Sexismus-Debatte: Platz 5 in den Charts – doch Schweizer Radios machen einen Bogen um «Layla»

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Sexismus-DebattePlatz 5 in den Charts – doch Schweizer Radios machen einen Bogen um «Layla»

In Deutschland löste der Song «Layla» von DJ Robin und Schürze eine Sexismus-Debatte aus. Radio Schlager spielt den Song erst ab 22 Uhr. Wie sieht es in der Schweiz aus?

von
Katrin Ofner
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Mit «Layla» sorgen DJ Robin und Schürze aktuell für Diskussionen in Deutschland.

Mit «Layla» sorgen DJ Robin und Schürze aktuell für Diskussionen in Deutschland.

Instagram/djrobin1996
Der Songtext – «Sie ist schöner, jünger, geiler» – sei sexistisch.

Der Songtext – «Sie ist schöner, jünger, geiler» – sei sexistisch.

Instagram/djrobin1996
In Deutschland löst dies eine weitreichende Diskussion aus. So weitreichend, dass sich nun sogar Wirte des Oktoberfests eingeschaltet haben.

In Deutschland löst dies eine weitreichende Diskussion aus. So weitreichend, dass sich nun sogar Wirte des Oktoberfests eingeschaltet haben.

imago images/Zoonar

Darum gehts

  • Der Song «Layla» sorgt in Deutschland aktuell für reichlich Diskussionsstoff.

  • Der Vorwurf: Sein Text – «Sie ist schöner, jünger, geiler» – sei sexistisch.

  • Der deutsche Radiosender Radio Schlager hat den Ballermann-Hit bereits in die Nachtstunden verschoben und spielt ihn nur mehr ab 22 Uhr.

  • Und wie sieht es in der Schweiz aus, wo der Track aktuell auf dem fünften Platz der Charts liegt?

  • «Wie bei vielen anderen Songs werden wir auch diesen Song in der Hitparade kurz anspielen, aber nicht in ganzer Länge ausspielen», sagt Michael Schuler, Leiter Fachredaktion Musik bei SRF, zu 20 Minuten. Generell sei der Song «in keiner Playlist der verschiedenen SRF-Radios».

  • Auch bei Radio 24 ist er nicht zu hören. Dies liegt an der musikalischen Ausrichtung des Senders. 

Es ist wohl der aktuell am meisten diskutierte Song: «Layla» von DJ Robin und Schürze. Darin wird Layla als «Puffmama» besungen, die «schöner, jünger, geiler» sei. In Düsseldorf und Würzburg bekam der Song Volksfest-Verbot, am Münchner Oktoberfest weigern sich die Wirte, ihn zu spielen, und auf dem deutschen Radiosender Radio Schlager ist der Ballermann-Hit sogar nur noch ab 22 Uhr zu hören. Und das, obwohl der Track aktuell auf Platz eins der deutschen Charts steht.

Und wie stehen heimische Radiosender zum Song? Wird «Layla» trotz der Debatte im Nachbarland zu hören sein? Wohl eher nicht. «Der Song ist in keiner Playlist der verschiedenen SRF-Radios, da er nicht ins Programm von SRF 1, SRF 3 und SRF Virus passt», sagt Michael Schuler, Leiter Fachredaktion Musik bei SRF, zu 20 Minuten. Zwar würden Songs aus dem Genre «Schlager» ohnehin vorwiegend nur bei der SRF Musikwelle stattfinden, doch selbst dort werde man «Layla» nicht zu hören bekommen. Der Song sei eine Art von «Pop-Schlager» und passe daher nicht ins Profil.

Bei den Privatradios sucht man «Layla» grossteils vergebens. «Kein grosses Schweizer Radio hat den Song bisher gespielt», verrät Andy Studer, Leitung Musikredaktionen und Act Relations bei Energy. Lediglich beim PowerUp-Radio sei der Song drei Mal gespielt worden. Bei Energy selbst ist der Song nicht im Programm. «Wir spielen ihn nicht und haben es auch nicht vor.» Dies liege jedoch nicht am Genre «Ballermann», sondern am schnellen Hype. «‹Layla› ist jetzt schnell in den Charts und passt zur Festivalsaison. Doch wie bei vielen solcher Songs: Wenn der Wirbel weg ist, hört man nie wieder etwas von dem Lied», so Studer. 

Wie findest du den Song «Layla»?

«Wir spielen ihn nicht in ganzer Länge aus»

Aufgrund der musikalischen Ausrichtung von Radio 24 seien Ballermann-Songs auf ihrem Sender nie zu hören, erklärt Florian Wanner, Leiter Radio CH Media – und macht klar: «Da Ballermann-Hits, mit welchen Songtexten auch immer, stark polarisieren, spielen wir sie entsprechend nicht.» Er selbst könne die Diskussion aufgrund des Songtextes nachvollziehen, ein behördliches Verbot für die Radioausstrahlung von «Layla» sei für ihn jedoch fraglich.

Denn: «Um einen Song komplett unzugänglich zu machen, müssten unter anderem auch weitere Musikverbreiter wie Musikstreamingdienste oder Plattformen wie Youtube miteinbezogen werden», so Wanner. Bei der Auswahl neu erschienener Songs beurteile die Musikredaktion von Radio 24 stets nach klar vordefinierten Qualitätskriterien, zu welchen die genaue Prüfung der Aussagen im Songtext dazugehöre. 

In der Schweiz befindet sich der Ballermann-Hit aktuell übrigens auf dem fünften Chartplatz. Da stellt sich die Frage, ob der Song dann zumindest in den Hitparaden zu hören sein wird. Laut Schuler vom SRF wird man «Layla» in der Radiosendung «Hitparade» auf SRF 3 zwar nicht ganz ignorieren, doch «wie bei vielen anderen Songs werden wir auch diesen Song in der Hitparade kurz und nicht in ganzer Länge ausspielen».

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, aufgrund der Geschlechtsidentität diskriminiert? 

Hier findest du Hilfe:

Gleichstellungsgesetz.ch, Datenbank der Fälle aus Deutschschweizer Kantonen

Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann

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