Plötzlich konnten die Jünger Fremdsprachen
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Plötzlich konnten die Jünger Fremdsprachen

Pfingsten ist der drittwichtigste Feiertag im Kirchenjahr nach Weihnachten und Ostern.

Der Begriff Pfingsten leitet sich ab von griechisch «pentekosté», der Fünfzigste. Denn am 50. Tag nach Ostern - also eigentlich Pfingstmontag - sandte Gott laut Neuem Testament den Heiligen Geist auf die Jünger nieder, worauf sie plötzlich Fremdsprachen konnten und ihren Missionsauftrag erkannten. Das Ereignis gilt als Abschluss der Osterpassion und Geburtsstunde der Kirche.

Der Heilige Geist - Gewitter oder Göttin?

Wie hat man sich den Heiligen Geist vorzustellen? Die Apostelgeschichte behilft sich mit «Brausen» und «Zungen wie von Feuer». «Das hört sich nach einem guten Frontgewitter an», deutet Vorzeige-Metereologe Jörg Kachelmann das Phänomen auf der Website «kat.ch». Frontgewitter seien die stärksten und würden von einer mächtig brausenden Wolkenwalze angekündigt.

Manche Theologen sehen im Heiligen Geist auch das weibliche Element Gottes. Dafür spricht, dass der Heilige Geist bei der Jordantaufe als Taube auf Jesus herniederkam. Die Taube, die auch auf Gemälden häufig den Heiligen Geist symbolisiert, war im antiken Orient ein Symbol für alle grossen Göttinnen.

Das Heilig-Geist-Schwingen ist kein Älplerfest

Die Taube steht - oder besser hängt - denn auch im Mittelpunkt der wenigen religiösen Pfingstbräuche, die überliefert sind. Im Mittelalter praktizierte man das sogenannte Heilig-Geist-Schwingen: Entweder wurden lebende Tauben in der Kirche freigelassen oder eine hölzerne Taube wurde von der Kirchendecke herabgesenkt und an der Schnur kreisen gelassen.

Auch die Pfingstfeuer werden - in Anlehnung an die Feuerzungen - zu den religiösen Pfingstsymbolen gezählt. Sie dürften aber - ähnlich wie die Zürcher Böögg-Verbrönnete - heidnischen Ursprungs sein. Das Sechseläuten als typischer Frühlingsbrauch teilt gleich mehrere Elemente mit dem Pfingstbrauchtum, beispielsweise den verbrannten Strohmann - in Niedersachsen der «Pfingstkarl» - oder den Umritt.

Die mittlerweile ausgestorbenen Pfingstumritte hatten ihren Ursprung in früheren Heerschauen. Im antiken Rom wurden sie am 1. März, dem Sommer- und Jahresbeginn, durchgeführt, nördlich der Alpen aber - klimatisch bedingt - am 1. Mai. Flurnamen wie «Maien(en)feld» erinnern noch daran.

Vegetationsbräuche

Gar nicht martialisch waren dagegen die Flurumgänge zu Pfingsten. Mit ihnen wurde das Wiedererwachen der Vegetation beschworen.

Auch Brunnenschmücken, Pfingstbäume und Laubgestalten - in der Romandie «Feuillu», «Petou», «Bossu» oder «Guillot» - gehören in diesen Bereich. Ebenso der geschmückte Pfingstochse, vermutlich ein Relikt heidnischer Tieropfer, und der Bad Ragazer «Maibär», der am Schluss in die Tamina geworfen wurde.

Neben floraler und faunaler Fruchtbarkeit durfte die humane nicht vergessen werden. Ihr diente im Fricktal und im Baselbiet der Pfingstsprüzlig, -blüttlig oder -lümmel. Dieser in Laub gewickelte Dorfjüngling wurde von seinen Kollegen in den Brunnen geschmissen und durfte danach - eine schlüpfrige Angelegenheit im Doppelsinn - die jungen Frauen bespritzen.

(sda)

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