«Time-out»: Playouts? Nicht für dieses Zug und Davos

Aktualisiert

«Time-out»Playouts? Nicht für dieses Zug und Davos

Zug und der HCD werden noch über den Strich klettern. Die Zuger haben zwar gegen Davos 2:3 n.V. verloren - aber dafür die Lösung für ihr notorisches Goalie-Problem in Sicht.

von
Klaus Zaugg

Mit Joe Thornton und Rick Nash bleiben die Davoser unbesiegt. Sie haben erst drei Partien vom Anfang bis zum Schluss mit den beiden Kanadiern gespielt – und alle gewonnen: 9:2 gegen die Lakers, 3:2 n.P. gegen die SCL Tigers und nun 3:2 n.V. in Zug. Zwischen dem Sieg gegen Langnau und dem Erfolg in Zug verlor der HCD ohne Rick Nash vier von fünf Partien. Nash hatte sich im Spiel in Lugano eine Schulterprellung zugezogen.

Die finalen Sekunden in Zug boten grosses Hockeykino: Dario Bürgler setzt sich gegen Zugs NHL-Verteidiger Rafael Diaz durch, Torhüter Sandro Zurkirchen wehrt grandios ab, die Schiedsrichter zeigen eine Strafe an, das Spiel läuft weiter, aber die Gefahr scheint vorerst gebannt. Da trifft Reto von Arx aus spitzem Winkel mit einem Kunstschuss doch noch zum Siegestreffer ins Netz.

HCD-Gefüge bröckelt

Dass es überhaupt zu dieser Verlängerung gekommen ist, verdanken die Davoser ihrem Goalie Leonardo Genoni, dem Glück des Tüchtigen, den Toren von Joe Thornton und Rick Nash und einem immer noch funktionierenden System. Aber der HCD hat nicht mehr genug begabte Musikanten, um fehlerfreie Hockey-Sinfonien zu spielen. Das Leistungsgefälle zwischen den Besten und den Durchschnittlichen ist grösser als je in den letzten zehn Jahren. Typisch dafür: Sven Ryser, der hüftsteife Haudegen mit den hölzernen Händen (192 cm/90 kg) kommt in gute Abschlussposition. Die Aktion endet mit einem Foul am Goalie und zwei Minuten (17.).

Zu viele Dorfmusikanten stehen im Team, denen die feinen Hände fürs hochentwickelte Spiel fehlen. Und das bringt den HCD immer wieder in Not. Mit Mühe und Not, mit Mut und Zähigkeit und nach wie vor gut organisiert wehrten sich die Davoser gegen die schnellen, bissigen Zuger. Aber sie mussten immer wieder unerlaubte Mittel zu Hilfe nehmen (Strafenverhältnis 4:16 Minuten) und Zug hätte eigentlich die Partie vor der Verlängerung entscheiden können. Entscheiden müssen.

Die Geniestreiche des RvA

Doch am Ende siegt doch der HCD. Es reicht Reto von Arx zwar nicht mehr, um Abend für Abend ein ganzes Spiel zu dominieren. Er zahlt jetzt, im Alter, die Rechnung für 16 Jahre generösen Einsatz. Er muss das Training dosieren und seine Knie wegen der Gefahr von Knorpelschäden ein wenig schonen. Aber er ist immer noch da. Ein «ewiger Spieler» und hie und da blitzt seine Klasse auf und dann ist er für ein paar Augenblicke nach wie vor der schlauste und beste Einzelspieler der Liga. So wie in Zug. Nur einer mit der Erfahrung, der Technik, der Leidenschaft und der Schlauheit des 36jährigen Emmentalers vermag aus dieser Situation heraus dieses 3:2 in der Verlängerung zu erzielen. Trotz Joe Thornton und Rick Nash: Noch immer ist Reto von Arx der Leitwolf des HCD.

Dieses intensive, dramatische Spiel hat gezeigt: Der HCD hat viel von seiner spielerischen Leichtigkeit des Seins verloren. Die Davoser müssen für jeden Punkt härter arbeiten als letzte Saison. Aber sie sind dazu in der Lage, Eishockey nicht nur zu spielen, sondern auch zu arbeiten. Sie werden die Playoffs erreichen.

Im letzten Frühjahr belegten Zug und Davos die Plätze 1 und 2 in der Qualifikation. Nun spielen beide um den 8. und letzten Playoffplatz. Aus einem Spitzenspiel ist ein «Strichkampf» geworden und noch selten war ein «Strichkampf» so hochklassig. Wenn Zug und Davos noch über den Strich kommen und wenn sich Servette und die Lakers für die Playoffs qualifizieren (Servette wird die Playoffs schaffen), dann müssen zwei Teams in die Playouts, die letzte Saison Playoffs gespielt haben. Die Kloten Flyers und Biel sind in diesem Fall die heissen Kandidaten.

«Fürchterliches Powerplay»

Für Zug ist das 2:3 n.V. gegen den HCD die bitterste Niederlage der Saison. Josh Holden sprach von einem «fürchterlichen Powerplay» seines Teams – und das war entscheidend. Der HCD war bei nummerischem Gleichstand fast nicht zu packen und die Zuger hatten genug Gelegenheiten, die Entscheidung im Powerplay herbeizuführen. Trotzdem stehen die Chancen gut, dass die Krise bald überwunden ist: Die Mannschaft hat immerhin zum dritten Mal in Serie gepunktet und gute Aussichten auf Besserung. Am nächsten Dienstag debütiert in Mannheim beim Spiel um die European Trophy der schwedische Weltstar Henrik Zetterberg und am Freitag in einer Woche wird er in der NLA gegen die SCL Tigers erstmals in Zug spielen. Ab Samstag sind Zetterberg-T-Shirts und Schals erhältlich, die Spielertrikots mit dem Jahrhunderttransfer sind in Auftrag gegeben.

Eines ist sicher: Mit Henrik Zettberg wird das Powerplay besser werden. Zug ist kein Playout-Kandidat. Und ganz nebenbei zeichnet sich die Lösung eines Problems ab: Sandro Zurkirchen hat bei vier der letzten fünf Einsätzen mehr als 92 Prozent der Schüsse abgewehrt (Kloten/95,00 Prozent, Biel/92,59 Prozent, Bern/96,77 Prozent und Fribourg/93,44 Prozent). Gegen den HCD waren es zwar nur 83,33 Prozent. Aber er hielt wie ein Nationalgoalie. Die Partie verloren die Zuger bei einem Torschussverhältnis von 38:18 (!) in der Offensive.

Immer mehr zeigt sich: Sandro Zurkirchen hat das Talent, den Stil und die mentale Unzerstörbarkeit, um eine Nummer 1 in der NLA zu sein. Dann braucht der EVZ für nächste Saison keinen ausländischen Goalie, keine halbe Million, um Reto Berra von Biel wegzulocken, keine halbe Million, um Thomas Bäumle von Langnau nach Zug zu transferieren, und keine halbe Million, um Robert Maier (zurzeit in Montreals Farmteam-System) nach sechs Jahren Nordamerika in die NLA zurückzuholen. Die Lösung für Zugs notorisches Torhüterproblem kann Sandro Zurkirchen heissen.

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