16.07.2017 21:51

Mutterkuchen mit NebenwirkungenPlazenta essen kann lebensgefährlich sein

Früher wurde er nach der Geburt entsorgt, heute wird der Mutterkuchen auch gegessen. Doch so gesund, wie oft behauptet wird, ist das gar nicht – im Gegenteil.

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Die Plazenta besteht aus mütterlichem und embryonalem Gewebe und schützt den Fötus vor schädlichen Keimen oder Chemikalien wie Schwermetallen. Zudem versorgt der sogenannte Mutterkuchen das Ungeborene mit Sauerstoff und Nährstoffen.

Die Plazenta besteht aus mütterlichem und embryonalem Gewebe und schützt den Fötus vor schädlichen Keimen oder Chemikalien wie Schwermetallen. Zudem versorgt der sogenannte Mutterkuchen das Ungeborene mit Sauerstoff und Nährstoffen.

PLoS Biology/Wei Hsu & Shang-Yi Chiu/CC BY 2.5
Aufgrund ihrer lebenswichtigen Funktionen geniesst die sogenannte Nachgeburt mittlerweile Kultstatus. In den sozialen Medien tauchen sowohl gestrickte Versionen ...

Aufgrund ihrer lebenswichtigen Funktionen geniesst die sogenannte Nachgeburt mittlerweile Kultstatus. In den sozialen Medien tauchen sowohl gestrickte Versionen ...

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... als auch aus völlig gewöhnlichen Zutaten hergestellte Nachahmungen auf. (Im Bild: Ein von angehenden Hebammen nach dem Vorbild einer Plazenta geformter Kuchen)

... als auch aus völlig gewöhnlichen Zutaten hergestellte Nachahmungen auf. (Im Bild: Ein von angehenden Hebammen nach dem Vorbild einer Plazenta geformter Kuchen)

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Kim Kardashian hat es getan, Monica Ivancan, Ex-Freundin von Oliver Pocher, ebenfalls. Selbst Tom Cruise soll nach der Geburt von Töchterchen Suri von der Plazenta gekostet haben. Schliesslich soll sie gesund sein (siehe Box).

Der Mutterkuchen, wie die Nachgeburt auch genannt wird, landet in Kapseln, Pfannen, Töpfen, Mixern und sogar im Backofen (siehe Bildstrecke). Sogar Starkoch Jamie Oliver ist auf den gewöhnungsbedürftigen Trend aufgesprungen und hat eine Menge Rezepte kreiert.

Zweimal knapp am Tod vorbei

Doch Forscher der US-Gesundheitsbehörde CDC warnen nun: Der Verzehr der Plazenta durch die Mutter kann fürs Neugeborene lebensgefährlich sein, wie der Fall eines im September 2016 geborenen und zunächst kerngesunden Babys zeigt.

Nach wenigen Tagen musste es mit schweren Atemproblemen auf die Intensivstation verlegt werden. Die Diagnose lautete: Blutvergiftung, ausgelöst durch B-Streptokokken (Streptococcus agalactiae). Und das, obwohl ein Abstrich während der Schwangerschaft gezeigt hatte, dass der Geburtskanal der werdenden Mutter frei war. Im Mutterleib hatte sich das Kleine also nicht anstecken können.

Zwar durfte das Kind dank Antibiotika nach elf Tagen nach Hause. Aber schon wenige Tage später musste es wieder ins Spital: Die Infektion war erneut ausgebrochen.

Erhitzen ist wichtig

Nachforschungen der behandelnden Ärzte zeigten, dass die Ursache in der Plazenta zu suchen ist, welche die Mutter nach der Geburt mit nach Hause genommen und von einer darauf spezialisierten Firma zu Kapseln hatte verarbeiten lassen. Diese hatte sie dann den Verzehrempfehlungen entsprechend zu sich genommen.

Eine Analyse der Plazenta-Pillen zeigte, dass sich aktive B-Streptokokken darin befanden. Wahrscheinlich hatte die Firma die Plazenta nur unzureichend erhitzt, sodass die Keime nicht abgetötet wurden und über die Muttermilch ins Kind gelangten.

Deshalb warnt die US-Gesundheitsbehörde nun davor, die Nachgeburt einfach zu essen, denn neben B-Streptokokken kann die Plazenta auch Schwermetalle, Bakterien und andere Viren enthalten, die sowohl der Mutter als auch dem Kind schaden können. Und nicht immer endet das so glimpflich wie im beschriebenen Fall.

Wirklich wirksam oder einfach Quatsch?

Im Mutterleib wirkt die Plazenta wie eine Barriere, die das Ungeborene vor schädlichen Keimen oder Chemikalien wie Schwermetallen schützt. Nach der Geburt soll sie durch den Verzehr bei den Müttern die Milchproduktion ankurbeln und das Risiko einer Wochenbettdepression reduzieren. Zudem wird ihr nachgesagt, das Immunsystem zu stärken. Wissenschaftlich bewiesen ist das nicht. 2015 kamen Forscher der Northwestern University in Chicago nach der Auswertung aller zum Plazenta-Verzehr existierenden Studien zu dem Schluss: «Keine der wenigen Untersuchungen lässt Schlüsse zu, die sich auf die menschliche Gesundheit beziehen.» Lediglich eine Arbeit aus dem Jahr 1954 weise auf einen positiven Zusammenhang zwischen Plazentamahl und Milchproduktion hin. Allerdings, so die Forscher, genüge sie bei Weitem nicht heutigen wissenschaftlichen Standards.

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