angehörigen habe er nicht darüber informiert, als er nach Fukushima gegangen sei. «Ich dachte, das würde sie nur beunruhigen. Also habe ich nichts gesagt.» Immerhin wisse ein Freund von seinem Aufenthaltsort. «Ich sagte ihm: Wenn ich in zwei Wochen nicht zurück bin, lass es bitte meine Eltern wissen.»

Unter den Arbeitern herrsche grosse Einigkeit, dass die Mission beendet werden müsse. Man werde bleiben, bis die Arbeiten erledigt seien. Die Arbeiter wüssten, dass es sonst niemand gebe, der den gefährlichen Job machen werde. Deshalb habe er Verständnis für die zwei Arbeiter, die mit radioaktiven Wasser begossen wurden und weiterarbeiteten - obwohl das Dosimeter Alarm schlug.

Furcht vor Langzeitfolgen

Auf dem gesamten Gelände lägen tote Fische, die der Tsunami mitgerissen habe. Selbst angespülte Haie seien rund um das AKW zu sehen. Aasfressende Vögel kreisten über den Kadavern. «Zusammen mit dem Atemgeräusch der Gasmasken und dem Schutzanzug war es eine surreale Szenerie», sagte der Mann.

Nach Beendigung seines Einsatzes ist der Mann nach Tokio zurückgekehrt. An seinem letzten Tag sei er eingehenend medizinisch untersucht worden. Die Testergebnisse seien beruhigend ausgefallen. Aber, so sagte der Japaner: «Ich fühle mich wegen der Langzeitfolgen nicht wohl.»

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