Aktualisiert 15.08.2013 08:27

Büsserach SO «Plötzlich hatte er das Gewehr in der Hand»

Ein 48-jähriger Schweizer aus dem Kanton Solothurn hat seinen Bruder mit einem Jagdgewehr getötet – vor den Augen eines dritten Bruders. Dieser erzählt 20 Minuten von den Hintergründen der Tat.

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lha/nj

Bei einem Streit hat der 48-jährige K.J.* aus Büsserach SO am Dienstagabend kurz vor 20 Uhr seinen älteren Bruder erschossen. Auslöser des Konflikts zwischen dem Opfer und seinem Bruder K.J. war laut Bekannten der Familie das Haus, in dem K.J.* lebte. Bei der Liegenschaft an der Schulstrasse in Büsserach handelt es sich um das Elternhaus der beiden Männer sowie ihres dritten Bruders, A.J. Die drei haben zudem eine Schwester.

Der 48-jährige K.J. hatte schon seit seiner Kindheit in dem Haus gelebt. Der Vater der drei ist schon vor längerer Zeit gestorben. «Als vor rund zwei Jahren nun auch noch die Mutter starb, ist der Konflikt um das Erbe ausgebrochen», erzählt ein Nachbar. Der Erbstreit drehte sich offenbar aber nicht um den Grundbesitz, sondern um die Konditionen zu denen K.J im Elternhaus lebte.

Mit dem Jagdgewehr getötet

Das Opfer habe immer wieder versucht, eine einvernehmliche Lösung zu finden. Doch K.J., der in dem Haus mietfrei wohnt, habe nicht einlenken wollen. «Wir wollten doch nur, dass er eine kleine Miete für das Haus zahlt», erzählt A.J., der dritte Bruder, der Zeuge des tödlichen Schusses wurde. «500 Franken im Monat hätten uns schon genügt.» K.J., der nie eine geregelte Arbeit hatte und schwer verschuldet gewesen sein soll, konnte oder wollte die Miete nicht aufbringen.

Auch am Tatabend hätten er und K.J. den 48-Jährigen besucht, um erneut zu diskutieren. Auf einmal habe sich K.J. jedoch ein Jagdgewehr gegriffen und geschossen. «Wir hatten noch keine zehn Minuten geredet, als er austickte.» Das 55-jährige Opfer, das mit seiner Freundin und deren Sohn zusammen in Büsserach lebte, wurde schwer verletzt und starb später im Spital. A. kümmerte sich am Tatort noch um seinen Bruder, bis die Ambulanz eintraf.

K.J. konnte noch am Tatort festgenommen werden. Er leistete keinen Widerstand. Gemäss Polizeiangaben hat er gestanden, geschossen zu haben. Weitere Personen wurden nicht verletzt. Woher der Täter das Jagdgewehr hatte, wisse er nicht, sagt der überlebende Bruder. Bei K. habe es sich immer um das schwarze Schaf der Familie gehandelt, einen Taugenichts, der keine Ausbildung machte und keiner geregelten Arbeit nachging, heisst es im Dorf. Eine landwirtschaftliche Ausbildung – auch der Vater war Bauer – hatte er abgebrochen. Das Einzige, was den Täter begeisterte, sei das Openair «Rock am Bärg» gewesen, für das er sich seit Jahren engagiert habe.

Zur Klärung des genauen Tathergangs eröffneten die Polizei und die Staatsanwaltschaft Kanton Solothurn eine Untersuchung.

*Namen der Redaktion bekannt. (lha/nj/sda)

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