Aktualisiert 02.11.2011 11:50

MF Global

Pleite-Manager vergriffen sich an Kundengeldern

MF Global war ein Schwergewicht unter den Wertpapierhändlern, jetzt ist das Finanzinstitut pleite und 700 Millionen Dollar Kundengelder sind verschwunden.

MF Global etwa hatte auf eigene Rechnung in grossem Stil auf eine rasche Erholung der Eurozone gewettet und sich dabei verspekuliert.

MF Global etwa hatte auf eigene Rechnung in grossem Stil auf eine rasche Erholung der Eurozone gewettet und sich dabei verspekuliert.

Der Fall des zusammengebrochenen US- Wertpapierhändlers MF Global wirft die Frage auf, ob das Management sich in seiner Not an den Geldern seiner Kunden vergriffen hat. Das könnte das Vertrauen in die gesamte Branche erschüttern.

Die Vermutungen über unsaubere Praktiken bei der Pleitefirma MF Global scheinen sich zu bestätigen: Der zusammengebrochene US- Wertpapierhändler hat nach einem Bericht des «Wall Street Journal» tatsächlich Gelder seiner Kunden abgezweigt.

Das habe die Finanzfirma gegenüber den Aufsichtsbehörden eingeräumt, berichtete die Zeitung am Dienstag unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Beamten. Allerdings sei weiterhin unklar, wohin das Geld geflossen, wer das Vorgehen angeordnet und wie verbreitet die Praxis gewesen sei.

700 Millionen Dollar weg

Die US-Börsenaufsichtsbehörden SEC und CTFC hatten mitgeteilt, dass sie «Unregelmässigkeiten» prüfen würden. US-Medien hatten zuvor von annähernd 700 Mio. Dollar berichtet, die auf Kundenkonten fehlten. Als Ursache der Lücke war zwischenzeitlich auch über eine schlampige Buchführung bei MF Global spekuliert worden.

Ein Verdacht ist nun, dass das Management auf das Geld seiner Kunden zurückgegriffen hat, als die Finanzfirma immer mehr in Schieflage geriet. MF Global hatte am Montagmorgen Insolvenz anmelden müssen, nachdem ein Notverkauf in letzter Minute wegen des ungeklärten Verbleibs der Millionen geplatzt war.

Auch der Chef der Derivatebörse CME, Craig Donohue, berichtete am Dienstag in einer Telefonkonferenz davon, dass MF Global die Regeln für den Umgang mit Kundengeldern verletzt habe: «Wir sind derzeit nicht in der Lage, den genauen Umfang der Verfehlungen zu beziffern.» Die CME habe aber eine Untersuchung eingeleitet und arbeite dabei eng mit der zuständigen Aufsichtsbehörde CFTC zusammen, sagte Donohue. MF Global selbst äusserte sich bis dato nicht öffentlich zu den Vorwürfen.

Verspekuliert

MF Global hatte für seine Kunden aus der Finanzindustrie - etwa Hedgefonds - Börsengeschäfte abgewickelt. Die Kundenvermögen müssen dabei aus Sicherheitsgründen stets von dem Vermögen des sogenannten Brokers getrennt werden.

MF Global etwa hatte auf eigene Rechnung in grossem Stil auf eine rasche Erholung der Eurozone gewettet und europäische Staatsanleihen im Volumen von 6,3 Mrd. Dollar (5,6 Mrd. Fr.) angehäuft - viel zu viel für eine derart kleine Firma, wie die Ratingagenturen befanden. Der Aktienkurs brach ein, MF Global ging am Ende das Geld aus.

MF Global war ein Schwergewicht unter den Wertpapierhändlern und nach eigenen Angaben an mehr als 70 Börsen weltweit vertreten. In der Branche wird nun befürchtet, dass ihre Kunden das Vertrauen in die Zunft verlieren könnten.

(sda)

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