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Drei entscheidende StundenPlötzlich alles anders: Furrer ersetzt Bezina

Philippe Furrer wurde von Ralph Krueger kurz vor dem Olympia-Turnier aussortiert. Doch jetzt verteidigt er für die Schweiz. Goran Bezina fliegt nach Hause. Was ist passiert?

von
Klaus Zaugg
Vancouver

Sonntagmittag, 12.15 Uhr. Das Training der Schweizer im Britannia-Sportzentrum ist zu Ende. Die Spieler kommen vom Eis. Goran Bezina ist noch ganz verschwitzt. Aber zufrieden und erleichtert. Ja, sagt er, es gehe, er könne das Olympische Turnier bestreiten. Er werde zwar schmerzstillende Spritzen für Training und Spiel brauchen. «Aber die Ärzte haben mir grünes Licht gegeben und gesagt, dass kein Risiko besteht, dass sich meine Verletzung verschlimmert.» Er sei nach Tagen der Zweifel froh, dass nun alles klar sei.

Ein bisschen weniger froh ist SCB-Verteidiger Philippe Furrer. Er muss am Montag nach Hause fliegen. Der Flug ist schon gebucht. Für ihn ist alles schief gelaufen: Nach dem Trainingslager in Winnipeg hätte er eigentlich hier in Vancouver noch mit dem Team trainieren sollen - aber er bekommt keine Akkreditierung, darf nicht ins Olympische Dorf, nicht an der Eröffnungsfeier teilnehmen.

Sonntagmittag, 12.30 Uhr. Ralph Krueger kommt aus der Kabine und bestätigt 20 Minuten Online die letzte Entscheidung. «Es tut mir leid für Philippe Furrer. Aber er muss nach Hause. Goran Bezina kann das Turnier bestreiten.» Definitiv? Krueger: «Definitiv.»

In der Schweiz ist es jetzt 21.30 Uhr. Also grad noch Zeit, die Meldung in die Zeitungsspalten zu rücken: Nun ist es definitiv: Bezina spielt, Furrer kehrt heim nach Bern.

Sonntagnachmittag, 15.00 Uhr. Medientermin der ganzen Mannschaft im «Swisshouse» unten am Hafen. Die Trainer und Spieler stehen eine Stunde für alle Reporter zur Verfügung. Eine Routine-Veranstaltung wie vor jedem grossen Turnier. Neuigkeiten gibt es keine mehr.

Oder doch? Medienchef Lukas Hammer ist ganz aufgeregt. Er nimmt zusammen mit Ralph Krueger vorne am Tisch Platz und kündigt Neuigkeiten an. Tatsächlich. «Goran Bezina fliegt nach Hause. Philippe Furrer rückt in die Mannschaft nach.»

Hoppla. Was ist in den drei Stunden passiert, die inzwischen vergangen sind?

«Die Schmerzen einfach zu gross geworden»

Goran Bezina erklärt seine Situation gegenüber 20 Minuten Online: «Als die Wirkung der schmerzstillenden Spritze nachgelassen hatte, sind die Schmerzen einfach zu gross geworden. Es geht nicht.» Er hatte sich, wie zuletzt in Winnipeg, fürs Training fitspritzen lassen. Doch diesmal führte die Trainingsbelastung zu einer Verschlimmerung der Muskelverletzung (Riss) im Lendenbereich.

Philippe Furrer ist auch da und erzählt 20 Minuten Online von einem der verrücktesten Momente seiner Karriere. «Ich lag im Bett und schlief, ich wollte schon mal ein wenig vorschlafen, um nach meiner Rückkehr den Rhythmus besser zu finden. Mein Rückflug war gebucht. Da wurde ich durch das Klingeln des Hoteltelefons geweckt. Das Natel hatte ich gar nicht gehört.» Die frohe Botschaft: Kein Heimflug. Sofort aufstehen. Sofort parat machen für die Akkreditierung.

Freundin fliegt ein

Aber vorher musste Furrer noch seine Freundin in der Schweiz erreichen. Sie war nämlich mit der Botschaft schlafen gegangen, dass ihr Freund das Olympische Turnier nicht spielen kann und dass sie deshalb am Montag früh ihren Flug nach Vancouver annullieren kann. «Ich konnte sie nicht erreichen, weil sie das Handy ausgeschaltet hatte und weil wir kein Festnetztelefon haben. Schliesslich habe ich die Frau meines Freundes Paul Laciga ans Telefon bekommen. Sie hat meine Freundin geweckt und ihr gesagt, dass sie mich nicht am Flughafen abholen muss. Sondern packen und doch nach Vancouver fliegen kann ...»

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