30.07.2020 05:40

Wie geht denn das?

Plötzlich ist der seit Jahren trockene See aus «Dirty Dancing» wieder da

Mehr Pfütze als See: So stand es zwölf Jahre um den See, in dem Johnny und Baby im Film «Dirty Dancing» die berühmte Hebefigur übten. Doch auf einmal führt dieser wieder Wasser.

von
Fee Anabelle Riebeling

Darum gehts

  • Zwölf Jahre lang war der See aus dem Kultfilm «Dirty Dancing» (1987) ausgetrocknet.
  • Nun steigt der Wasserspiegel auf einmal wieder.
  • Das Ganze hat wohl geologische Hintergründe.
  • Es handelt sich dabei um ein weltweit einzigartiges Phänomen.

Früher war alles besser. Diese Aussage traf viele Jahre auch auf den Mountain Lake in den Appalachen im US-Bundesstaat Virginia zu. Denn der See, der Mitte der 1980er-Jahre so voll war, dass Johnny (Patrick Swayze) seinem Baby (Jennifer Grey) im Film «Dirty Dancing» die wichtigste Hebefigur der Filmgeschichte beibringen konnte, lag rund zwölf Jahre trocken.

Sein Anblick war so erbärmlich, dass der britische «Guardian» ihn im Jahr 2015 abfällig als «rötlich-braune Grube» bezeichnete. Während viele andere Schauplätze des Kellerman’s Resort, das im wahren Leben Mountain Lake Lodge heisst, noch bis heute erhalten sind (siehe Video oben), hatte der See rein gar nichts mehr mit dem idyllischen Ort aus dem Film zu tun.

«Er beginnt sich wieder zu füllen»

Doch damit ist nun Schluss, wie CNN berichtet: «Er beginnt sich wieder zu füllen.» So wie er das früher schon mehrfach, aber nun schon zwölf Jahre nicht mehr gemacht habe. Nach einem feuchten Frühling bemerkten die Mitarbeiter des Mountain Lake Resort in den vergangenen Wochen, dass sich der See wieder zusehends füllt.

«Er ist jetzt zu einem Drittel wieder voll, und das Wasser scheint auch zu bleiben», so die Generaldirektorin der Anlage, Heidi Stone, im Interview. Alle seien sehr aufgeregt deswegen, weil der berühmte Drehort so viele Jahre mehr mit einer Wiese als mit einem See gemein hatte. Zudem geschieht das Ganze ohne das Zutun von Menschen.

Weltweit einzigartiges Phänomen

Laut Wissenschaftlern ist das selbstständige Abfliessen und Auffüllen des Bergsees ein einzigartiges Phänomen – «nicht nur in den Appalachen, sondern weltweit», sagte Jon C. Cawley, Professor am Roanoke College, in einem Video, das auf Mtnlakelodge.com veröffentlicht wurde:

Es handele sich dabei um ein natureigenes, komplexes Reinigungssystem des Sees, wie Ross Irwin vom Smithsonian Air & Space Museum in Washington erklärt, der ebenfalls in dem Video zu Wort kommt.

Erdbeben lieferte erste Hinweise auf Erklärung

Einen ersten Hinweis darauf, dass das regelmässige Verschwinden des Sees auf geologische Kräfte zurückgeht, lieferte ein Erdbeben im Jahr 1959: «Das liess nicht nur den Steinkamin der Mountain Lake Lodge bersten, sondern verschloss anscheinend auch die unterirdischen Abflüsse – der See blieb danach über Jahrzehnte voll», so Lars Fischer in einem Beitrag auf dem Blogportal «Scilogs».

Ein weiteres Indiz findet sich laut Fischer an der tiefsten Stelle de Sees, wo sich neben steilen Ufern eine mehrere Meter tiefe, schmale Spalte befindet. Sie ist – untypisch für die tiefste Stelle eines Sees – nahezu frei von Schlamm, und Taucher stellten dort Strömungen fest. Dort fliesst Wasser in den See und aus ihm hinaus. 1998 konnten Cawley und seine Kollegen Bruce C. Parker und Lee J. Perren nachweisen, dass es es dort gleich mehrere Klüfte entlang einer Bruchzone hat.

Hohlräume brechen zusammen

Warum aber läuft der See dabei manchmal ganz leer und füllt sich dann wieder? Gänzlich geklärt ist das noch nicht. Doch das Team um Cawley vermutet, dass dies mit der Durchlässigkeit der Abflüsse zu tun haben könnte. Ihrer These zufolge müssten sie bei hohem Wasserstand relativ eng sein.

«Im Laufe der Zeit aber schwemmt das fliessende Wasser Material weg und verbreitert die Klüfte, so dass immer mehr Wasser immer mehr Material abträgt – bis die Löcher so gross sind, dass irgendwann der See nahezu leer läuft», fasst Fischer die Theorie in seinem Artikel zusammen. Dadurch liesse der Wasserdruck so dramatisch nach, dass die Hohlräume unter dem Gebirgsdruck zusammenbrechen würden, wodurch die Abflüsse wieder verschlossen würden und der See wieder voll laufe. So wie dies offenbar jetzt wieder der Fall ist.

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